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Die Suchtbeauftragte der Bundesregierung hat Sonderglocke ein Lob für vorbildliches Engagement im Suchtbereich ausgesprochen. Der Orginalbrief als PDF: Suchtbeauftragte der Bundesregierung
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::: von "Igelein" :::

Sucht durch Angstzustände

Meine Sucht begann im eigentlichen Sinne 2002. Als Ursache sehe ich eine damals erforderliche Schilddrüsen-OP. Dies wäre meine 3.OP dieser Art geworden, die mit einigen Risiken verbunden wäre. Ein Arzt riet mir ab, andere Ärzte rieten mir unbedingt zu dieser OP. Tage später bekam ich undefinierbare Angstgefühle die ich aber damals noch nicht einordnen konnte.

Arzt verschrieb Tafil (Alprazolam)

Ich hatte ständig ein Kloßgefühl im Hals, aß nichts was im Hals hätte stecken bleiben konnte, zum Schluß nur noch Kartoffelbrei. Eines Abends war die Angst so groß daß ich den Notarzt rief. Die fragten mich was mir fehle, aber sie tippten auf eine Panikattacke und schickten mich zum diensthabenden Arzt. Dort ging ich hin (waren nur 300m). Der Arzt hörte sich meine ganze Geschichte an, und verschrieb mir Tafil (Alprazolam), ein starkes Beruhigungsmittel.

Als die Schachtel zuende war...

Das Rezept löste ich noch am selben Abend in der Apotheke die gerade Notdienst hatte. Zuhause nahm ich gleich eine Pille, und wie zu erwarten verschwanden alle Angstgefühle sofort - wie weggeblasen. Nach und nach nahm ich bei Bedarf jeweils eine Tablette. Als die Schachtel zuende war, war ich noch nicht süchtig. Ich hatte mich wieder soweit im Griff. 2003 war ein für mich sehr erfolgreiches Jahr, alles lief zu meiner Zufriedenheit, bis auf die ständigen Probleme mit meinem Sohn, der gerade mitten in der Pubertät steckte. 2004 begannen dann meine Eheprobleme.

Auch die ständigen Querelen mit meinem Sohn blieben, und ich erinnerte mich an diese Pillen - Ich ging zur Psychologin in meinem Ort. Diese verschrieb mir ein Antidepressivum und bis dieses wirkt noch dazu wieder eine Schachtel Tranquilizer (wieder Alprazolam). Sie ging sehr sparsam mit dem Rezept über das Beruhigungsmittel um und wies auch auf die Gefahren der Sucht hin.

Aber so alle 2-3 Monate wären schon drin, meinte sie. Bis ich auf die Idee kam, mir von einer englischen Internetapotheke diese little helper zu ordern. Ich merkte immer noch nicht daß ich bereits süchtig war, ich wußte nur um die tolle Wirkung. Mittlerweile hatte ich aber schon die Dosis steigern müssen um auf den gewünschten Effekt zu kommen. Bis diese Internetapo diese Pillen aus dem Sortiment nahm. Die Zeit bis ich wieder ein Rezept holen konnte erschien mir bereits zu lange, so suchte ich im Netz nach einer anderen Möglichkeit..

Ich recherchierte so lange bis ich eine Apotheke im Ausland fand die diese Tabs verhökerte. Ich fieberte regelrecht mit wann endlich der erhoffte Umschlag im Briefkasten lag. Wenn wieder eine Lieferung eintraf, war ich schon happy. Jetzt im Juni ist meine Kreditkarte abgelaufen, und da ich keine neue bekommen kann, da mein Verdienst nicht ausreicht, war ich schon am Ende. Ich hatte schon mehrmals für eine oder zwei Wochen keinerlei Tabletten mehr im Haus, es war die Hölle.

Angst und Angstgefühle

Alle Angstgefühle kamen verstärkt wieder zurück. Diesesmal waren es aber regelrecht Lebensängste, Probleme mit der Arbeit kamen hinzu, es gab in der Firma Stellen die gestrichen wurden, und meine Stelle war beinahe auch betroffen, ich stand kurz vor der Kündigung. Zuhause lief es auch nicht besser. Weder mit Mann noch mit Sohn, meine Tochter war kurz davor sitzenzubleiben. So stieß ich auf eine Seite die meine gleicherseits geliebten und gehassten Pillen auf Lastschrifteinzug versendet, leider nur sehr teuer das Ganze.

