Alkoholiker
Ich heiße Bonny und bin Alkoholiker
Ich wohne in einer Stadt hier in Schleswig-Holstein und habe bis zum Jahr 2004 eine steile Alkohol Karriere hinter mir und ich dachte mir, da wir ja jetzt zu Weihnachten und zu Silvester 2007 das Thema Alkoholsucht besonders wieder dramatisch in Deutschland im Vordergrund steht. Und dass ich zu diesen Thema mal meine Geschichte erzähle, vor allem aus meiner Jugendzeit, als alles begann.
Es ist nicht nur in diesen Tagen im Dezember zu Weihnachten und Silvester ein Thema, sondern schon langfristig bei Jugendlichen und es wird auch im Elternhaus totgeschwiegen, oder die Eltern merken es nicht. Eins sage ich gleich vorweg, Alkohol ist eine Einstiegsdroge.
Ja, bei mir begann alles zwischen meinem 13 - 15 Lebensjahr in meiner Jugend. Ich hatte zwar gute Eltern, doch sie kümmerten sich wenig um mich, wenn ich immer aus der Schule kam. Mein Vater war arbeiten bis spät und wenn er mal zu war, dann keine Zeit, oder er trank am Wochenende, in und außerhalb der Familie. Meine Mutter ging auch immer arbeiten und hatte keine Zeit. Freunde hatte ich wenig und meine Geschwister gingen ihre Wege, was blieb, war ich selbst und meine Einsamkeit, und ohne Liebe der Eltern.
In der Schule wurde ich nur gehänselt und geschlagen. Schulfreunde hatte ich nicht und Freunde auch nicht. Ich war depressiv und das durch ein schweres Kindheitstrauma als Kind schon bis dahin einige Jahre. Mit 14 Jahren trank ich mein erstes Bier. Nach 3 Bieren war ich schon betrunken. Ich ging auch zur Disco und trank dann auch da schon mal. Mit fünfzehn Jahren fing ich an zu lernen, und da wurde es weniger, denn tagsüber musste ich ja arbeiten.
Das erste Jahr meiner Lehre durften wir nur Bier für die Gesellen holen und im zweiten Jahr, durften wir schon mittrinken bei den Gesellen auf dem Bau. Ich merkte nicht, dass es von Jahr zu Jahr steigerte, das Trinkverhalten. Ich merkte nur, das ich immer gut drauf war und locker war im Alltagleben.
Dann kam auch die Zeit, wo ich weg ging zum Tanzen, doch da war nicht viel vom Tanzen, denn ich stand lieber in der Ecke und Soff mit Kumpels. Ich merkte immer noch nicht was mit mir geschah, woher auch, denn der Alkohol machte mich locker und es war geil, dazu zu gehören, so glaubte ich. Ich fing auch in der Zeit mit Achtzehn Jahren mit Schlägereien an, weil ich dachte, das gehört dazu, und ich konnte meinen ganzen angestauten Frust heraus lassen.
Ich fuhr besoffen Auto, und hatte immer wieder Glück. So ging es viele Jahre und ich trank immer mehr, bis zum Jahr 1984, da war ich 24 Jahre alt, und kam das erstmal in Krankenhaus. Es waren 4 Tage, dann ging ich, doch begriffen hatte ich immer noch nichts. Ich trank weiter.
Dann lernte ich im Jahr 24, meine damalige Partnerin kennen, mit der ich dann ein Kind zusammen bekommen habe. Doch auch das hielt mich auch nicht vom trinken ab, sie trennte sich nach 4 Jahren von mir, wegen meines Saufens. Ich hatte damals einen schweren Autounfall 1987, der mir fast das Leben kostete.
Doch getrennt hat sie sich doch von mir damals. Da fing mein Exzessiv-Trinken an. So ging es dann viele Jahre und um meine Tochter kümmerte ich mich gar nicht, weil ich gar kein Interesse hatte, was ich heute vom Herzen her bereue, doch es lässt sich nicht ändern. Ich beging auch Straftaten, davon einige Schwere, doch meistens war es Körperverletzung, Führerscheinentzug und Diebstähle.
Ich habe in meiner nassen Zeit und weil ich den Alkohol brauchte, mir keine Gedanken gemacht, weil ich es gar nicht konnte, weil ich immer zugedrönt war. Ich bereue, was ich in meiner nassen Zeit gemacht habe, doch ich kann die Dinge nicht ungeschehen machen. Eins habe ich jedoch nicht gemacht, in meiner nassen Zeit. Ich habe keine Frauen und Kinder geschlagen, und auch nicht Tiere.
