Sucht Rückfall Gefahr
::: von "Franziska" :::
Ich bin jetzt 24. Vor 4 Jahren fing alles mit einem tragischem Autounfall an, im Sommer 2006, bei dem ein Mensch um das Leben gekommen ist. An einer Kreuzung stürzte hinter meinem Auto ein Motoradfahrer, durch seine erhöhte Geschwindigkeit konnte er nicht mehr bremsen und rutschte mit samt Maschine unter das Auto. Nach einer Woche kam dann die Mitteilung, dass der Motoradfahrer an seinen Verletzungen verstorben ist… Schock,
Nervenzusammenbruch, Chaos… Es gab viele Gespräche mit der Familie, Bekannten und Freunde. Nur die Last der „Schuld“ hab ich nie ablegen können. Konnte keine Nacht mehr ruhig schlafen. Erst waren es nur die Träume die mich sehr runter zogen, später verfolgten mich die Gedanken auch tagsüber. Meiner Ausbildung zur ex. Altenpflegerin viel mir immer schwerer, war dann auch oft krank.
Habe mich nach und nach vom Leben zurückgezogen. Mich kaum bei meiner Familie und Freunden gemeldet. Fing an mehr Alkohol zu konsumieren, nach einer geraumen Zeit dann täglich und nach und nach trank ich den ersten schlug gleich nach dem erwachen. Im Rausch ging es mir wieder gut. Die Gedanken und Träume an die Tragödie verblasten nach und nach, bis hin zur perfekten Verdrängung. Mir war es in dem Moment egal wie ich die Ausbildung abschließen würde oder wie es meinen Mitmenschen geht…mir ging es gut-dachte ich zu mindestens.
Aber in Wirklichkeit war gar nichts gut. Vor meiner Abschlussprüfung im Sommer 2007 fasste ich den Entschluss auf zu hören mit trinken, denn es konnte nicht so weiter gehen - das Geld war mehr wie knapp, ständig nur zuhause oder bei diversen Leuten abgehangen, habe so gut wie gar nichts mehr in meinem Leben auf die Reihe bekommen, mir ging es zeitweise noch schlechter im Suff. Jeden auch noch so wichtigen Termin ständig verschoben oder gar ganz abgesagt bzw. vergessen. Ich schaffte den kalten Entzug allein zuhause, hatte mir keine Hilfe geholt aus Scham. Es war eine harte und schwere Zeit, die viel Kraft gekostet hatte.
In meiner Zeit der Abstinenz von Alkohol fing ich wieder an das Leben zu leben, den Tag und das jetzt zu genießen in vollen Zügen. Am Anfang hegte ich keinen Gedanken an die Zeit des Unfalls. Es war alles wie vergessen. Nach einer geraumen Zeit kamen sehr schleichend die Träume und Gedanken wieder aus der Verdrängung zurück. Am schlimmsten war es im Winter 2007 als mir ein LKW ins Auto raste und meine komplette Motorhaube zerriss. Da waren sie wieder, ganz klar vor Augen.
Es folgten Tage und Wochen in denen ich nur geweint habe, mir Vorwürfe gemacht habe, die Schuld des Unfalls wieder bei mir suchte. Der extreme Suchtdruck war da. An arbeiten war in der Zeit nicht zu denken, ich zog mich von einem Krankenschein zum anderen.
Mein damaliger Freund unterstütze mich in jeder Hinsicht, baute mich wieder auf und bewahrte mich vor einem Rückfall. Die Bilder, Gedanken, Schuldgefühle, Vorwürfe etc. waren nie wirklich fort. Trotz allem fing ich nach paar Monaten wieder an zu arbeiten.
Ich wechselte ständig meinen Arbeitsplatz, war nervlich immer am Boden (der Beruf spielte da auch eine große Rolle mit). In einigen Nächten weinte ich mich in den Schlaf und wachte unter Tränen wieder auf. Nur das noch so kleinste brachte mich auf die Palme. Die Beziehung zu meinem Freund litt mehr als darunter-sie zerbrach daran.