Was könnte ich an Geld sparen, wäre ich nicht abhängig.... Ich ginge gerne in den Entzug oder was sonst auch immer, aber ich habe Angst gekündigt zu werden bzw bei der nächsten Kündigungswelle mit dabei zu sein. Und dann sind da noch meine Kinder, meine Tochter braucht unbedingt Unterstützung für die Schule. Ich fühle mich unabkömmlich, obwohl es ohne mich bestimmt auch irgendwie gehen würde.

Ich möchte aber immer alles unter Kontrolle haben, sprich: wenn ich es nicht in die Hand nehme, dann wirds nix. Ich fühle mich einsamer als je zuvor, alle meine Hobbies die mir früher Spaß bereitet haben interessieren mich mittlerweile nicht mehr. Das führe ich aber auch auf meinen Mann zurück, der immer eifersüchtig auf meine Aktivitäten war. Sei es das Fitneßcenter, der Englischkurs uvm. Ich kann einfach nicht mehr, weiß aber auch nicht wie ich hier rauskomme. Ohne Tabletten überstehe ich die Anforderungen nicht mehr.

[Kommentar]
[die Autorin möchte anonym bleiben, ihr Name ist der Redaktion bekannt]
[Igelein, vielen Dank für Deine ehrlichen Zeilen, wir raten Dir dringenst Dich mit einer Suchtberatungsstelle in Verbindung zu setzen; hier eine Auswahl an Suchtberatungsstellen. Weiter möchten wir Dir keine Ratschläge geben, doch liess bitte folgendes:

Therapie und Kündigung:

Uns ist kein Fall bekannt, dass einer Süchtigen nach einer Therapie gekündigt wird. Auch hier können Dich die Suchtberatungsstellen kompetent beraten. Zu einer Beratung zu gehen bedeutet nicht, dass Du Dich auf Therapie/Entzug festlegen musst. Hab wenigstens in diesem speziellen Fall mal keine Angst. Wenn Du geheilt willst ist das fast unumgänglich.

Angst und Angstgefühle:

Alles dreht sich in Deiner Biographie um Angst und Angstgefühle. Durch die OP kamst Du an das Suchtmittel nachdem Du schon lange (intuitiv?) suchtest. Nun sind weder die OP noch das Suchtmittel, noch Deine persönlichen Umstände "schuld". Es geht doch nicht darum die Schuldfrage zu klären ==> es geht darum gesund zu werden!

Weiter ist kein Wunder, dass ein Mensch der täglich von Angstzuständen gequält wird zu Mittelchen greift, dass diese Sucht auslösen, ist im Moment der Wirkung und "Hilfe" unbedeutend.

Eine Therape kann helfen diese Ängste zu überwinden.

Igelein, wir alle kämpfen tagtäglich mit Ängsten, dies nur so am Rande. Von der Existenzangst über die Angst nicht geliebt zu werden, der Angst zu versagen, der Angst vor Krankheiten, der Angst zu altern, der Angst, der Angst...Angst, Angst, Angst.

Angst ist kontraproduktiv. Wer sich vor einer Krankheit besonders stark fürchtet, ist in gleichem Maße anfällig dafür; ähnlich verhällt es sich mit den anderen Ängsten. Doch Du wirst für diese Theorien momentan nicht empfänglich sein.

Schau Dir Deine Ängste mal an: sortiere sie nach Wichtigkeit und betrachte welche Ängste berechtigt sind, oder anders ausgedrückt: in welchen Fällen hilft die Angst bei der Überwindung des Problems.

Unser Schicksal (entschuldige den Ausdruck) ist von vielen Faktoren abhängig. Wir können Angst vor anstehenden Veränderungen haben, bewirken werden wir damit nichts. Wieso nehmen wir die neuen Veränderungen nicht als Chance wahr?!

