"Ich bin ein Alki"
Nachdem ich ein paar von euren Schicksalen gelesen habe, möchte ich nach stundenlangem überlegen auch einen Beitrag reinsetzen. Ich weiß zwar nicht, ob ich an der richtigen Stelle bin, aber das wird sich ja ergeben.
Vorab gesagt, ich bin ein Alki.
Soweit ich mich errinnern kann, fing es mit ca dem 10 Lebensjahr an. Ich durfte für meinen Vater aus der Kneipe in einem Siffon Bier holen. das war ein übergroßer Krug, der auf dem heimweg zum probieren einlud, natürlich nur den Schaum.
In meiner Zeit als Jugendlicher hab ich mich wohl, ich denke mal normal entwickelt, das heißt am Wochenende wurde unter Freunden gefeiert in der Disco, anfangs mit Bier.
dann wurden härtere Sachen probiert, aber nach einem Vollrausch, der mir ein blaues Auge bescherte hatte ich von den harten Sachen die Nase voll ( zum Glück, sag ich heute )
Auch von diversen Drogen, welche im Bekanntenkreis genommen wurden, habe ich Abstand genommen, weil ich mitbekommen habe, wie 2 meiner freunde elend verreckt sind.
Beruflich habe ich keinen Abschluß geschafft, weil ich durch 2 Pkw-Unfälle die rechte Hand nur noch eingeschränkt gebrauchen konnte.
Es wechselten sich Gelegenheitsjobs und Arbeitslosigkeit ab und am Wochenende wurde gebechert, was das Zeug hält. Sonst ist man ja nicht in!!!
Verliebt, verlobt und verheiratet aber noch viel zu jung um klar denken zu können.
mein geringes Wissen, was die Ehe betrifft, versuchte ich mit Alkohol wettzumachen, was natürlich schief ging.
Dann starb meine Frau plötzlich an einem Kopftumor.
Für mich brach eine Welt zusammen und nach mehreren Saufattacken habe ich auf Anraten der Ärtze 6 Monate Therapie gemacht wegen Suizidgefahr.
Danach ging es eigentlich etwas besser, ich wurde Lkw-Fahrer, aber am wochenende ging immer die Post ab, sprich Saufen bis zum Abwinken.
Mehrere Freundinnen suchten das weite, als sie merkten, das ich am Wochenende nur eins im Sinn hatte.
Wenn ich ehrlich bin war mir damals das Bier wichtiger wie Freundschaft.
So verlor ich nach und nach Freunde und für das weibliche Geschlecht hatte ich keine Zeit mehr, da ich ja saufen mußte am Wochenende, weil ich ja mit dem Lkw länger unterwegs war in Europa fing ich an mir einen Biervorrat anzulegen, damit ich am Feierabend ein wenig entspannen konnte.
Mit der Zeit steigerte sich der Bierkonsum auf 3-4 flaschen pro Abend und am Wochenende offen.
Nach einer Beziehung, wo ich ziehmlich übel übers Ohr gehauen worden bin, zahle heute noch an den Schulden, hab ich den Glauben an die Menschheit verloren.
Die größten Probleme auf der Arbeit hatte ich, den Vorrat an Bier hochzuhalten, denn der Kosum steigerte sich auf 6-8 Flaschen pro Tag.
Das ich am nächsten Tag noch Reste intus hatte, war mir klar, aber ein starker kaffee und ein paar Kaugummi und alles war ok, dachte ich.
Was ich bis jetzt erzählt habe betrifft einen Zeitraum von ca 30 jahren, man rechne das mal in flaschen um!!!!
Vor 2 jahren spielte mein Blutdruck verrückt, aber es gibt ja Tabletten.
Der Doc fragte nach Alkohol, weil ich wohl eine fahne hatte, aber ich großkotzig: keine Probleme damit!!!
Ende 2005 war es dann soweit: schwerer Kreislaufkollaps mit Wiederbelebung und 14 Tage Krankenhaus.
Den Ärzten hab ich dann endlich gesagt, daß ich doch Probleme mit dem Aklohol habe.
Ich war auch einsichtig etwas zu tun, habe von diesem Zeitpunkt keinen Tropfen mehr getrunken.
Wieder zu Hause bin ich dann direkt zum Hausarzt und hab ihm gebeichtet.
Der zweite Schritt war der Sozial-Psychologische Dienst, wo ich zum Glück sofort einen Termin bekam. Es wurde der Übliche Papierkram gestartet um von der LVA eine Langzeittherapie zu bekommen.
Das ist jetzt der heutige Stand. Ob die Therapie genehmigt wird, weiß ich nicht, da ich ja letztes jahr schon eine Kur wegen Bandscheiben-OP hatte.
Ich weiß nicht, ob ich es auf Dauer allein schaffe dem Suff fernzubleiben, aber es wäre schön, wenn ich mal eine Fortsetzung schreiben könnte.
Es wäre schön, wenn ich mit meiner Geschichte einen Menschen auf den richtigen Weg bringen könnte...
[Lieber Wolfgang, wir danken Dir sehr für diese Geschichte und ich hoffe Du kannst Deine Geschichte irgendwann fortsetzen. Weiter drücken wir Dir alle Daumen, dass die LVA die Therapie genehmigt. Sag uns doch Bescheid... Liebe Grüße, Anton/Team Sonderglocke]
|