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Alkoholikerin

::: von "S. B." :::

Mein Name ist S. B.*, bin 55 Jahre, habe eine 21 jährige Tochter und wohne seit 1990 hier in Heiligenhafen. Im Alter von ca. 12 J. kam ich zum ersten mal mit Alkohol in Kontakt. In meinem Elternhaus wurde zu jedem Anlass, egal wie groß er war, Alkohol angeboten….man muß ja was zu trinken anbieten!!!

Allso war das ja was "Normales" für mich, zunächst nur bei Feiern.

Mein Vater nahm mich mit zu Kundenbesuchen, er war Vertreter und jedes Mal gabs ein Conjäckchen zum Vertragsabschluß und die kleine Tochter konnte doch auch schon einen mal mittrinken……toll für mich , schon so "erwachsen" sein zu dürfen.

Ich beendete mit der Mittleren Reife das Gymnasium, meine Zwillingsschwester machte Abitur.

Wenn ich schon zu blöd/faul war um die Schule bis zum Abitur durchzuhalten, meine Schwester war somit die Gute in der Familie, dann wollte ich auf andere Weise wenigstens brillieren. Ich wurde Papas Liebling, weil ich ja immer öfter mit ihm unterwegs war und er mit mir angeben konnte,…..wie erwachsen die Tochter schon war, sie konnte schon ganz schön viel mittrinken und genauso witzig und locker sein wie er selber. Er trank von Montag bis Freitag wie es seine Arbeit zuließ.....aber immer öfter auch zuviel.

Mit ca. 15 kam ich in ein Internat, viele Schülerinnen waren älter und kamen aus der Großstadt, ich war nur eine Dorfpommeranze, allso trank ich abends wenn wir aus dem Internat türmen konnten mit ihnen mit, immer etwas mehr als sie, denn ich musste ja zeigen, wie toll ich bin.

Ich beendete eine Ausbildung als Wirtschafterin mit dem Staatsexamen…immer im Gepäck Alkohol….

Meine erste Arbeitsstelle war bei Bundespräsident Scheel, nach 8 Jahren arbeitete ich am Konsulat in Leningrad….alles immer mit einem gewissen Alkoholpegel, der mich stark und selbstbewußt erscheinen ließ…….langsam wurde es aber immer schwieriger den Pegel mit Bier, Korn oder Cocnac so aufrecht zu halten, dass ich noch einwandfrei funktionierte, allso fing ich in Russland an Wodka zu trinken. Das dröhnte schneller und außerdem sollte man davon ja auch keine Fahne bekommen, somit war der Stress mit den vielen Pfefferminzbonbons auch geregelt. Wenns einem morgens schlecht geht soll man mit dem anfangen, mit dem man abends aufgehört hat... also machte ich auch das, und der Erfolg war ja wirklich gut, es gab gar keine Zeit mehr in der ich nicht super funktionierte und wenn ich spürte meine Kraft lässt nach, kippte ich einfach Einen nach.

In kurzer Zeit war ich, ohne Vorwarnung voll in der Sucht. Jetzt trank ich rund um die Uhr. Nach kurzer Zeit musste ich schon morgens ein Wasserglas Wodka haben, damit ich überhaupt die Zahnbürste halten konnte, vor der Arbeit hatte ich schon eine halbe Flasche weg, in der Mittagspause gabs "gesellschaftsfähig" Kaffee mit Schuß, Abends trank ich, alleine in meiner Wohnung eine weitere Flasche Wodka und Nachts wenn ich wach wurde, kippte ich sofort nach… blos nicht anfangen zu zittern, in einen Endzug kommen.

1983 lernte ich den Vater meiner Tochter kennen, hörte auf zu trinken und hielt das auch 3 Jahre durch. Als meine Tochter 3 Jahre war, benutzte ich einen Vorfall als Alibi um mal wieder ein Gläschen zu trinken…..binnen einer Woche war ich noch schlimmer drauf als jemals zuvor. Auch diesmal merkte mein Arbeitgeber nichts von meinem Alkoholproblem... erst als meine kleine Tochter eines Tages ganz ängstlich vor mir stand und ich schon soweit abgefüllt war, dass ich nicht mehr weiter wusste, faßte ich den Endschluß, jetzt muß Schluß sein und ließ mich von einem Taxi in die Klinik fahren.

*Name von der Red. geändert

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