Die Angst vor dem Verlust der Arbeitsplatzes grassiert derzeit wie eine Volksepidemie durch Deutschland. Einerseits schimpfen wir immer über unseren Job, andererseits wollen wir ihn nicht aufgeben -auch wenn er uns kaputt macht. Hier läuft etwas falsch. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes kann etwas heilsames sein, wenn frau sich nicht davor fürchtet.

Ob wir es wollen oder nicht: auch hier haben wir uns in eine Abhängigkeit manövriert. Unsere finanziellen Belastungen lassen es nicht zu über einen längeren Zeitraum arbeitslos zu sein. Wir haben uns exakt so verhalten, wie die Industrie sich das wünscht: wir haben uns von ihr abhängig gemacht, nun kann sie uns weiter ausbeuten.

Dies nur als Beispiel. Im Grunde ist nur die Angst vor dem Tod "berechtigt". Nun können wir schon sehr früh damit anfangen, uns vor dem Lebensende zu fürchten. So im Alter von 40 - 50 Jahren sollten wir spätestens damit anfangen...? ...Nein, schon mit 30, es häufen sich Herzinfarkte in diesem Alter... oder doch besser schon in der Jugend die Angst vor dem Tod schüren?... allerdings kann uns schon vorher ein tödlicher Unfall zustossen?! Ja, das ist ironisch gemeint, doch es ist ein gutes Beispiel, wie unberechtigt und sinnlos Angst sein kann.

Es ist nicht unbedingt so, dass wir uns diese Ängste ausgedacht haben. Die Werbung ist ein Handlanger der Industrie und diese versucht uns tagtäglich einzureden, vor was alles auf dieser Welt wir uns fürchten sollen. Und die Werbung hat immer die richtige Lösung für uns, wir müssen sie nur kaufen und konsumieren.

Dabei müssen wir nur einen kleinen Schalter umlegen: Betrachten wir mal die Vorteile der angsteinfösenden Umstände und dabei beginnen wir mit dem Tod: er wird endgültig all unsere Sorgen und Ängste auf einmal und unwiderruflich beseitigen. Wieso fürchten wir uns also vor diesem Zustand?

Der Verlust des Jobs: endlich können wir tun was wir schon lange wollten. Vielleicht einfach mal in den Tag hinein leben? Unsere Hobbies pflegen? Sich unseren Liebsten intensiver zu nähern? Zeit für Liebe? Zeit für Glück?

Jeder Umstand, der in unser Leben tritt hat zwei Seiten: eine Schöne und eine weniger Schöne. Die Angst beleuchtet immer den häßlichen Part. Auch ohne Geld kann das Leben wunderschön sein (der Autor weiß in dem Fall ganz genau wovon er spricht :-)

Wir sind tatsächlich unseres Glückes Schmied. Widmen wir uns den positiven Aspekten des Lebens, kann uns der Verlust der Arbeit nicht in eine Krise steuern. Im Gegenteil!

Was unsere Kinder betrifft: Woher wissen wir, dass es schlecht für sie ist sitzen zu bleiben? Machen wir uns um deren Werdegang Sorgen: Es ist keineswegs richtig, dass ein Akademiker glücklicher durchs Leben stolpert als ein ungelernter Hilfsarbeiter. Ist uns wichtig, dass unser Nachwuchs Besitztümer anhäuft (die kein Mensch braucht), dann sollten wir uns um deren Bildung kümmern, doch auch hier wissen wir von unseren eingeschränkten Möglichkeiten. Gleich wie wir es handhaben: es kann immer richtig und gleichzeitig falsch sein, die Sorge ist also grundsätzlich unberechtigt.

Der Satz "Was könnte ich an Geld sparen, wäre ich nicht abhängig..." ist traurig. Was könnten wir glücklich sein, wären wir nicht abhängig. Sich von dem Suchtmittel zu lösen ist das Eine und nicht wirklich schwierig, wenn man/frau es denn auch wirklich will, die weiteren Abhängigkeiten abzustellen ist erst die richtige Herausforderung.

