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Sexsucht, sexsüchtig

Hallo, ich bin weiblich, Ende 40 und durch Akineton retard 4mg (ist ein Acetylcholinantagonist), dass ich ( in der Vergangenheit) im Herbst 2004 gegen ein durch Neuroleptika entstandenes Parkinsonid erhalten habe, sexsüchtig geworden. Zu der Zeit war ich gebunden und hatte ein regelmässiges, gesundes Sexualleben mit einem jüngeren Partner. Ca. einen bis zwei Monate nach der Medikamenteneinnahme war mein damaliger Partner im Ausland. Als er ca. 14 Tage ortsabwesend war, ist(In der Zeit ist auch) das erste mal ein ganz starkes Verlangen aufgetaucht. Ich habe spät, um die Jahrewende 2010 / 2011 erkannt, dass es sich um eine Sucht handelt. Situationen, die ich erlebt habe, als ich meine Sucht ausgelebt habe, sind zu entwürdigend, um sie hier wiederzugeben. Ich bitte um Verständnis, dass ich dazu keine Angaben machen möchte. Ich erkläre mich allerdings bereit, soweit es meine Zeit zulässt, hier im Forum Fragen zu beantworten.

Ich bin jetzt in Therapie, um von der Sucht loszukommen. Ein leichtes Antidepressivum, ein Serotoninwiederaufnahmehemmer, der ca. 14 Tage nach der Einnahme seine Wirkung entfaltet hat, ermöglicht mir, die vorgeschriebene Abstinenz von 90 Tagen, d.h. 90 Tage Verzicht auf Geschlechtsverkehr und Verzicht auf Selbstbefriedigung, einzuhalten. Die 90 Tage neigen sich dem Ende zu. Jetzt habe ich Angst vor Sexualität, Angst, dass das Suchtgedächtnis zuschlagen könnte. Ich habe mich zudem einer Selbsthilfegruppe angeschlossen.

Ich suche weitere Betroffene, die durch Akineton Süchte aller Art - Sexsucht, Spielsucht, Kaufsucht bekommen haben.

Sicher ist von Interesse, wie ich erkannt habe, dass etwas nicht stimmt. Ich habe viel im Internet recherchiert. Es gibt zahlreiche sexsüchtige Männer, die Probleme mit massivem Onanieren haben. Ich habe die schlimmere Form. Selbstbefriedigung hat nicht gereicht, lecken bis Orgasmus ebenfalls nicht. Ich bin schwanzabhängig. In meiner schlimmsten Zeit habe ich alle 1-2 Tage einen Orgasmus durch einen Schwanz gebraucht.

Ich konnte nicht mehr planen wie z.B. donnerstag abend gehe ich mit einer Freundin aus. Ich weiss nicht, ob ich geil bin, ob ich noch ein Sextreffen (überwiegend per sms, hierzu habe ich im Lauf der Zeit mehrere Liebhaber aufgebaut) organisieren muss und ob die Zeit noch reicht.

Ich hatte Dinge gelesen, die auf mich nicht zugetroffen haben wie "Die Betroffenen leiden."  Ich leide doch nicht.  Oder  "Sexsüchtige können keine Befriedigung finden". "Ich finde doch Befriedigung", habe ich meiner Ärztin gesagt. "Aber nur für kurze Zeit", hat sie gesagt, womit ich ihr Recht geben musste. Als ich gelesen habe "wenn es zwanghaft ist, wenn man nicht ohne kann", da habe ich erkannt, dass eine Sucht vorliegen muss. Ich hatte Reiseangst - Angst zu verreisen, da ich fern von meinem Wohnort nicht auf meine Kontakte zurückgreifen konnte. Ich bin im vergangenen Jahr allein verreist, habe es mehrmals am Tag selber gemacht und war immer noch nervöser als sonst bzw. 10 Minuten später schon wieder nervös und die ganze Zeit unausgeglichen.

Ich war früher treu und auf einmal so anders. Wenn ich einen Freund hatte, habe ich ihn schon in der ersten Woche betrogen - nicht, weil ich ein mieses Schwein bin, sondern weil meine Neurotransmitter im Gehirn gestört sind, weil ich nicht anders konnte. Als die Sucht noch nicht so stark ausgeprägt war, gab es Versuche einer Freundschaft. Später war das allein aus zeitlichen Gründen schon nicht mehr möglich.

