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bearbeitet von Elke

::: von "Schatzi" :::

Es begann im Jahre 1999

Es begann im Jahre 1999. Zu dieser Zeit hatte ich ziemlich große Probleme auf meiner Arbeitsstelle. Auch im privaten Bereich ging vieles schief. Bei der Arbeit spitzte sich die Lage immer mehr zu – ich stand kurz vor der Kündigung. Da ich den ewigen Druck nicht mehr aushielt, kein Ende in Sicht war und sich bereits die ersten „ körperlichen „ Symptome ankündigten stellten sich erste leichte Probleme mit Alkohol ein.

Da ich aber aufgrund des Alkoholismus meines Vaters immer eine Antipathie gegen zu starken Alkoholgenuss gehabt habe, ließ ich dieses relativ schnell wieder sein. Ich hatte ihn eh nur getrunken damit die Tabletten (Muskelrelaxien, Schmerzmittel, Diazepam) schneller und konzentrierter wirken.

Wenn ich auf der Arbeit war habe ich nie etwas genommen. (Ich arbeite im Pflegedienst bei schwerst – mehrfach – Behinderten) Zu groß war die Angst dass jemand was merkte und was passiert. Als ich dann aber zu Hause war oder frei hatte habe ich mich regelmäßig mit Alkohol und Tabletten betäubt. Die ganze Sache auf der Arbeit und im privaten Bereich konnte ich nicht mehr anders ertragen. Ich konnte mich niemanden anvertrauen was den privaten Bereich betraf da ich zum damaligen Zeitpunkt ein Verhältnis mit einem verheirateten Arbeitskollegen hatte.

Durch den ganzen Stress auf der Arbeit ging die „Beziehung“ immer mehr den Bach runter was mich sehr hart traf. Nun war mir eigentlich alles egal. Meine sozialen Kontakte lösten sich immer mehr auf was mich aber nicht wirklich interessierte, ich konnte nur noch glücklich sein wenn ich betäubt war. Und dabei haben wollte ich sowieso niemanden. Ich war immer sehr darauf bedacht das es keiner merkt.

Durch den ganzen Stress hatte ich ziemlich viel abgenommen. Im Februar 02 schickte mich mein Hausarzt in eine Kur die aber nicht den gewünschten Erfolg brachte.

Ich war mittlerweile so abgestumpft das ich mich so grade noch arbeitsmäßig über Wasser halten konnte. Meinen Freunden habe ich in dieser Zeit alle möglichen Lügengeschichten aufgetischt was mich zusätzlich belastete. Das Ende vom Lied war das ich mich auch von den letzten noch zurückzog. Arbeitsmäßig hatte sich die Lage für mich nicht entspannt. Ich bekam zwar Recht vorm Arbeitsgericht – aber für welchen Preis???

Ich rutschte immer tiefer und WOLLTE es nicht wahrhaben. Inzwischen wurden erste Stimmen laut das ich magersüchtig sei. Und ich habe es wieder abgestritten und es mir selber verharmlost. Ich wusste es eigentlich selber aber ich WOLLTE es nicht wahrhaben. Mein Körper wurde immer schwächer, hinzu kamen massive Schlafstörungen und Depressionen. Ich habe viele Tage nur auf dem Sofa gelegen und geweint, manchmal konnte ich gar nicht mehr aufhören. An Selbstmord habe ich beinahe täglich gedacht und die Tabletten lagen nicht nur einmal vor mir.

Zu meinem Arzt habe ich ständig gesagt dass ich es am Magen habe und dass ich nur mal wieder richtig ausschlafen müsste. Er war machtlos.

Da ich zu dieser Zeit wirklich kaum noch geschlafen habe fing ich zu allem Übel auch noch an Benzos zu nehmen. Das war für mich damals meine angebliche Rettung – endlich mal wieder schlafen!!!!!!!

