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Tablettensucht - Medikamentenabhängigkeit

::: von "Anonym" :::

22.3.09

Heute vor genau 378 Tagen begann mein nicht enden wollender Kampf gegen die Benzo`s. Nicht mehr vorhanden sind: kreisrunder Haarausfall, Sehstörungen, Schluckbeschwerden, Rohrgeschmack im Mund, Appetitlosigkeit, Schüttelfrost, Zittern, Magen-Darmkrämpfe, Kribbeln in den Beinen, Nervenjucken, Unwirklichkeitsgefühl, Schreckhaftigkeit, Lichtempfindlichkeit, Agressivität und Weinkrämpfe, Panikattackenund soziale Phobie.

Geblieben sind: Alpträume, Ängste (in Schüben), Krämpfe im Gehirn (stundenweise), Herz-Kreislaufbeschwerden(anhaltend), Gewichtsverlust, Durchblutungsstörungen  und innere Unruhe.

Doch ich spüre seit 4 Tagen eine immer wiederkehrende, seltsame Ruhe (für 2-3Stunden). Eine Ruhe und Gelassenheit die ich nie zuvor in meinem Leben verspürt habe. Ich hoffe nun das diese Schübe größer werden und ich zu meinem "Ich" zurückfinde.

Hätte ich nicht so viel Geduld gehabt und mich von anderen beeinflußen lassen wäre ich vielleicht wieder dort wo ich angefangen habe. Ich muß zugeben wenn ich im Job gestanden hätte und noch jung gewesen wäre hätte ich das Theater nicht durchgehalten.Und hiermit meine Warnung an alle "Laßt die Finger von diesem Zeug".

Macht euch vorher kundig,lest den Beipackzettel oder macht euch im Internet auf die Suche. Es lohnt sich allemal. Denn bevor ihr in diesen Teufelskreis geratet versucht erst alles andere.

Hilfreich sind Benzo`s nur in dringenden Notfällen und dann nur für kurze Zeit Selbst heute nach dieser langen Zeit spüre ich immer noch das Verlangen nach Tabletten. Ich muß mich dann abreagieren, lange Spaziergänge machen, meine Wohnung putzen und in Ge- schäfte gehen. Manchmal muß ich mir dann etwas Gutes tun,einen Kaffee trinken oder etwas besonderes kaufen.

(Als kleines Lob,so das hast du geschafft) Und natürlich mir immer und immer wieder die Studie von Prof.Ashton durchlesen.Denn nur sie alleine hat mir den Mut gegeben das durchzustehen. Und natürlich auch ein kleines bißchen mein Mann. Seine Geduld an meiner Seite hat mir Kraft gegeben. Auf Ärzte und dergleichen werde ich mich den Rest meines Lebens nicht mehr verlassen.Das war und ist mir eine Lehre.

Werde demnächst weiter berichten.

02.03.09

Habe einige Tage das Mirtazepin genommen und solche Schwindelanfälle und Fressattacken bekommen, das ich den ganzen Kühlschrank hätte leeren können. Bin wieder auf Doxepin 50mg um- gestiegen. Das Mittel vertrage ich wenigstens einigermaßen. Nur hat es auch wie alle diese Mittel reichlich Nebenwirkungen. (Bei mir,trockene Schleimhäute,Zittern,Darmnässen und Verstopfung) Diese Randerscheinungen hat man bei Benzo`s nicht und das ist das trügerische.

Je besser man ein Mittel verträgt umso schneller greift man dazu. Und natürlich diese verteufelte Abhängigkeit (mit der ich noch fast jeden Tag kämpfe) Außerdem die lang andauernden Entzugserscheinungen. Die nicht ohne sind. Selbst nach mittlerweile 11/2 Monaten plagen mich noch jeden Tag schlimmste Alpträume (wir hatten einen Atomkrieg und die Nebelschwader fielen auf unsere Stadt und die Menschen.

In letzter Not rief ich meine Schwester an und verabschiedete mich. Oder ich bringe ständig jemand um.) Und mein Mann erzählte mir, das ich ab und zu fürchterlich laut schreie im Schlaf. Dann die unerträglichen Herz-Kreislaufprobleme und die innere Unruhe. Mein Gehirn überschlägt sich dermaßen und versucht zwei Dinge auf einmal zu machen.

Und diese Unruhe überträgt sich auf meinen Mann und die Menschen in meiner Umgebung. Ich kann ihnen ja nicht erklären was mit mir los ist. Das versteht ohnehin keiner.
Ich nehme zur Zeit mehr als 10 Baldriantabletten pro Tag, mache autogenes Training, trinke Schlaftee und bade warm.
Die ganzen Kosten die mir entstanden sind müßte ich meinem damaligen Arzt und den Kliniken in Rechnung stellen.
Von meinem Psychater höre ich seit Wochen nichts. Er hat ja jetzt seine Ruhe, bekommt keine lästigen Anrüfe und E-Mails mehr.