Während hierzulande Sexsucht nicht als Krankheit anerkannt ist und viele rätseln, ob es so etwas überhaupt gibt und Ärzte beim Verschreiben des Rezepts niemals Sexsucht, sondern Angststörung oder ähnliches angeben müssen, bin ich schon viel weiter. Ich kann von Glück reden, dass ich komplett gesund geblieben bin und mir keine Krankheit zugezogen habe, obwohl ich hier und da Risiken eingegangen bin. Alle Merkmale und Kriterien einer Sucht, angefangen vom Craving (dem nicht aushaltbaren starken Drang), der Toleranzsteigerung, Kontrollverlust bis hin zu Entzugssymptomen, sind vorhanden.

Mich interessiert vor allem, was im Gehirn abläuft. Im "Spektrum der Wissenschaft" gibt es einen sehr guten Artikel: "Das süchtige Gehirn". Mein Gehirn sieht aus wie das eines Kokainabhängigen. Wie der Kokainanhängige seinen Stoff braucht, brauchte ich die Droge Sex. Kennzeichnend für alle Süchte ist die vermehrte Ausschüttung von Dopamin, die bei den einzelnen Süchten auf unterschiedliche Weise angeregt wird. Ferner spielt auch der Botenstoff Acetylcholin eine wichtige Rolle, denn er ist zuständig für das Gedächtnis und Belohnungssystem. In den USA hat man Untersuchungen an weiblichen Goldhamstern durchgeführt. Auch hier spielt das Dopamin - insbesondere der D1 Rezeptor - eine zentrale Rolle.

Den Hersteller verklagen mit dem Argument, er habe die Nebenwirkungen nicht genügend erforscht, kann ich nicht, da Sexsucht nicht als Krankheit anerkannt ist. Ich fühle mich gegenüber Spielsüchtigen benachteiligt, da diese die Möglichkeit des Klageverfahrens haben. In Frankreich hat ein Kläger gegen einen englischen Hersteller eines anderen Medikaments, der zur Gruppe der Dopaminagonisten gehört, gewonnen. Der Mann, ein ehemaliger Bankdirektor, ist spiel - und sexsüchtig geworden. Und wenn es die Möglichkeit einer Klage gäbe, welchen Schaden habe ich erlitten? So oder ähnlich würde man argumentieren, um Verantwortung abzuwälzen. Das Gesetz sieht eher materielle und nicht moralische Schäden als Schaden an. Wie es aussähe, wenn ich mir eine HIV Infektion  zugezogen hätte, lasse ich einmal dahingestellt.

Im übrigen gab es damals keine Hinweise auf ein süchtig machendes Potential auf dem Beipackzettel. Die Hersteller haben bereits vorgesorgt, um sich eventuellen Regressansprüchen zu entziehen. Es gibt Hinweise - nicht unter seltenen Nebenwirkungen, nicht unter seltenen Nebenwirkungen, sondern unter "Sonstige Hinweise": "Missbrauch und Abhängigkeitsentwicklung sind wegen der gelegentlich stimmungsaufhellenden Wirkung vereinzelt beobachtet worden."

Die Hersteller sind inzwischen vorsichtiger geworden. Jetzt heisst es:
"Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:
Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautrötungen), Engwinkelglaukomentstehung.

Besonderheiten:
Biperiden kann zu einer erhöhten Bereitschaft zu Krampfanfällen des Gehirns führen. Bei empfindlichen Patienten muss der Wirkstoff entsprechend vorsichtig vom Arzt dosiert werden.
Die stimmungsaufhellende Wirkung von Biperiden kann zu Abhängigkeit und Missbrauch des Wirkstoffes führen."
Man sieht eine mögliche Suchtentwicklung nicht mehr als Einzelfall an und betitelt sie als Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit.

Inzwischen ist die Suchtgefahr des Mittels Akineton bei den Ärzten angekommen, was zur Folge hat, dass das Mittel kaum noch verschrieben wird.

Falls auch Ihr Akineton geschädigt seid, bitte nehmt mit mir Kontakt auf.
Ich suche Betroffene, die durch Akineton retard Süchte aller Art - Spielsucht, Sexsucht, Kaufsucht bekommen haben oder vielleicht süchtig nach dem Medikament Akineton geworden sind.

Bitte kontaktiert mich : carmen0005@gmail.com
Lieben Gruß
Carmen


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