Von Andrea
Co-Abhängigkeit
Ich habe bereits viel gelesen und begriffen und doch befinde ich mich weiterhin in dem zerstörerischen Teufelskreis der Sucht-und Co-Abhängigkeit. Meine Freunde können es schon nicht mehr hören und ich möchte mit ihnen auch nicht mehr über mein Dilemma sprechen.
Deshalb habe ich mich entschieden meine Geschichte heute für die aufzuschreiben, die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden, oder Gefahr laufen hinein zu geraten.
Ich frage mich an dieser Stelle warum es eigentlich mit so einem großen Schamgefühl verbunden ist Co-Abhängig zu sein? Ich denke doch immer wieder, dass ich selbst schuld daran bin, dabei merkt man doch wie man in den Strudel gezogen wird. Bei mir war das so:
Als ich meinen Freund kennen lernte arbeiteten wir zusammen in einer Nachtbar. Damals faszinierte mich seine Stärke und Coolness – das ist ein richtiger Mann, dachte ich und verliebte mich Hals über Kopf. Er verliebte sich ebenfalls, denn ich war wohl das geeignete Gegenstück zu seiner wie ich es heute beurteile narzisstischen Persönlichkeitsstörung und seiner Kokainsucht.
Seine Exfrau mit der er auch ein Kind hat, hatte sich gerade wegen diesen Problemen von ihm getrennt, was ich damals aber nicht sehen wollte – zu plausibel erschienen mir seine Beschreibungen, wie sehr sie sich innerhalb der 10-jährigen Beziehung zu einer spießigen und frustrierten Mutti entwickelt hatte, die ihm keine Chance ließ, obwohl er sie doch noch liebte. Ich glaubte seinen einseitigen Rechtfertigungen und stürzte mich ins Abenteuer.
Alkohol, Sex, Koks – es war eine aufregende Zeit voller Enthusiasmus und Liebe, zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich bedingungslos geliebt und in den Himmel gehoben. Die Schattenseiten, die auch damals schon deutlich waren wusste ich zu verdrängen. Damals war der komplette Freundeskreis drauf, wahrscheinlich suchte man sich die Freunde eben auch nach diesem Kriterium. Ich fand es absolut cool auf Koks zu sein – die tollen Gespräche, das Selbstbewusstsein, das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und die schlaflosen Morgende nach der durchzechten Nacht, das Gefühl der Einsamkeit, das kalte Herz das neben mir schlug – auch nicht schlief und die Unfähigkeit sich nah zu sein und Wärme zu geben? Das gehörte dazu, das war der Preis den man für die sexuellen Abenteuer zahlte bei denen man sich so begehrt und nah fühlte.
Zu dieser Zeit es ist ungefähr 6 Jahre her sprachen wir manchmal über ein anderes Thema, das Kokain rauchen. Mein Freund erzählte mir, dass er damit ein Problem habe. Er erzählte mir wie seine Finger schwitzig würden, wenn er nachts von der Arbeit käme und noch etwas in der Tasche hätte. Er weinte. Ich bat ihn sofort mit dem rauchen aufzuhören.
Im Laufe der Zeit prägte sich unsere Beziehung durch extreme Aufs und Abs – Woche für Woche, Monat für Monat … Entweder überschüttete er mich mit seiner Liebe oder er war abwesend, aggressiv, ignorant und beleidigend. Mir fiel anfangs gar nicht auf, wie geschickt er mir die Worte im Mund umdrehte und mich für die Schuldige erklärte – die egoistisch und beleidigend sei. Oft lag ich neben ihm und fragte mich was los ist. Als wir uns das letzte Mal sahen war er noch voller Liebe und Zuneigung und keine Woche später war ihm jeder meiner Atemzüge zuviel. Ich durfte ihn nicht anfassen und er brachte mich in eine große Unsicherheit.
Die guten Zeiten überwiegten und ich liebte ihn so sehr. Er machte mir Heiratsanträge und Komplimente. Ich schob die schlechten Zeiten einfach weg, manchmal wenn es zu sehr weh tat, oder ich zu hart beleidigt wurde oder es einfach nicht aushielt, versuchte ich mit ihm zu reden. Manchmal schrieb ich Briefe. Aber meistens kam es nicht zu einer nennenswerten Aussprache.
Meist wurden meine Anliegen als hysterisch und mit einem enormen Hang zum Drama abgetan.
Irgendwann sagte er mir – ich habe deinen Brief nicht gelesen, ist doch immer das Gleiche.
Ich weiß heute nicht, ob ich ihm diese Demütigungen verzieh, oder sie in mich rein gefressen habe. Jedenfalls ist immer noch Wut da, wenn ich das hier schreibe.
