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Die Suchtbeauftragte der Bundesregierung hat Sonderglocke ein Lob für vorbildliches Engagement im Suchtbereich ausgesprochen. Der Orginalbrief als PDF: Suchtbeauftragte der Bundesregierung
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Polytox

::: von "Wonny" :::

Ich hatte schon immer sehr negative Gefühle mir selbst gegenüber. Schon als Kind dachte ich andere seien besser, wertvoller und erfolgreicher als ich.

Auch ich wollte irgendwann einmal geliebt sein. Mit 15 Jahren war ich dann verliebt, in einen Mann der 10 Jahre älter war als ich. Da ich noch sehr unreif und naiv war, nutzte er meine Unerfahrenheit aus.

Viel später wusste ich das dies nicht das ist, nach was ich suchte.

Ich hatte dann mit 17 Jahren einen anderen Freund. Mit !(bekam ich dann mein erstes Kind). Da ich wieder sehr an mir selbst zweifelte und ich der Meinung war nichts wert zu sein, entwickelte sich daraus eine krankhafte Eifersucht.

Dies zerstörte die Beziehung und die liebevolle Familie die ich mir immer gewünscht habe, war zerstört.

Ich zweifelte wieder an mir. Mit meinem Kind wurden mir viele Pflichten entzogen und keine Verantwortung zugetraut. Irgendwann hatte ich das Gefühl, als Mutter versagt zu haben. Ich baute mir einen kleinen Freundeskreis auf und habe gefallen am Feiern gefunden. Jedes Wochenende war ich jetzt feiern, wo es auch reichlich Alkohol gab.

Ich konnte aus mir heraus gehen. Niemand der mir sagte, ich sei zu blöd mein Kind zu erziehen. Ich genoss die Zeit sehr.

Irgendwann wollte ich dann doch wieder eine Familie sein.

Ich hatte dann auch wieder einen Partner. Mit 21 Jahren bekam ich dann mein zweites Kind.

Meine Selbstzweifel und die krankhafte Eifersucht wurden schlimmer. Das Gefühl versagt zu haben erdrückte mich. Da ich etwas ändern wollte, machte ich eine Verhaltenstherapie in einer Tagesklinik. Dort bekam ich ein Antidepressiva, dass meine Gefühlswelt völlig lahm legte.

Zu dieser Zeit häufte sich mein Alkoholkonsum.

Jeden Abend wenn meine Kinder im Bett waren, tröstete Ich mich mit einer Flasche Wein. Ich wusste nicht mehr wirklich wer ich bin. Doch ich gab mir jeden Tag einen Anlass zum trinken. Manchmal war es Belohnung, manchmal Frust, manchmal Entspannung und irgendwann war es nur noch Gewohnheit.

Die Beziehung ging drunter und drüber. Ich fühlte mich als Hausfrau und Mutter sehr einsam, und hatte auf einmal das Gefühl etwas im Leben zu verpassen. Ich gab meinen damaligen Freund die Schuld an meinen Gefühlen.

Irgendwann flüchtete ich mit beiden Kindern zu einen anderen Mann. Dort gab es öfter mal Partys und es kamen auch mal Kumpels vorbei. Es wurde viel Alkohol getrunken. Ich genoss das Partyleben. Ich war der Meinung, die Kinder nebenbei mit groß zu ziehen. Ich trank jeden Tag und hab auch gefallen am Kiffen gefunden.

Es war immer Alkohol und Cannabis da. Zu dieser Zeit konnte ich mir einen Abend ohne Alkohol gar nicht mehr vorstellen. Ich hab aber auch nicht darüber nachgedacht abhängig zu sein.

Mit den Kindern bekam ich es gar nicht mehr auf die Reihe. Man sah es den Kindern auch an.

Um meine große Tochter kümmerte sich dann meine Familie und die kleine ging zu ihrem Vater.

Ich genoss erstmal das Gefühl ohne Verantwortung.