Vor 2 ½ Jahren (2008) machte ich durch eine Freundin Bekanntschaft mit Cannabis. Sie meinte dass es mich runter bringen, beruhigen würde, dass es mir gut täte einmal Abzuschalten. Das stimmte, es war so. Mich hat nichts mehr so angehoben und die Gedanken des Unfalls, auch der Schmerz der Trennung waren in weite Ferne gerückt.
Es gefiel mir und ich hatte den Konsum im Griff. Der Schritt zum Crystal als „Muntermacher“ für die Party war nicht weit-in der „Anfangsphase“ nur am Wochenende gelegentlich. Nach geraumer Zeit lernte ich meinen neuen Freund kennen. Er gab sich nett, fürsorglich, hilfsbereit.
Versuchte mir bei vielem zu helfen-wie ein Freund halt sein sollte. Fehlanzeige. Er schlich sich nach und nach in mein Leben, wollte alles von mir wissen, jeden Schritt. Er beengte einen, lief mir nach um zu sehen was ich so treibe. Tauchte öfters bei meiner Arbeitsstelle auf und lauerte einen vor der eigenen Tür auf.
Ich wusste dass er konsumiert, aber als ich erfuhr dass er verkauft lernte ich noch eine andere Seite von ihm kennen-Gewalt. Nicht nur seelische Gewalt auch körperliche, am Ende schlug er auch meinen Kater. Die Beziehung war die Hölle. Als ich mich dann trennte, war es noch schlimmer. Ich suchte mir eine neue Wohnung aus Angst da er fast jeden Tag und auch in der Nacht Terror vor meiner Haustür verübte. …der Absturz war da…
Mein C Konsum stieg in kurzer Zeit ins unermessliche. Ich konsumierte täglich und erhöhte dabei immer öfters die Menge. Der Versuch Abstand zu gewinnen bzw. die Menge zu reduzieren scheiterte ständig, es führte höchstens noch zu mehr Konsum der chemischen Substanzen. Da ich es nicht ertragen konnte, die Gedanken und Gefühle wie sie wieder in mir hoch kamen aus meiner Vergangenheit…es war furchtbar.
Mein Leben war und ist ein reinstes Chaos, wie schon einmal. Nur viel schlimmer und kaputter. Mein Leben beherrschte die Droge Crystal. Ich würde noch nicht mal sagen dass ich ein Problem mit Cannabis hätte bzw. habe, trotz Gelegenheitskonsum.
Dezember 2010 fasste ich endlich den Entschluss mir Hilfe zu suchen. Am 3.1.2011 begann meine 4 wöchige, stationäre Entgiftung. In der Zeit ging es mir prima. Bei Problemen jeglicher Art war immer ein Therapeut oder ähnliches zur Stelle, Tag und Nacht.
Ich konnte meine Seele etwas leichter machen. Den Entzug spürte ich kaum, schenkte ihm kaum Aufmerksamkeit, da man ständig gefordert wurde an Therapien jeglicher Art. Nahm in der Zeit auch Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle auf, um den weiteren Weg zu meiner Abstinenz zum C abzuklären und sie zu sichern in Form von einer Reha.
Zum Ende hin der Therapie verspürte ich immer mehr ein Gefühl von Unwohlsein, die Angst davor wie es draußen weiter gehen würde. Am Tag meiner Entlassung war der Suchtdruck da, nach Chemie. Ich fühlte mich beschissen, hilflos und irgendwo allein. Obwohl ich es nicht so war. Bei jeder kleinen Stresssituation war das Verlangen da. Ich wollte stark sein und nein zum Konsum sagen. Fehlschlag.
In der ersten Woche nach meiner Entgiftung war der Druck so groß im Stress dass ich nicht nein sagen konnte. Es war ein Krieg der Gefühle und Gedanken in mir…ja oder nein…ich tat es.
In dem Moment des Rausches waren alle Sorgen wieder klein. Beim herunter kommen habe ich es bereut… Wenn mich jetzt jemand fragen würde ob ich es versprechen kann clean vom C zu bleiben, könnte ich keine Antwort darauf geben. Versprechen kann ich dies nicht, aber ich kann es versuchen… Das Aufhören ist leicht, aber nicht wieder damit an zu fangen ist das schwere am ganzen…
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