Ich arbeitete nicht mehr in der Bar, sondern verdiente mein Geld mittlerweile tagsüber und war damit beschäftigt neben dieser intensiven und anstrengenden Beziehung meinen Job noch auf die Reihe zu kriegen. Er bekam sein Leben in seinem Rhythmus auch auf die Reihe – die halbe Woche Nachtarbeit – die andere Hälfte Papi. Ein bemühter, liebender Papi.
Wir konsumierten immer noch gemeinsam und es machte auch immer noch Spaß. Doch es gab Momente wo er mich ansah und sagte – ich ruf mal an, oder? Und ich dachte, scheiße warum denn? Abende wo ich am nächsten Morgen arbeiten musste … oder sein Sohn da war.
Das war dann die erste Bedingung die ich stellte: Kein Koks wenn das Kind da ist. Das wurde von ihm auch eingehalten.
Ich begann seinen Konsum zu beobachten. Seine Lügen waren fantastisch, man glaubt gar nicht, wer einem so alles Kokain schenkt, im Supermarkt sogar!!! Ich glaubte nichts von alle dem, sagte aber auch nichts.
Er begriff, dass ich ihn kontrollierte – ich wurde der Feind seiner Sucht und damit auch sein Feind. Ich begann da zu sein, wenn er mich nicht gebrauchen konnte und konnte seiner Sucht direkt in die Augen sehen. Mir wurden die Mechanismen bewusst mit denen er versuchte mich los zu werden, wenn es eng wurde. Eiskalt und bitterböse ekelte er mich weg um seine Sucht zu befriedigen.
Stufe 2 der Co-Abhängigkeit war nun eingeläutet: ich schnüffelte ihm nach, ich wollte nicht mehr wegsehen, ich beschäftigte mich mit dem Thema Abhängigkeit und mit der Situation in der ich mich befand. Ich wurde an jeder Ecke fündig. Weil ich mich aber nicht traute ihn direkt darauf anzusprechen hinterließ ich Zeichen, damit er wusste was ich weiß. Waren die Zeichen weg – hatte er konsumiert. Ich begann seine Anrufe zu kontrollieren und musste mit Erschrecken feststellen wie regelmäßig sein Konsum ist. Ich war schockiert und wurde in unserer Beziehung immer unsicherer. Ich fühlte mich belogen und hintergangen – ich spürte Mitleid und Wut gleichzeitig.
Ich dachte Tag und Nacht an ihn und sein Problem, fühlte mich wahnsinnig hilflos, bekam Schlafstörungen aber das Schlimmste war dieser permanenter Druck auf der Brust. Dann bekam ich einen juckenden Ausschlag an Händen und Füßen – ich war dermaßen gerädert.
Gott sei dank wohnen wir nicht zusammen, dachte ich. Gute Freunde, rieten mir intensiv ihn zu verlassen. Aber ich war nicht fähig, ich spielte ihm und mir lieber etwas vor – versuchte unsere Beziehung irgendwie zu retten indem ich doch wieder die Augen verschloss.
Dann kam eine lange Kampfphase. Ich kämpfte gegen die Sucht, wenn ich ihn ertappte weinte ich, machte ihm Vorwürfe, bettelte das er es lassen sollte. Er log natürlich und verleugnete seine Sucht weiterhin mit allen Mitteln.
Eines Tages nach einem weiteren Streit – es ging mal wieder um Eifersucht … kurze Zwischenbemerkung: Neben seiner wahnsinnigen Eifersucht auf alles, Freunde, Erfolg, Arbeit, Spaß … sind bei ihm auch alle anderen Idioten, jede Kleinigkeit bringt ihn zum Ausrasten, und das Schlimmste was mir aufgefallen ist, er ist paranoid … er hat das Gefühl das andere Menschen ihn ansehen und ihn nicht leiden können oder provozieren wollen.
Ich weiß nicht mehr genau um was von alledem es ging, jedenfalls zog ich das erste Mal ernsthaft in Erwägung mich zu trennen. Das tat ich auch – ich schrieb ihm einen Brief in dem ich ihm mitteilte nicht mehr sein Feind sein zu wollen und das ich mich entschieden hätte die Beziehung zu beenden.
Am nächsten Tag waren sämtliche körperlichen Symptome einschließlich des Hautausschlags den ich seit Wochen mit versuchte mit Cortison zu bekämpfen, verschwunden.