Er hat mir ja Benzo`s wieder verschrieben und sein Gewissen beruhigt.

Bei meiner Psychologin war ich neulich und die hatte nichts besseres zu tun wie mir unter zu jubeln, das ich sehr unruhig seie und immer perfekt sein wollte. Sie kam nicht auf die Idee das ich auf Entzug bin. Zudem bin ich eine Frau mittleren Alters, die sich halt korrekt kleidet. Und selten in verwaschenen Jeans rumläuft. Und ich hänge mir bestimmt kein Schild um, trage Sachen die schon 10 Jahre und älter sind.

Leider schließt man immer noch von der äußeren Erscheinung auf den Charakter.

Das wars für heute,bis bald.

06.12.08

Ich wurde 1953 in eine Beziehung hineingeboren die zum Scheitern verurteilt war. Man ließ mich immer spüren das ich unerwünscht war. Als dann 1958 meine Schwester geboren wurde war ich total abgeschrieben. Meine Mutter war stark depressiv und nahm Tablette. Mein Vater litt unter der Situation so sehr das er auch für jedes Wehwehchen eine Tablette nahm.

Tabletten waren bei uns gang und gebe. Meine Mutter wurde mit Contergan und Limbratril vollgestopft und veränderte ihren Charakter. Sie wurde immer rigoroser. Ich entwickelte in dieser Zeit schon große Ängste. Mir war das ganze Verhalten meiner Mutter peinlich.1970 trennte sich mein Vater von meiner Mutter und ich atmete auf. Endlich braute ich keine Angst mehr zu haben. Doch die Ängste hatten mich im Griff.

Bei jeder unangenehmen Situation nahm ich Librium, Dogmatil und was sonst so auf dem Markt war. Ich fühlte mich unter Tabletten stark. Doch das war kein Dauerzustand. Also war ich auf der Suche nach Hilfe.

Ich ging von Arzt zu Arzt, von Therapeut zu Therapeut. Man verschrieb mir wieder nur Tabletten.

Im Laufe der Jahre habe ich es dann aufgegeben Ärzte zu konsultieren. Ich lebte mit meinen ständigen Ängsten. 1970 ging ich dann beruflich in einen Verlag.

Ich merkte wie unsicher, ruhelos und ängstlich ich war.

Ich wollte so sein wie die anderen, stark und selbstbewusst. Also ging ich zu meinem damaligen Hausarzt und schilderte meine Situation. Er verschrieb mir Lexotanil. Bei Bedarf nahm ich eine und fühlte mich stark. In den darauffolgenden Jahren nahm ich mal wieder eine aber auch wochenlang keine. Die Arbeit und die Veränderungen in dieser Firma wurden immer größer und das flößte mir wieder große Angst ein. Und dann dieser Dauerstress. Mein Körper rebellierte und ich hörte nicht auf ihn. Ich bekam Panikattacken, Angstzustände, Schweißausbrüche, Herzrasen und vieles mehr.

Außerdem ging eine sehr liebe Kollegin, die mir immer geholfen hatte. Ich sah keinen Ausweg mehr. Ich musste meine Arbeit behalten, da ich ja einen instabilen Mann hatte, der dauernd seine Arbeit verlor und das Geld in die Kneipen trug. Was machte ich also, nahm wieder Benzo's. Und dann die nächsten 15 Jahre regelmäßig 2 ganze Tabletten am Tag.

Ich wurde ruhiger, stark und Selbstbewusst. Nichts und niemand konnte mich aus der Ruhe bringen. Das ich mich aber unter diesem Mittel total veränderte merkte ich nicht. Ich nahm nicht nur 20KG zu sondern wurde so gleichgültig. Meine Hausarbeit ließ ich liegen, mein Job war mir egal. Ich unterschlug, damit man mir nicht auf die Schliche kam, sogar Arbeit.

Dann wurde ich 2005 und die ganze Abteilung entlassen.

Mein Leben hatte keinen Sinn mehr. Von Dezember 2005 bis Januar 2008 trank ich dann noch täglich 5 Flaschen Bier und 3 Schnäpse auf die Tabletten. Dann machten alle möglichen Leute meinen Mann auf meinen Zustand aufmerksam. Ich fing an, bei dem bisschen Verstand den ich noch hatte, an nachzudenken. Ich konnte und wollte so nicht weiterleben. Also begab ich mich im Februar 2008 in eine Entzugsklinik. Binnen 4 Wochen wurde mir alles heruntergefahren.

Als Ersatzdroge erhielt ich Doxepin 50mg und Dippiperon.