Ich wurde aber ziemlich schnell abhängig davon. Da war der Zeitpunkt gekommen wo nichts mehr ging. Mein Hausarzt setzte mir die Pistole auf die Brust, arbeiten konnte ich auch nicht mehr. Ich entschloss mich zu einer stationären Therapie die mir in erster Instanz von der LVA abgelehnt wurde da man nur alle 4 Jahre Anspruch auf eine Reha hat und ich ja erst im Jahre 02 wegen orthopädischen und Psychosomatischen Syndromen eine Reha bekommen hatte.

Für mich brach eine Welt zusammen. Ich wollte und konnte nicht mehr. Ich beschloss es alleine zu versuchen. Und das beinahe unmögliche ist mir gelungen: Ich befreite mich mit meiner letzten Kraft aus der Benzosucht. Wohl auch mit der Angst im Nacken vor meinem Arbeitgeber, der bis heute von dieser Sache nichts weiß da es meine Kündigung bedeuten könnte. Eine Medikamentensüchtige im Pflegedienst ist schlecht tragbar weil man täglich der „Versuchung“ ausgesetzt ist.

Viele denken* jetzt dass es nicht möglich ist. Es ist mir aber wirklich gelungen. Die Magersucht besiegte ich leider nicht aus eigener Kraft. Mir wurde dann endlich im September 03 eine Reha wegen der Magersucht gewährt. Ich musste sie mir wirklich hart erkämpfen. Zusätzlich hat mein Hausarzt und der Betriebsarzt bei der LVA Druck gemacht.

Heute 2 Jahre später kämpfe ich zeitweise immer noch. Nicht gegen die Benzos – der Entzug war hart und hat mich wohl geheilt. So was möchte ich NIE wieder erleben.

Die Magersucht ist unterschwellig immer noch da. Ich war 9 Wochen in einer Klinik. Die Zeit dort war hart und steinig. Ich habe dort wirkliche Freunde gefunden die auch in schlechten Zeiten da sind. Mit ein paar habe ich heute noch Kontakt und mit einer verbindet mich bis heute eine tolle Freundschaft. Dort wurde mir zwar geholfen, aber die eigentliche Arbeit beginnt nach der Therapie.

Ich bin davon noch immer nicht geheilt und weiß auch noch ob es jemals ganz verschwindet. Ich kann nur hoffen das ICH die Magersucht unter Kontrolle habe und NICHT sie mich.

Viele „Freunde“ von damals habe ich nicht mehr. Ich gestalte seit 2 Jahren mein Leben neu was nicht wirklich einfach ist. Da ich in einem sehr kleinen Ort lebe werde ich von dem ein oder anderen schon schief angeschaut. Heute ist es mir egal – ich bin stolz auf mich. Und endlich kann ich auch mal über Gefühle sprechen. Das war vorher nicht möglich. Ich war unnahbar und verschlossen. Heute sag ich wenn es mir schlecht geht und es ist mir nicht peinlich. Ich bin schließlich ein Mensch MIT Gefühlen.

So aussichtslos wie mir die Sache damals erschien: Die Mühe hat sich gelohnt. Ich lebe wieder gerne und ich bin mit dem zufrieden was ich bis jetzt erreicht habe. Ich erwarte keine Wunder aber ich weiß dass auch ich bald ein zufriedenes Leben haben werde.

Dafür kämpfe ich weiter – und es wird mir gelingen!!! Warum? – weil ICH es will!!!!!!!!!

[Liebe Schatzi, Du hast allen Grund stolz auf Dich zu sein. Was "viele denken" ist unwesentlich. Wir wissen, dass es geht und wir wissen ebenfalls, dass uns das Leben für unsere Mühen wunderbar belohnt. Wie Du schon sagtest: wir müssen es nur wollen...Vielen Dank für Deinen Artikel. Anton Team Sonderglocke Die Autorin möchte anonym bleiben, ihr Name ist der Redaktion bekannt]

 

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