Natürlich war die Sehnsucht riesig – hinter dem Krankheitsbild Sucht steckt ein herzlicher, lieber, im inneren ganz einsamer kleiner Mensch, der meine Hilfe doch so dringend braucht, so fühlte ich und die Vorstellung nie wieder mit ihm zu lachen, zu kochen, zu tanzen und zu schlafen brach mir das Herz.
Ihm brach es auch das Herz, und so kam er an und bat um ein letztes Gespräch. Wir trafen uns im Park, ich konnte nicht hart bleiben so sehr begehrte ich ihn und er schien ja auch so einsichtig. Ich machte ein Leben ohne Koks zur Bedingung eines Fortbestehens unserer Beziehung. Ich riet ihm eine Therapie zu beginnen, er wollte sich nicht auf das Gespräch einlassen. Als ich nicht locker ließ sagte er leise: Hilf mir dabei.
Kurze Zeit später war das Thema Therapie nicht mehr möglich. Er behauptet bis heute sich an die Abstinenzvereinbarung gehalten zu haben – es ist eine Lüge! Niemand der 20 Jahre regelmäßig Kokain raucht hört aus reiner Willenskraft damit auf.
Trotzdem lief es erst mal gut. Es ist nämlich so: Wenn er wirklich Angst bekommt mich zu verlieren, dann wird aus dem Tiger ein Kätzchen. Dann mag er auf einmal meine Freunde gern und hatte auch nie etwas gegen sie … dann hört er zu und interessiert sich, dann lacht er über meine Witze, und ist leidenschaftlich und wahnsinnig süß.
Ich hingegen habe diese Fähigkeit mit und mit verloren – bin misstrauisch und hart geworden.
Aber das akzeptiere ich nicht! Ich habe nicht aufgehört an mir zu arbeiten und zu lernen. Ich habe mich der Co-Abhängigkeit gestellt und ich habe mir fest vorgenommen sie zu bekämpfen. Ich möchte der freie, fröhliche Mensch sein, der ich im inneren bin und nicht das kleine, ängstliche Mädchen, das in Abhängigkeit eines narzisstichen Menschen, der selbst gefangen ist, lebt.
Und so drehte sich unser Rad weiter – ich blieb misstrauisch aber lernte zu sagen was ich denke. Er hatte seine Probleme damit, na klar … ich bekam Vorwürfe, dass ich nur noch schlechte Laune hätte und ihn gar nicht mehr lieben würde. Er mochte meine Freunde ein paar Wochen später auch schon wieder nicht mehr. Gute Vorsätze schwinden schnell …
Aber eigentlich lief es etwas besser. Keine Beschimpfungen keine Eskapaden. Ich plante einen Urlaub und hoffte dort ein ehrliches Gespräch mit ihm führen zu können. Wir freuten uns beide sehr darauf – doch dann kurz davor kam ein weiterer Absturz. Im Urlaub knallte es dann richtig, als er erst morgens um 7:00 total besoffen wieder ins Hotelzimmer kam und ich mit seinem Sohn aufstehen durfte. Ich konfrontierte ihn mit meiner Vermutung, dass er nie länger als einen Monat abstinent gewesen sei und forderte ihn mir ins Gesicht zu sagen, dass er kein Problem hätte. Keine 10cm von meinem Kopf entfernt schrie er mich an „Er hätte kein Problem“.
Vielleicht hat er keins. Aber ich habe eins, und es ist zu einem Monsterproblem angewachsen.
Er gab noch richtig Gas und beschimpfte mich weiter: Ich sei spießig und würde immer nur die Schuld bei anderen suchen. Ich sein intellektuell nicht auf seiner Wellenlänge, ich sei ihm zu dumm und ich hätte keine Freunde.
Es war der blanke Horror, wir waren zusammen in Urlaub … Am nächsten Tag versuchte er mich in den Arm zu nehmen und sich zu entschuldigen. Ich war zu verletzt und ich konnte es ihm nicht verzeihen.
Nach dem Urlaub verließ ich ihn erneut. Diesmal selbstsicherer und konsequenter. Ich war zu 100% sicher, dass wir keine Chance haben, wenn er sich nicht reflektiert und der Satz „Ich habe kein Problem“ hallte noch in meinen Ohren.
Man fragt sich ja einfach auch warum man sich so eine nervenaufreibende und zerstörerische Beziehung antut. Natürlich ist er auch sehr enttäuscht von mir, das kann ich auch verstehen, habe ich doch jahrelang alles gerne mitgespielt – mehr als das! Und danach der Harmonie wegen noch lange, lange gute Miene gemacht. Das war feige und verlogen von mir.
