Suchtstoffe:
Nikotin
Am Anfang war die Friedenspfeife...
Nikotin hat seinen Ursprung in Amerika. Dort wächst die Tabakpflanze, welche den Stoff enthält, der schon von den Indianern als Rauschmittel bekannt war und vor allem bei Kulthandlungen eingesetzt wurde.
In Nordamerika wurde das Nikotin üblicherweise geraucht, während es in Südamerika auch gekaut und geschnupft wurde. Nach der Entdeckung Amerikas im 16. Jahrhundert gelangte die Tabakpflanze zunächst nach Spanien, wo sie hauptsächlich als Zierpflanze gehalten wurde. Mit ihrer Weiterverbreitung nach Frankreich änderte sich auch die Verwendung - denn am französischen Hofe wurde der Tabak mit Vorliebe geschnupft, während niederländische Seefahrer ihrerseits den Genuss am Rauchen entdeckten. Im 17. Jahrhundert verbreitete sich die Pflanze über ganz Europa und bis nach Japan und China.
Der Anbau und Konsum des Tabaks war zunächst in vielen Ländern verboten ( was jedoch die zunehmende Beliebtheit nicht stoppen konnte ). Auch in Deutschland galt bis 1848 ein Rauchverbot auf der Strasse. Die Verbote verloren spätestens im 19. Jahrhundert in den meisten europäischen Ländern ihre Bedeutung - als die Massenproduktion von Zigaretten einsetzte. Im 20. Jahrhundert erlebte die Popularität des Tabaks seinen Höhepunkt - das Rauchen hatte sich gesellschaftlich etabliert. Momentan soll wiederum eine völlig andere Richtung eingeschlagen werden: mit gesetzlichen Einschränkungen und anderen gesellschaftlichen Maßnahmen wird versucht, den Tabakkonsum zu vermindern, nachdem die gesundheitlichen Folgeschäden zunehmend ins Bewusstsein des öffentlichen Interesses gerückt sind.
Nikotin - was ist das?
Zur Herstellung von Zigaretten (und anderer Rauchwaren) werden die Tabakpflanzen zunächst getrocknet und anschließend weiter verarbeitet und veredelt. Das Hauptalkaloid des Tabaks ist das Nikotin. Dieser giftige Stoff wurde erstmals im Jahr 1928 isoliert. Ihm schreibt man die Verantwortung für die süchtigmachende Wirkung vom Rauchen zu. Der Tabak enthält noch zahlreiche weitere Stoffe, z.B. Cyanwasserstoff, Benzol, Formaldehyd, Hydrazin, Vinylchlorid, Cadmium, Blei, Nickel, Chrom, Aluminium und Kohlenmonoxid. Mehr als 40 der enthaltenen Stoffe haben, sowohl auf Raucher, als auch auf Passivraucher, eine krebserregende Wirkung.
Arten des Konsums
Zu 90% wird das Nikotin (und die sonstigen enthaltenen Schadstoffe) in Form von Zigaretten, seltener auch Zigarren, Zigarillos oder in Pfeifen, geraucht, also in die Lunge inhaliert. Der Tabak kann nach spezieller Verarbeitung auch gekaut oder geschnupft werden.
Was geschieht beim Rauchen?
Etwa 30% des in der Zigarette enthaltenen Nikotins wird freigesetzt. Davon werden bis zu 95% beim intensiven Inhalieren resorbiert und wiederum 25% gelangen innerhalb von 7-8 Sekunden ins Gehirn. Dort trifft das Nikotin auf passende Rezeptoren und es kommt zur Auslösung verschiedener körperlicher Reaktionen und zur Ausschüttung bestimmter Botenstoffe, die wiederum eine spezifische Wirkung haben. Es kommt u.a. zu steigendem Puls und Blutdruck, abnehmendem Hautwiderstand und sinkender Hauttemperatur. Zu den erstrebten Effekten gehört vor allem die Steigerung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit, der Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung. Eine regelmäßige Nikotinaufnahme führt zur Vermehrung jener passender Rezeptoren (nicotinerge Acetylcholinrezeptoren) und aufgrunddessen beim Absetzen zu Entzugssymptomen, z.B. verminderte Frustrationstoleranz, Ärger, Aggressivität, Angst, depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Schlafstörungen und Appetitsteigerung. Starke Raucher/innen empfinden bereits 20-30 Minuten nach der letzten Zigarette einen erneuten Drang zum Rauchen, da die Wirkung des Nikotins bereits nach dieser kurzen Zeit nachlässt.
Effekte durch das Rauchen
Beim Tabakrauchen kommt es zu keinem "typischen Rauch". Zunächst wird das Rauchen sogar eher als unangenehm empfunden, denn es treten leichte Vergiftungsbeschwerden auf: Speichelfluss, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Herzjagen bis hin zu Bewusstseinsstörungen. Erst bei regelmäßigem Konsum passt sich der Körper sozusagen an die Giftstoffe an und die psychische Wirkung tritt in den Vordergrund. Der Raucher / Die Raucherin fühlt sich dann, je nach Ausgangssituation, aufmerksamer, konzentrierter, gelassener, weniger stressempfindlich, ruhiger, ausgeglichener... Außerdem wird das Rauchen oft mit positiven Situationen verknüpft, z.B. in Gesellschaft, beim gemütlichen Kaffee trinken etc. Diese Verknüpfungen begünstigen die psychische Abhängigkeit noch.
Risiken
Neben den akuten Vergiftungserscheinungen beim ungewohnten Tabakkonsum liegen die Risiken vor allem in der schnell einsetzenden Nikotinabhängigkeit und den Folgeschäden von dauerhaftem Rauchen. Für Kinder besteht die Gefahr einer Vergiftung durch den Verzehr ungerauchter Zigaretten oder Zigarettenkippen.
Statistik - täglich 270 Tote
Mehr als 30% der Weltbevölkerung im Alter von über 15 Jahren konsumieren Tabakprodukte, darunter pro Jahr etwa sechs Billionen Zigaretten. In Deutschland rauchen ca. 28% der erwachsenen Bevölkerung ab 15 Jahre, davon 22% Männer und 13% Frauen. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei mindestens 20 Zigaretten pro Tag. (Angaben des Statistischen Bundesamtes 1999)
In Deutschland sterben jährlich schätzungsweise 111000 Menschen frühzeitig aufgrund des Tabakkonsums, also täglich ca. 270 Raucher oder Raucherinnen. (Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung)
Langzeitfolgen (vom Rauchen im Allgemeinen)
Körperliche Folgen
- Verengung und Verkalkung der Blutgefäße. Folgen: schwerwiegende Durchblutungsstörungen insbesondere der Herzkranzgefäße und der äußeren Gliedmaßen, erhöhte Thromboseneigung
- erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko
- Erkrankungen der Atmungsorgane, z.B. chronische Bronchitis, Lungenemphysem, Lungenkrebs
- Krebserkrankungen aller Art
Psychische Folgen
- Nikotinabhängigkeit (vergleichbares Suchtpotenzial wie Amphetamine, Kokain oder Morphin)
Soziale Folgen
- finanzielle Belastung
- gesellschaftliche Inakzeptanz, Konflikte, Rechtfertigung
sg/si'ba |
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