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::: von "Toni" :::

Seit 10 Jahren trockener Alkoholiker

Mein Name ist Toni, heute 41 Jahre, Gesund und Rund!:-)). Seit 10 Jahren trockener Alkoholiker und seit 2 Jahren Nichtraucher! Deswegen wohl auch Rund!:-))

Der Grundstein für meine Trockenheit

Den Grundstein für meine trockene Zeit konnte ich während meiner Therapie legen. Am 8. Oktober 1996 trat ich, nach 2 Monaten Wartezeit, meine Therapie an. Mein Suchtberater brachte mich zur Klinik. Selber traute ich mir die Fahrt mit dem Zug nach Salzgitter-Ringelheim nicht mehr zu. Soviele Gefahren schienen auf dem Weg zur Klinik auf mich zu warten.

Nicht mehr Herr über mich selbst

Ich fühlte mich nicht mehr im Stande diesen Gefahren zu begegnen. Ich war einfach nicht mehr Herr über mich selber. Nach der Untersuchung beim Chefarzt, der eine leichte Fettleber feststellte, übernahm mich "mein Pate".

Nie wieder Alkohol

Er war ein Mitpatient der schon kurz vor seinem Therapieende stand und für mich völlig unverständlich, schon wusste wie es geht: Dieses nicht mehr trinken wollen! Während der ersten Tage lebte ich mich ein, versuchte die Abläufe in der Klinik zu begreifen und zu verstehen.

Private oder Berufliche Probleme

Die ersten Gruppengespräche waren von anderer Qualität, wie ich diese von der "Motivationsgruppe" bei der Suchtberatung kannte. Die Schonungslose Offenheit der Mitpatienten beeindruckte mich. Doch konnte ich noch nicht recht verstehen, was private oder Berufliche Probleme mit dem Trocken werden zu tun haben sollen. Ich wartete wohl einfach auf eine "Gebrauchsanweisung" fürs Trocken sein.

Warum trank ich immer wieder

Irgendjemand würde mir dort bestimmt sagen was ich zu tun habe, damit ich nicht mehr Saufen will. Doch komischerweise wurden mir nur noch mehr Fragen gestellt. Dabei hatte ich genug offene Fragen an mich selber. Warum trank ich immer wieder, obwohl ich es eigentlich nicht mehr wollte?

Wie geht das Leben weiter

Sollte ich meine kaputte Ehe weiterführen wegen der Kinder? Wie geht das Leben weiter? Bin ich noch normal oder habe ich mich schon "Dummgesoffen"? Die ersten sechs Wochen tat sich nicht viel. Es fühlte sich genauso an wie bei den 7 Entgiftungen mit therapeutischer Begleitung während der 2 vorangegangenen Jahre. Erst als ich meine "Stufe" machte, spührte ich wie befreiend es sein kann, seine Suchtgeschichte zu erzählen.

Mein Therapeut riet mir zu schreiben

Dort in der Klinik konnte ich alles heraus lassen, ohne daß ich Angst haben musste, es könnte mir jemand einen Strick daraus drehen. Ich war ja in einer völlig anderen Welt. Unter der "Käseglocke". Mit meinen Erzählungen wurde ich nicht fertig. 3 Gruppensitzungen lang erzählte ich und erzählte. Mein Therapeut riet mir dann: "Sie haben soviel zu erzählen, schreiben sie sich das auf"! Zur Antwort gab ich ihm: "Das kann ich nicht"!

"Der Körper holt sich Ersatz"

Am Abend drückte er mir ein Taschenbuch in die Hand mit mehreren Suchtberichten darin. Damit ich eine Orientierung hatte. Das Aufschreiben meines Lebens nahm ich mir aber für die Zeit nach der Therapie vor. Körperlich ging es Bergauf. Ich machte viel Sport und das Essen schmeckte wieder. Ich nahm so um die 10 Kilo zu. Das sei normal wurde mir erklärt. "Der Körper holt sich Ersatz" hieß es.