Den Schuh zieh ich mir an. Aber in so einer Suchtbeziehung muss man auch erst einmal dahinter kommen was der eigentliche Grund für das Drama ist – ich habe jahrelang angenommen ich hätte mir einfach einen schwierigen Typen geangelt, der viel Liebe braucht und vielleicht auch viel Freiheit, beides war ich bereit zu geben. Ich dachte wenn ich nur lieb und tolerant zu ihm bin, wird er es irgendwann auch zu mir sein. Und die kleinen Ausrutscher wo er sich im Ton vergriff … Schwamm drüber, da will ich mal nicht so sein.
Meine kleinen Ausrutscher hingegen wurden niemals toleriert, wegen 5 Minuten Verspätung fielen ganze Wochenendplanungen ins Wasser. Aufbauen oder runtermachen, je nach Stimmung.
Ich war lange in der – du bist schuld an meinem Dilemma Phase und ich bin es vielleicht immer noch. Aber ich möchte begreifen, dass hier niemand schuld ist und dass man ausschließlich selbst für sein Leben verantwortlich ist. Und so selbstverantwortlich möchte ich auch mit mir und mit anderen Menschen umgehen.
Ich bin ein netter Mensch – ich bin kein Arschloch, ich möchte keine anderen Menschen nieder machen um mich besser zu fühlen. Und ich stelle mich nicht hin und sage anderen was sie zu tun haben, aber wenn es um mich geht, dann entscheide ich selbst.
Zurück zur Geschichte:
Natürlich liebte ich ihn noch!
Aber ich war endlich der Meinung – ein Ende mit Schrecken (und der Schreck war auch schon ein paar Jahre alt) als mich weiter mit diesem Menschen im Kreis zu drehen und von der nächsten Hoffnung die er vermittelt, oder die ich mir ausmale wieder in das tiefste Tal zu stürzen.
Ich ging den schwierigen Weg mit seinem Sohn zu reden, nach 6 Jahren Freundschaft hielt ich es für unausweichlich ehrlich zu dem Jungen zu sein. Es brach mir das Herz! Aber es war auch eine Türe die ich schloss.
Ein paar Tage später bekam ich eine SMS die mich bei einem Spaziergang im Wald zusammenbrechen ließ: Hilf mir noch ein letztes Mal eine Therapie zu beginnen – nur beim technischen Ablauf.
Mir schossen zusammen mit den Tränen 1000 Gedanken gleichzeitig durch den Kopf: kann er das, schafft er das, gibt es wirklich Hoffnung oder ist alles nur wieder blabla …aber ein Gedanke war der lauteste:
Ich werde dich nicht hängen lassen! Ich saß auf dem Waldboden und heulte mir die Augen aus dem Kopf.
Er besorgte sich bei seinem Hausarzt eine Überweisung zum Psychologen. Ein paar Tage später betraten wir zusammen die offene Sprechstunde der Drogenberatungsstelle. In dem Gespräch wurde klar, das es nicht so einfach gestalten würde einen Psychiater zu finden der sich dem Problem annehmen würde. Mein Freund sollte sich erst einmal bewusst darüber werden was er durch die Aufgabe seiner Sucht im Leben gewinnen könne und was die Droge ihm gibt. Er meldete sich bei der Beratungsstelle an zu einer Beratung über 5 Sitzungen allerdings gab es eine lange Warteliste, so dass er ca 3 Monate auf das erste Gespräch warten muss.
In der nächsten Zeit war er sehr gut drauf. Wir konnten zum ersten Mal recht offen über das Problem sprechen und es war sehr erleichternd für mich, dass endlich Schritte in die richtige Richtung getan wurden. Mein Misstrauen war allerdings nach wie vor nicht von der Hand zu weisen. Er fragt was er tun könne, damit ich ihm vertraue – ich schlug ihm mehrfach einen gemeinsamen Termin bei einer Paarberatungsstelle vor um unsere jahrelang aufgebauten Probleme zu besprechen. Er sagte immer er wolle das auch – aber es passierte nichts Konkretes.
So vergingen die Wochen und ich wollte gerne lernen zu vertrauen, dass er es ernst meint und dass es gut geht.
Er traf sich mit einer befreundeten Sozialarbeiterin, die ihm sogar eine Adresse für unser gemeinsames Gespräch gab. Leider sagte sie ihm auch, dass sie ihn nicht in einer Gesprächsgruppe von Drogenabhängigen sehen würde.
