Eine ganz persönliche Geschichte
Meine erste leichte Sucht begann mit den Benzos. Ich hatte freien Zugang zu den Medikamenten und nützte diese Chance. Ich begann mit einem viertel Dormicum. Langsam aber sicher musste ich die Dosis steigern um noch schlafen zu können. Ich war nicht unter- sondern überfordert. Hatte viel zu viel um die Ohren um noch einschlafen zu können.
Mit der Zeit steigerte sich die Dosis so weit, dass ich nicht mal mehr mit zwei Tabletten den Schlaf fand. Da läuteten bei mir die Alarmglocken. Ich wusste, dass ich sofort was ändern muss. Ich hatte niemand mit dem ich darüber reden konnte, niemand der mich da unterstützen konnte, denn der "Klau" wäre ja sonst aufgefallen. Also blieb mir nichts anderes übrig als das für mich ganz alleine durchzuziehen, den kalten Entzug also. Tage folgten ohne Schlaf.
Ich war zu übermüdet um noch einschlafen zu können. Meinem dazumaligen Freund viel das auf. Konnte ihm aber nicht sagen woran es lag, denn dann wäre raus gekommen, dass ich die Tabletten von seiner Firma geklaut habe. Er gab mir dann wieder ein Benzo (war ein Arzt). Da die Entgiftungszeit aber längst durch war machte mir das nichts mehr. Ich konnte schlafen. Endlich mal wieder.
Es kam auch keine neue Sucht mehr auf. Dies hab ich erfolgreich bekämpfen können, bin auch jetzt noch in der Lage mal eines dieser Benzos zu nehmen ohne dass gleich wieder eine Sucht kommt. Schlafen kann ich auch nach Jahren noch nicht ohne Medikamente, hab aber Antidepressiva mit schlaffördernder Wirkung. Da entsteht keine Sucht. Weshalb diese Medis, da komme ich gleich dazu.
Ich hab meinen Weg gemacht. War im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr und hatte auch noch einen Laden für Reitsportartikel. Da war ich sehr glücklich und zufrieden. Ich war schon immer ein Arbeitstier. Doch dann kam es, der 19. Februar 2000. Mir fuhr einer beim Auto hinten rein. Ich musste wegen schlechtem Strassenbelag abbremsen, der andere suchte was und merkte das nicht.
Da es mir nicht gerade sehr gut ging. Schleudertrauma und Hirnerschütterung merkte ich nicht, dass sich die Frau des Fahrers wegschlich und dann mit einem sog. Zeugen wieder kam. Der machte dann eine Falschaussage. Aber alle gerichtlichen Instanzen hielten es nicht für nötig einen Augenschein zu nehmen, dann wär klar gewesen, dass der Zeuge gar nicht sehen konnte was er angab.
Alle diese Instanzen waren sich einig. Drei Monate unbedingt. Der grosse Zusammenbruch kam dann als ich in der obersten Instanz, dem Bundesgericht, eine Abfuhr erhielt nur weil ich etwas mehr Zeit als 10 Tage brauchte um einen Vorschuss von 3000 Eiern zu besorgen.
Ich hab die Frist auch total übersehen. Also wurde das Urteil rechtskräftig. Mit dem ganzen Rattenschwanz der da noch zusammenhängt. Weshalb ich nicht im Knast bin hat einen einzigen Grund: Bei einer Strafe bis zu drei Monaten besteht die Möglichkeit dies in gemeinnütziger Arbeit abzutun. Musste 360 Std. leisten. All das belastet mich auch heute noch sehr stark. Auf einmal war ich arbeitslos, ausgerechnet ich, wo doch nicht ohne Arbeit sein kann.
Aus lauter Langeweile begann ich mit Alkohol. Immer mehr. Immer mehr, immer häufiger, immer früher. Eine Begleiterscheinung des Borderliners? Ich weiss es nicht, spielt auch nicht gross eine Rolle. Fakt ist einfach dass meine Leberwerte katastrophal sind, dann auch mein Herz. Toxische Kardiomyopathie. Toxisch = durch Vergiftung (Alkohol) Kardiomyopathie (Herzmuskelschwäche). Öfters zeitlich und örtliche Desorientierung. Ja, ich versuch meine Sorgen zu ertränken, vergess halt leider immer wieder, dass die schwimmen können...
Ich kann Euch einfach nur einen Rat geben, lasst es nicht so weit kommen. Es ist die Hölle. Wie gesagt, die Sorgen können schwimmen, das Glück aber nicht!
[die Autorin möchte anonym bleiben, ihr Name ist der Redaktion bekannt]
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