Die Schuld wollte ich nicht mehr auf andere schieben

Nach und Nach lernte ich meinen Verstand zu benutzen um eigene Gedanken zu entwickeln. Bis dahin hatte ich ja immer nur von Anderen etwas abgeschaut oder Auswendig gelernt, oder übernommen. Nun hieß es Eigenverantwortlich über mich zu bestimmen. Die Schuld wollte ich nicht mehr auf andere schieben.

Weder auf meine Frau, noch auf das Wetter, noch auf ein verlorenes Fußballspiel.
Was mich bis Heute an dieser Wohngruppe fasziniert, an der ganzen Klinik, das war und ist, diese Menschlichkeit!

Nach Jahren der Selbstzweifel

Nach Jahren der Selbstzweifel, nach Jahren des Versteckens meiner Sucht, nach Jahren der Notlügen, konnte ich dort einfach Ich sein. Und es war OK für alle. Dort war jeder gleich. Auch von den Angstellten der Klinik und den Therapeuten kamen immer normale Bliche und Gesichtsausdrücke der Achtung zu mir rüber. Kein von Oben Herab.

An einem Sonntag Nachmittag, es muss Ende Januar 97 gewesen sein. Denn meine normale Therapiezeit wäre schon fast rum gewesen. Glücklicherweise bekam ich 3 Wochen Verlängerung. Ich fühlte mich Gut, doch ich wusste, mir fehlt noch etwas entscheidendes zum Trocken sein.

Es ging etwas in meinem Kopf herum. Ich grübelte und wusste nichts mit diesen Gedanken anzufangen. Der Dienstahabende Therapeut riet mal wieder zum aufschreiben. Habe ich dann auch gemacht. Ein wirres Zeug kritzelte ich da zu Papier. Abends war ich Müde und kaputt. Am nächsten Morgen wollte ich diese Wirren Gedanken bei der Gruppe vorlesen.

Der Therapeut grinste nur

Doch dazu kam es nicht mehr. Es war nicht mehr nötig. Schon als der erste erzählte was ihm nicht passte und was ihn störte, wusste ich was er tun könnte um seine Unzufriedenheit abzuschütteln. Beim nächsten war es genauso. Ich gab meinen "Senf" dazu. Der Therapeut grinste nur.

Als die Runde durch war, hatte ich ganz klare Gedanken. Kein Wirrwar mehr. Es war Klar wie Klosbrühe: Ich war die Lösung! Ich entscheide! Ich bestimme wie wichtig der Alkohol in Zukunft sein würde. Ich! Sonst Nichts und Niemand! Herrlich Einfach!

Es war ein total Geiles Gefühl für mich eine Lösung gefunden zu haben

Es war ein total Geiles Gefühl für mich eine Lösung gefunden zu haben. Natürlich waren da auch noch kleine Zweifel. "Würde ich mich wieder selber verarschen"? Schon öfter war ich der Meinung gewesen mein letztes Bier und meinen letzten Schnaps getrunken zu haben.

Dieses Gefühl der Freiheit

Doch dieses Gefühl der Freiheit, mich entscheiden zu können, war Enorm. Es war Herrlich die letzten Wochen den Mitpatienten Ratschläge geben zu können und vielleicht dem Ein oder Anderen zu helfen.

Das brachte mir dann auch noch den Spitznamen "Prediger" ein. Aber was solls. Ich nahm es mit Humor. Während der Therapie war ich auch zu em Entschluss gekommen, meine Ehe nicht mehr fortzuführen. Es musste ein Schlussstrich darunter. Um Meinetwillen!

Beim Abschlussgespräch am 27.2.97 sagte ich noch zu meinem Therapeuten: "Das war wohl die positivste Erfahrungen meiner letzten Jahre"! Er antwortete: "Das wird wohl die positivste Erfahrung ihres bisherigen Lenbens gewesen sein"!

Er hat recht!!!!!!!

[Toni hat ein Buch geschrieben "Der Trockene Weg"]

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