Er hat ein paar Schritte in die richtige Richtung gemacht, er hat seinen Beschaffern und Freunden gesagt, dass er nicht mehr konsumieren möchte. Ich schenkte ihm in unserer Trennungsphase ein Buch über Verständnis und Heilung von Abhängigkeit – ich glaube er schaute sogar zweimal rein. Wenn wir sprachen verfiel er mit und mit in eine euphorische Darstellung, wie froh er wäre, dass er es nun endlich begriffen hätte und wie klar er mit seiner Abstinenz wäre. Er würde es nicht mehr brauchen und wäre dankbar, dass ich ihm einen Spiegel vorgehalten hätte. Aber er würde es nicht für mich sondern für sich tun, er wolle ja leben!
Tja, und was glaube ich? Ich glaube er hat es gewollt – aber er hat es leider nicht genug gewollt.
Ich bin mir in zwei Fällen ziemlich sicher, dass es Rückfälle gab. Ich könnte mit jedem Rückfall leben, wenn er mit mir sprechen würde, aber das tut er nicht. Nachdem ich ihn mit meiner Vermutung konfrontierte kam der Abend, der wieder alle meine Hoffnungen zersplittern ließ.
Vor mir stand ein unsicheres, beleidigendes, kleines Arschloch – ein ganzer Abend an dem wir schön miteinander kochen wollten wurde wegen einer nichtigen Lappalie zum Albtraum – ich weinte, weinte, weinte … er stocherte weiter. Alles zerbrach!
Seit dem ist wieder alles schrecklich. Kein Vertrauen keine ehrlichen Gespräche.
Ich war noch einmal alleine bei der Drogenberatungsstelle, dort wurde mir im Gespräch mal wieder klar, dass es nur einen einzigen Weg gibt. Die klare Ansage, dass ich zu einer Beziehung mit der Droge nicht bereit bin. Wichtig ist, dass ich meine angekündigten Konsequenzen war mache und das ich klar bin.
Ich versuche mein Bestes und kämpfe jeden Tag gegen die zerstörerische Co-Abhängigkeit. Ich möchte alle Zusammenhänge, die mich hierher gebracht haben verstehen und lösen um ein glückliches Leben ohne Abhängigkeit und Drama zu führen.
Der momentane Stand der Dinge ist, dass es mir aufgrund eines operativen Eingriffs sehr schlecht ging. Er begleitete mich zum Arzt und bot an, dass ich das Wochenende über bei ihm bleibe, damit er mich pflegen kann. Am Abend nach dem Eingriff wartete ich bei ihm zu Hause, als er nicht kam ging ich ihm entgegen zu seiner Arbeit. Ich versuchte ihn zu erreichen als er nicht ranging rief ich auf der Arbeit an. Ich sagte mir ginge es nicht gut und ob er mit nach Hause kommen würde. Dieser Anruf war der Auslöser für einen abendfüllenden Streit voller Beleidigungen. Er war betrunken, ich war fertig mit den Nerven.
Der reinste Horror. Ich packte meine Sachen zusammen und wollte zu mir fahren, aber ich hatte Schmerzen und abgesehen davon, dass ich das alles nicht glauben konnte, fühlte ich mich auch nicht in der Lage zu fahren. Ich rutschte in das alte Muster und versuchte ihn zu besänftigen – er hackte weiter, keine Empathie, fühlte sich nur angegriffen.
Mir ging es weiterhin ziemlich schlecht, vordergründig kümmerte er sich zwar aber es kam nichts mehr bei mir an. Ich grübelte wieder nächtelang, was nun zu tun wäre … kurz ich bin völlig überfordert damit, dass ich mich wieder im Kreis gedreht habe. Wieder und wieder, wie lange noch?
Heute habe ich nun endlich – für ihn aus heiterem Himmel – meine Sachen gepackt und bin gefahren. Als er mir helfen wollte habe ich es ihm verboten. Ich bin einfach gefahren ohne zurück zu schauen. Zu groß war der Schmerz über die verbalen Verletzungen – ich lasse mich nicht mehr so behandeln. Auch wenn ich zu lange gebraucht habe um das zu lernen, heute weiß ich es. Ich muss nichts verzeihen, was ich nicht verzeihen kann.
Weihnachten steht vor der Tür und wir wollten bei mir zu Hause zusammen feiern. Wir haben uns darauf gefreut. Nach Weihnachten verlasse ich ihn, vorher schaffe ich es nicht, das habe ich mir die ganze Zeit gesagt. Es ist krank!
Ich hoffe meine Geschichte hilft Menschen in ähnlichen Situationen zu mehr Klarheit.
Ich bin schon länger auf der Suche nach einem Hilfsangebot oder einer Selbsthilfegruppe für Co-Abhängige Angehörige. Wenn mir Jemand hierzu einen Hinweis geben möchte würde ich mich freuen. Über Kommentare zu meiner Story übrigens auch …
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