::: von "Gauki" :::
Sicher befassen sich auch viele andere Co-Abhängige bzw. Angehörige mit dem Thema Sucht. Ich kenne meinen Mann nun seit 5 Jahren.
Seit ca. 3 Jahren ist mir bewußt, dass er ernsthafte Probleme mit dem Alkohol hat.
Richtig bewußt war es mir erst kurz nach unserer Hochzeit und nach dem gemeinsamen Hauskauf. Außerdem hängt meine Tochter aus erster Ehe an ihrem "Ersatzpapa".
So wollte ich auf jedem Fall meinem Mann helfen. Er versprach auch immer wieder, mit dem Trinken aufzuhören. Jedoch stellte sich dieses Versprechen immer wieder als Lüge (wohl auch sich selbst gegenüber) heraus. Da er lange Zeit eher ein Epsilon-Trinker war, der hauptsächlich nur im Urlaub und am Wochenende (dafür aber um so mehr) becherte, gab es wohl keine Probleme mit der Arbeit. Auch auf meine Tochter nahm er Rücksicht. Für mich war dies jedoch schon eine schreckliche Zeit. Denn während sich andere Frauen auf Urlaub und Wochenende mit der Familie freuen, hatte ich Angst vor den Wochenenden.
Ich verbrachte die Zeit genau genommen dann doch allein mit der Tochter, immer in Angst, meinen Mann betrunken vorzufinden. Oder er kam angetrunken vom Hunde-Spaziergang heim. Dann kam irgendwann der Punkt, als er Arbeitszeiten und die Zeiten, wo meine Tochter ihn sehen konnte, nicht mehr im Griff hatte. Auf mein Drängen machte er eine Entgiftung, wirkte sehr einsichtig. Jedoch schloß er sich nicht sofort einer Gruppe an.
Einige Wochen später schlichen sich wieder alte Verhaltensweisen ein (wie immer nur lange schlafen, unregelmäßige Mahlzeiten, kein Interesse an Familie und Haus). Wie eine betrogene Ehefrau merkte ich es natürlich wieder als letzte, daß er wieder naß war. Vielleicht wollte icht es nicht wahrhaben und habe deshalb die Anzeichen verdrängt? Gemeinsam schlossen wir uns einer Selbsthilfegruppe an. Er bemühte sich, rutschte aber nun doch wieder viel tiefer ab. Trinken bis zum Blackout alle paar Tage. Urin im Bett, auf den Wohnzimmerfliesen. Umgekippte Colaflaschen und festgeklebte Kaugummis auf dem Sofa und andere solcher "schönen" Dinge.
Wenn ich gewußt hätte wohin auf Dauer und bezahlbar, wäre ich mit der Kleinen schon gegangen. Dann habe ich mir eines abends einen Ruck gegeben und bin mit einer Freundin zu einer Tanzveranstaltung in unserem Ort gegangen. An solchen Feiern haben wir ja schon lange nicht mehr teilgenommen, um nicht in die Versuchung zu kommen, Alkohol zu trinken (dafür gings ja in den Kiosk). Dort wurde ich von einer Bekannten einem Mann in meinem Alter vorgestellt.
Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Haben die halbe Nacht getanzt, es gab auch bißchen Schmetterlinge im Bauch. Einfach toll, daß sich mal jemand um mich kümmerte, jemand zum Anlehnen. Einmal die (für Co-Abhängige übliche) Verantwortung vergessen. Da ich dachte, in unserem kleinen Ort wird dieser Abend etwas übertrieben herumgeplaudert, sagte ich meinem Mann die ganze Wahrheit. Ich glaube, dies löste in ihm etwas aus.
Er trank die nächsten Tage noch mehr und war unausstehlich. Dann verkündete er. er würde noch einmal zur Entgiftung gehen und dann eine Langzeittherapie beantragen. Dieses Mal würde er es tun, weil er es möchte und nicht, weil ihn jemand schickt. Ich denke, er war eifersüchtig und hatte gemerkt, daß seine sonst eher schüchterne Frau evtl.eigene Wege gehen will.
Ich bin stolz, daß er diesen Weg gewählt hat. Er ist jetzt seit 7 Tagen in der Entgiftung. Zum ersten Mal hat er den Ärzten die Wahrheit gesagt und auch gesagt, was in ihm vorgeht. So kam zu Tage, daß er zusätzlich an Depressionen leidet, die nun gleich mit behandelt werden. Er hat seinen Entschluß zur Langzeit noch nicht widerrufen. Ich denke, er macht jetzt wirklich Nägel mit Köpfen.
Ich freue mich unendlich darüber, denn ich liebe den Teil, der in nüchternen Zeiten ans Licht kommt, immer noch wie am ersten Tag. Aber ich gehe auch einer ungewissen Zukunft entgegen. Hält er nun wirklich durch? Die Therapien der Sucht und der Depressionen werden auch den nüchternen Teil in ihm verändern. Wir haben uns fürchterlich viel angebrüllt in den letzten Monaten. Am Ende ist vielleicht er der jenige, der merkt, daß er mich gar nicht mehr wirklich liebt? Daß er in irgend einer Weise nur von mir abhängig war? Ich hoffe, daß wir uns weiter lieben können und nach und nach eine Beziehung aufbauen können, in der wir zwei gleichberechtigte Partner mit gemeinsamer Verantwortung sind.
Mir bleibt nun erstmal nur abzuwarten und hier zu Hause etwas zur Ruhe zu kommen. Denn diesen Weg muß er nun erst einmal (fast) allein gehen....
[Liebe "Gauki", wir danken Dir für Deine echten Worte und wünschen Dir und Deinem Mann alles, alles Liebe und Gute...vieleicht kannst Du uns in Monaten erzählen, wie die Geschichte sich entwickelt hat...
Anton - Team Sonderglocke]
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