Denn aus meiner Kindheit her, habe ich schon immer noch daran gedacht, auch in meiner Saufzeit, mich nicht an schwächere zu Vergreifen. Ich habe auch nicht meine Tochter geschlagen. Ich habe seit 1991 einige Anläufe genommen, aufzuhören, durch Therapien und Einrichtungen. Nichts half. Und es sind viele Jahre vergangen, wo ich dann immer wieder Rückfälle hatte, doch die Hoffnung, die ich noch hatte irgendwann, doch mal ohne Alkohol zu Leben. Dann kam das Jahr 2004, und ich ging in der Zeit schon zu einer Selbsthilfegruppe, und nach einem schweren Rückfall, der mir fast das Leben kostete, hatte ich endlich den Tiefpunkt erreicht.
Ich habe die Umkehr in meinem Leben gefunden und konnte langsam wieder anfangen mein Leben zu meistern. Ich bin dabei gleich meinen Weg gegangen, und tue es auch jetzt noch. Ich hatte bis dahin eine Alkoholkariere von 30 Jahren hinter mir. In den ich nicht richtig gelebt habe, sondern am Leben vorbei, weil der Alkohol mein Leben bestimmte, weil ich ihn brauchte, denn es ist eine Krankheit. Ich gehe heute noch zu einer Selbsthilfegruppe, denn auch wenn ich nicht mehr trinke und die Krankheit, meine Alkoholsucht zum Stillstand gekommen ist, werde ich trotzdem mein Leben lang Krank bleiben. Ich habe auch im letzten Jahr, schwere Schicksalsschläge durch gemacht.
Eine Beziehung ging auseinander und meine Mutter starb, mein letztes Elternteil, doch auch das war kein Grund wieder zu trinken. Denn es gibt keinen Grund zum trinken. Denn das Leben, was ich jetzt führe, möchte ich nicht mehr gegen den Alkohol eintauschen. Ich weiß auch für mich, das jeder Tag anders ist, doch eins ist Gewiss, ich möchte jeden neu beginnenden Tag trocken und Nüchtern erleben.
Ich lebe nun mehr seit 4 Jahren ohne Alkohol, und auch seit 3 Jahren ohne Medikamente und gehe selten zum Arzt, weil ich mich gut fühle, auch ohne Alkohol und andere Suchtstoffe. Ich habe die Mitte im Leben gefunden, nämlich in mir. Ich kann das erste Mal ausgeglichen sein und Lachen ohne zu trinken. Ich habe keine Depressionen mehr und das war meine zweite Krankheit. Ich habe meinen Führerschein wieder, worüber ich mich freue.
Es dauert alles seine Zeit, doch die habe ich, und kann auch endlich meine Freiheit und auch Unabhängigkeit genießen. Ich konnte die Fesseln zur Vergangenheit sprengen. Und ich weiß auch dass ich die Vergangenheit und was geschehen ist nicht ändern kann, doch die Zukunft kann ich gestalten und neu von meinem Leben lernen. Ich weiß, dass ich es alleine nicht geschafft hätte, und es gibt viele Selbsthilfegruppen in jeder Stadt, wo man sich informieren kann.
Denn Selbsthilfe- Gruppe, heißt Hilfe zur Selbsthilfe. Ich brauche Sie, und gehe ein bis zweimal die Woche ins Meeting für mich. Es ist meine Lebensversicherung und ich brauche es. Dann gibt es auch noch die AWO-Suchtberatung, auch der ich sehr viel zu Verdanken habe.
Warum ich dieses schreibe, ich hätte es auch sein lassen können. Ich brauche mich auch nicht zu verstecken, denn ich bin auch früher besoffen durch die Stadt gegangen. Nein ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche die jetzt in dem Alter sind wie ich damals nicht diesen Weg gehen brauchen. Denn Alkohol löst keine Probleme und Alltagsschwierigkeiten, nicht in der Schule und auch nicht im Elternhaus, nein Reden ist wichtig.
Und Weihnachten und Silvester können ohne Alkohol sehr schön sein. Und dieser Artikel ist für mich ein Gedanken Anstoß, dass Jugendliche, wie ihr nicht diesen Weg gehen braucht, denn Alkohol und auch andere Drogen bedeuten sozialer Abstieg, bis hin zum Geistigen abstieg und den Tod, denn Alkohol ist ein schleichendes Nervengift. Ich habe großes Glück gehabt, weil ich die Hoffnung nie aufgab, und dieses Leben möchte ich nicht wieder gegen den Alkohol eintauschen.
Bonny Alkoholiker
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