Alles Glück dieser Welt steht uns frei zur Verfügung. Wir können uns dessen annehmen, oder uns lieber mit der Kehrseite beschäftigen?

Igelein, Du bist nicht allein. Wir alle da draussen haben im Grunde die gleichen Probleme. Du warst so verdammt mutig und hast über Dich berichtet. Das ist ein Riesenschritt und der erste Schritt in Richtung Besserung. Mitunter auch der Schwerste: sich die Sucht einzugestehen, sie zu erkennen ist bereits die halbe Miete :-)

Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Schau Dir die Statistiken an: Fast jeder von uns ist nach irgendetwas süchtig, denn wir alle haben uns in große Abhängigkeiten begeben, oder sind während unserer Kindheit gesteuert worden. Uns wurde vermittelt, was in unserem späteren Leben wichtig sei. Doch ging es dabei nicht um uns: unsere Eltern machten dies in der Regel für sich. Uns wurden "Werte" vermittelt. Welche denn, einen "anständigen" Beruf zu erlernen, in der Gesellschaft nicht anzuecken, gleichförmig zu sein, wie Klone?

Irgendwann beginnen wir uns jedoch Fragen zu stellen. Süchtige wissen, dass etwas falsch läuft im Leben und haben gewissermaßen hier sogar Vorteile, gegenüber Nichtsüchtigen. Wir haben täglich die Möglichkeit abzuschaffen was uns unglücklich macht. Wir haben täglich die Möglichkeit unser Leben in Richtung Sonne zu lenken -allerdings müssen wir das zunächst begreifen und dann auch wollen.

Wir können jeden Tag zu einem Fest machen, doch auch das muss gewollt sein. Es gibt viele Ratgeber, die einem Hilfestellung hierzu bieten, doch oft hilft der Ratgeber in erster Linie sich selbst. So auch in diesem Fall: der Autordieser Zeilen schreibt das hier, um sich diese Tatsachen wieder or Augen zu halten, und nicht um "kluge" Ratschläge zu erteilen.

Meditationen gehen in diese Richtung: Sich immer wieder die schönen Dinge des Lebens vor Augen halten, sich vor Augen halten was im Leben TATSÄCHLICH wichtig ist und was nicht, was wir TATSÄCHLICH beeinflussen können und was nicht, sich vor Augen halten, wo wir Frau oder Herr des Geschehes sind und wo nicht.

Glück darf niemals an Bedingungen geknüpft sein, sonst ist das Unglück vorprogrammiert. Wir können uns nicht das Recht rausnehmen, dem Leben Bedingungen zu stellen. Wer oder Was auch immer diese Welt erfand, hat sich auch bei jedem von uns was gedacht. So dürfte unser Werdegang exakt das Richtige für uns sein. Auch hier gibt es also einen Grund zur Entspannung. Das Ganze hat nichts mit Religiösität zu tun, sondern Mathematik. Schauen wir uns die Natur an, wie jede Pflanze, jedes Tier und jede Funktion Sinn machen, wie können wir dann vermuten, dass gerade UNS das Unrecht ereilt?

Machen wir im Urlaub im Süden, erfreut uns manchmal der Anblick alter Menschen, die Selbstzufrieden und glücklich auf einer Holzbank vor ihrem Haus sitzen. Diese Menschen besitzen oft wenig, am Besten drückt sich dies an den fehlenden Zähnen aus. Sie haben ihr Leben lang keine Badewanne besessen und wissen auch nicht um die Vorteile von modernen Wasserspülungen. Sie sind zufrieden mit dem was sie haben und mit dem was sie sind.

Lernen wir mit dem glücklich zu sein, was wir haben und was wir sind, wird das Glück von selbst an unsere Tür klopfen. Glück ist kein Zufall, den die Einen gepachtet haben, und den Anderen verwehrt bleibt.

Entschuldige diesen kleinen Exkurs. Solche Kommentare erlauben wir uns normalerweise nicht. wir wünschen Dir nun das Aller-Aller-Beste, Du kannst heute damit beginnen, an Deinem zukünftigen Glück zu schmieden. Wir sind jetzt gerade bei Dir, auch wenn das absurd klingt]

 

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