Suchtstoffe: Benzodiazepine
Beruhigung und Schlaf zu einem hohen Preis
Benzodiazepine sind die Hauptbestandteile der Medikamentengruppe der Tranquilizer (Psychopharmaka mit hohem Suchtpotenzial), welche als Entspannungs- und Beruhigungsmittel verabreicht werden.
Der bekannteste Wirkstoff dieser Art ist das Diazepam.
Auch in manchen Schlafmitteln (Hypnotika) sind Benzodiazepine vorzufinden und ursächlich für die abhängig machende Wirkung dieser Arzneien.
Es empfiehlt sich nicht, diese Medikamente dauerhaft einzunehmen.
Tatsächlich aber handelt es sich bei Benzodiazepanhaltigen Mitteln, welche meist in Tablettenform eingenommen werden, um die Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate in Deutschland - und das, obwohl sie ohne Verschreibung nicht ausgehändigt werden dürfen!
Entwicklung der Benzodiazepine
Bereits vor der ersten Synthese dieser Stoffe im Jahre 1957, wurden in manchen Pflanzen (z.B. Kartoffeln und Weizen) Spuren von Molekülen gefunden, welche ähnliche chemische Eigenschaften haben wie die Benzodiazepine, was eine Erklärung für die beruhigende Wirkung von Naturheilmitteln darstellt.
Die synthetisch hergestellten Benzodiazepine wirken jedoch um ein vielfaches stärker und führen bei regelmäßiger Einnahme unabdingbar zu einer starken psychischen und körperlichen Abhängigkeit.
Wirkung im Körper
Benzodiazepine wirken im zentralen Nervensystem und verstärken die Wirkung des Botenstoffes GABA
(?-Aminobuttersäure), welcher für eine Hemmung aller nervlichen Signale sorgt und auf diese Weise zur körperlichen Beruhigung führt.
Auf Dauer kommt es zu einer Anpassung der Synapsenfunktion an die veränderte Situation, so dass ein abruptes Absetzen der Benzodiazepine nach längerer regelmäßiger Einnahme starke Entzugssymptome hervorruft und niemals ohne ärztliche Betreuung, am besten durch langsame Reduktion der Dosis, erfolgen sollte.
Gefühlte Wirkung
Benzodiazepine wirken in erster Linie angstlösend, beruhigend, Aggressivität hemmend und schlaffördernd.
In sehr hohen Dosen oder in Verbindung mit anderen Drogen kann es zu komplexen Rauschzuständen mit Euphorie, veränderter Erlebnisverarbeitung und Wahrnehmung kommen.
Nebenwirkungen dieser Medikamente sind Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche und verringerte sexuelle Bedürfnisse.
Risiken
Da Benzodiazepine auch die Atemmuskulatur hemmen, besteht bei einer Überdosierung die Gefahr des Atemstillstandes.
Auch Gedächtnisstörungen und eine verminderte Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit sind Folgen einer zu hohen Aufnahme des Wirkstoffes.
Bei Langzeiteinnahme kann es zu depressiven Verstimmungen und zu einem Wandel der Persönlichkeit mit Gleichgültigkeit und Antriebsverlust kommen.
Bei angemessener Dosis sind die allgemeinen Risiken zwar vergleichsweise gering, doch eine Abhängigkeit wird in den meisten Fällen nicht ausbleiben und leider werden Benzodiazepine all zu schnell verschrieben, ohne zuvor Risiko und Nutzen genau abzuwägen und die weitreichenden Folgen für den Patienten zu bedenken.
Langzeitfolgen
(zeigen sich zunächst nicht offensichtlich)
Körperliche Folgen
- allgemeine Schwäche
- Leberschäden
- Gehirnschäden ® psychoseartige Zustände (z.B. Verfolgungswahn)
- starke Entzugssymptome : Schlafstörungen, starke Erregung mit innerer Unruhe, schwere Angst- und Spannungszustände, Suizidimpulse erhöhte Angstbereitschaft mit Panikattacken, Entfremdungserlebnisse "klassisches" Entzugsdelirium oder Entzugspsychose mit Krampfanfällen.
Psychische Folgen
- Apathie
- Depressionen
- Suizidgefahr
Soziale Folgen
- Rückzug aus dem sozialen Leben
- Interessenverlust
- verstärkt zwischenmenschl. Konflikte
- Beschaffungskriminalität
Abhängigkeit
Benzodiazepine führen deshalb zu einer starken körperlichen Abhängigkeit, weil der Körper auf die Einnahme sehr schnell mit Gewöhnung reagiert und eine Dosiserhöhung "fordert".
Gleichzeitig kommt es aufgrund der als angenehm empfundenen beruhigenden Wirkung rasch zur psychischen Abhängigkeit.
Sowohl bei eigenwilliger Dosierung als auch bei ordnungsgemäßer Einnahme ist die Gefahr der Abhängigkeit nahezu unumgänglich, besonders dann, wenn der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen wird.
Man unterscheidet 3 Arten der Abhängigkeit:
1. Primäre Hochdosisabhängigkeit (eher selten):
- starke körperliche und psychische Benzodiazepinabhängigkeit
- extreme Dosissteigerung
- allmähliche Persönlichkeitsveränderungen
- schwere Entzugssymptome
2. Primäre Niederdosisabhängigkeit (häufigste Art der Benzodiazepin-Abhängigkeit):
- Einnahme einer täglichen, geringe Dosis im Rahmen der therapeutischen Verordnung
- keine/minimale Dosissteigerung
- trotzdem quälende Entzugssymptome bei Absetzversuchen ® weitere Einnahme
3. Sekundäre Benzodiazepinabhängigkeit (häufig):
- tritt vor allem bei Mehrfachkonsumenten auf (Konsumenten diverser verschiedener Drogen) oder im Rahmen einer Suchtverschiebung (.z.B. bei "trockenen" Alkoholikern)
- starke Entzugssymptome, die ein bis vier Wochen anhalten (besonders dramatisch bei abruptem Absetzen)
Achtung: Zu diesem Thema erhielten wir gerade einen interessanten Beitrag von Karl-Heinz K. Die kritische Vernetzung von Ärzten, Pharmaindustre und Krankenkassen.
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sg/si'ba
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