Als ich dann zu Hause war ging der lange Leidensweg los. Die ersten 4 Wochen zu Hause verbrachte ich nur im Bett und nahm ohne mein dazutun 10KG ab. Nach etwa 6 Wochen setzte die aufhellende Wirkung von Doxepin (Antidepressivum) ein. Ich bekam langsam, jeder Tag ein kleines bisschen mehr, Lebensfreude. Trotz dieser quälenden Entzugserscheinungen.

Ich krempelte meine Wohnung um, durchforstete meine Schränke, kaufte neu Garderobesortierte meine Bücher und vieles mehr. Als hätte mit eine innere Stimme gesagt, es ist das letzte was du in der nächsten Zeit machen wirst. Und Gott sei Dank, ich hatte recht. Ab dem 6. Monat des Entzuges begann für mich die pure Hölle. Es begann mit einem Zusammenbruch in der Stadt.

Ich bekam Angstzustände ersten Ranges, Zittern am ganzen Körper, unkontrollierte Bewegungen, Gedächtnisverlust, Krämpfe im Gehirn, im Bauch, am Unterleib, Verwirrtheit, Sehstörungen, Depressionen und schlimme Herz-Kreislaufprobleme.

Ich bin jetzt im 9ten Monat des Entzuges und leide noch jeden Tag Höllenqualen. Und alle Dinge die ich vorher hatte sind zurückgekehrt.

Ich habe in all der Zeit immer versucht mir selbst zu helfen mit Beta-Blockern, Baldrian, Wärmflaschen, warmen Bädern, autogenem Training aber nichts hilft bei diesem Teufelszeug. Außerdem könnte ich meine Psychologin nicht mehr aufsuchen weil ich nicht in der Lage bin zu reden und bei der kleinsten Anstrengung mein Gehirn krampft. Ich bin mir selbst und meiner Umwelt zur Belastung geworden.

Und keiner weiß was ich mitmache. Es steckt ja niemand in meiner Haut. Selbst Ärzte und Psychologen können mit Entzugserscheinungen nicht umgehen. Ich bin allen ein Rätsel. Wenn ich mir nicht selber helfen würde wäre ich verloren. Ich muss zugeben an 2 Tagen während des Entzuges bisher bin ich schwach geworden und nahm jeweils eine halbe Tablette. Aber das hat mich auch nicht gerettet.

Ich weiß nicht wie es weitergehen soll und ob diese Belastung unsere Ehe aushält. Wenn ich diesen Mann verliere habe ich nichts mehr.

Ich würde mich freuen von jemanden zu hören. Für mich ist es kein Problem unsere E-Mail Adresse preiszugeben.

12.01.2009

Mein Allgemeinzustand verschlechtert sich von Tag zu Tag.

Ständig krampft und klopft mein Gehirn. Konzentrieren kann ich mich kaum noch. Ich vergesse alles und muss mich selbst kontrollieren. Alle Gegenstände die ich sehe werden in Zahlen umgesetzt. Und im Kopf singt immer jemand alte Lieder.

Fernsehen geht gar nicht mehr, ich kann dem Gerede nicht mehr folgen. Alles was schnell und hektisch passiert registriere ich nicht mehr. Und dann dauernd diese schweren Angstzustände(Todesängste) und Depressionen. Sowie Verwirrtheitszustände.

Allen Informationen zu Folge ist mein Gehirn geschädigt. Es sieht so aus das ich ein hirnorganisches Psychosyndrom habe. Wenn das wirklich so ist, ist mein Leben vorbei.

Werde Montag zum Psychiater gehen und mein Gehirn testen lassen. War auch bei meiner Hausärztin, weil der Notarzt hier war, und habe mich gründlich untersuchen lassen. Diagnose: schlechte Leberwerte, einen erhöhten Cholesterin und Zucker. Folgen des jahrelangen Tabletten und Alkoholkonsums.

Fazit: Mein Leben ist vorbei.

25.01.2009

Seit dem 12.1.09 geht es nach wie vor schlechter. Ich bin so verwirrt, kann kaum noch denken und laufe von Arzt zu Arzt. Habe meinen Psychiater darauf hingewiesen das man Körperverletzung mit mir treibt. Er reagiert überhaupt nicht.

Das einzige was er unternommen hat, eine Überweisung zur Uniklinik nach Bonn auszuschreiben. Außerdem gab er mir zu Überbrückung, bis zum 3.2.09, eine Packung Benzos.

Davon nehme ich jeden zweiten Tag eine Tablette.

Damit mein Zustand nicht noch schlechter wird.

Auch beim Frauenarzt war ich. Er merkte mir meine Verwirrtheit an und schrieb einen Bericht an meinen Psychater. Hoffentlich lässt sich dieser, überaus vorsichtige Mann, endlich überzeugen und hilft mir.

Am Montag gehe ich zum CT-für den Schädel und werde sehen was dabei rauskommt. Und dann werden wir weitersehen. Wenn hier nicht schnellstmöglich was passiert werde ich einen Anwalt einschalten.

Ich muss irgendwie versuchen mein Leben zu retten.

Werde weiterhin berichten.

05.02.2009

Es geht mir nach wie vor schlecht und bin jetzt im 11ten Monat des Entzuges. Habe sehr starke Stimmungsschwankungen,die so alle 3-4 Stunden wechseln.

Einmal euphorisch und dann zu Tode betrübt. Morgens ist mein Zustand am schlechtesten. Todesängste plagen mich und mein Gehirn lebt fast nur in der Vergangenheit. Es kommen mir Dinge in den Sinn die schon längst vergessen sind.

Nachts ist mein Gehirn hyperaktiv, pocht und krampft. Nervenzucken und Muskelverspannungen habe ich an allen Körperteilen. Das allerschlimmste sind nach wie vor diese schrecklichen Ängste.

Ich war beim Ct für den Schädel. Man konnte nichts feststellen, Gott sei Dank. Hatte allerdings vorher eine Tablette Remestan (Benzo-Schlafmittel) eingenommen, um wenigstens dort nicht herum zu zappeln und unkon- trollierte Dinge zu sagen.

Ein paar Tage später waren mein Mann (zur Sicherheit) und ich in der Psychatrie der Uni-Klinik Bonn. Dort trafen wir auf eine junge Ärztin, die überhaupt keine Ahnung hatte. Sie lief ständig, während des Gesprächs raus, um mit der Oberärztin Rücksprache zu halten. Nach langem hin und her konnten wir beide überzeugen das hier etwas passieren muß. Man schrieb einen Kurzbrief an meinen Psychater mit der Bitte ,Benzo`s wieder einzusetzen. Und zwar mit dem Hinweis das ich alle zwei Tage eine Tablette nehmen sollte. Und diese dann in den nächsten Monaten schrittchenweise runterfahre.

(Und das nur weil wir äußerst hartnäckig waren) Ohne Überzeugungskraft wären wir immer noch keinen Schritt weiter. Auch auf unseren Tipp hin, sie mögen sich doch einmal die Studie von Prof. Ashton aus Yorkshire(England) zu Gmüte führen, reagierte man nicht. Wir standen da wie blöd, nahmen den Brief in Empfang und verschwanden. (10 Minuten Gehör,für 4 Stunden warten).

Am nächsten Tag (mein Mann hatte sich wieder einmal Urlaub genommen) erschienen wir bereits um 7 45 Uhr beim Psychater. Er nahm alles in Empfang. Überpflog alles, kopierte alles und fragte tausendmal wie alles ver- laufen seie. Mein Mann und ich guckten uns an und kamen uns vor wie Idioten. Da hat der Mann alles vor sich liegen und macht keine Notiz davon. Wir haben immer wieder, alle beide, überzeugend auf ihn eingeredet. Letztendlich kam er dann zu dem Ergebnis das man mir die Benzo`s zu schnell abgesetzt hätte.

(Ohne meinen Mann, als Zeugen, hätte ich wieder dage standen). Also verschrieb er mir eine kleine Packung, mit 20 Kapseln, die ich alle zwei Tage nehmen solle. Außerdem wäre es wünschenswert einen Kalender zu führen, auf dem eingetragen wird wann und wie ich die Kapseln nehme. Den solle ich ihm dann nach 40 Tagen vorlegen. Und bis dahin hat er  das ganze längst vergessen. Denn der Mann ist total überfordert.

Leider keine Seltenheit in unserer heutigen Zeit.

Na ja, ich werde sehen wie ich also in den nächsten Tagen und Wochen klarkomme. Werde aber versuchen diesem Chema so gut es geht nicht zu folgen. Denn ich möchte nicht wieder in diesen Sog geraten. Und nur eine Pille schlucken wenn es unbedingt erforderlich ist.

Die Angst vor erneuter Abhängigkeit ist zu groß.

Und ab nächster Woche fasse ich mir Mut und gehe wieder zu Psychologin. Die hat aber wie so viele die ich konsultiert habe, in den letzten Monaten, kaum Erfahrung mit Benzodiazepanabhängigen.

Noch etwas wesentliches habe ich fast vergessen. Die Uni-Klinik hat auf meinen Rat hin Mirtazapin 15mg (Anti-
depressivom) für Abends verordnet. Das solle ich so lange nehmen (wenn ich es vertrage) bis der Entzug endgültig vorbei ist.

 Das wars für heute. Melde mich demnächst wie es  weiter gegangen ist.


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