Das Partyleben gefiel mir sehr. Und ich hatte Leute um mich die auch andere Drogen konsumierten. Wie Kokain und Ecstasy. Ich war immer der Meinung nie Chemiedrogen zu nehmen. Denn ich hatte viel zu sehr Angst an einer Überdosis zu sterben. Doch ich sah das diese Leute eine Menge von dem Zeug nahmen. Die Neugierde wurde immer größer. Ich dachte, eine kleine Menge würde schon nichts anrichten. So fand ich auch ganz schnell gefallen am Koksen.

Ich probierte dann einige Drogen aus. Wie zum Beispiel Speed, Ecstasy, Pilze und Crystal.

Die Neugier etwas Neues auszuprobieren wurde immer größer, die Angst wurde immer weniger.

Oft wenn ich meine Kinder sah, war ich sehr traurig.

Mir war schon manchmal klar, dass ich den falschen Weg einschlage. Doch mir fehlte die Kraft und der Mut und auch der Glaube an mich selbst.

Heute weiß ich, dass ich zu dieser Zeit schon abhängig war. Doch damals habe ich mich mit mir selbst noch nicht auseinandergesetzt und mich nicht mit Abhängigkeit und Sucht beschäftigt.

Jetzt gehörte Alkohol und Cannabis täglich zu meinem Leben.

In dieser Beziehung die ich nun hatte, drehte sich alles nur um Drogen. Es gab nur noch Zoff.

Ich war nicht nur von dem Stoff abhängig, sondern auch noch von meinem Freund, der die Drogen beschaffte. Denn arbeiten ging ich auch nicht. Zwischendurch lebte ich auch kurz auf der Straße. Ich schnurrte täglich um Geld, um mich zu ernähren und meine Sucht zu stillen. Es war eine harte Zeit.

Mein Freund nahm mich dann wieder auf.

Es war für mich erstmal wie im Paradies. Es war warm und ich konnte high sein ohne mich dafür zu bemühen. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll. Es war doch eigentlich Liebe, nach der ich suchte. Ich wollte mich also auch von diesem Mann trennen, da ich auch hier keine Geborgenheit spüren konnte.

Ich war der Meinung, wenn ich von diesem Mann weg bin, bekomme ich mein Leben in den Griff. Ich hör dann auf zu trinken und zu kiffen. Ich werd mir eine Arbeit suchen und das mit meinen Kindern wieder geregelt bekommen.

Doch als ich dann eine Wohnung für mich hatte, stand für jeden die Tür auf, da ich Ängste entwickelte, zu vereinsamen. Es kamen Menschen, die genauso waren wie ich. Menschen die ohne Alkohol kein Spaß haben konnten. Die Feierei ging weiter. Zwischendurch hatte ich dann nur mal so Zweckbeziehungen. Es waren nie Beziehungen mit Gefühl und Liebe. Mir ging es dabei nur um Geld und Drogen.

Psychisch hat mich dass sehr belastet, doch ich hab das zu der Zeit nicht so gesehen. Seit mehreren Jahren ritzte ich mich schon, doch ich konnte mir nicht erklären warum und weshalb.

Irgendwann, als ich so 26 Jahre alt war, machte ich mir doch mal Gedanken. Ich wollte doch nie so leben? Ich wollte doch eigentlich Mutter sein?

Ich hatte kein Bock mehr morgens aufzustehen und zu grübeln wie ich mir mein Stoff besorge. Ich hatte kein Bock mehr für Männer nur noch ein Objekt zu sein. Ich wusste, dass ich mein Leben ändern wollte. Doch ich merkte dass ich so weit weg war von der realen Welt, dass ich den Weg allein gar nicht wieder finden kann.

Ich war mir sicher, dass ich so nicht weiter leben möchte und machte mir meine Problematik bewusst. Mir wurde klar dass ich Alkohol und Drogenabhängig bin.

Ich stellte mich einer Suchtberaterin vor. Ich setzte mich immer mehr mit mir auseinander und hatte etwas Hoffnung.

2007 begann ich dann eine Langzeittherapie. Mir wurde vieles bewusst, vor allem was ich meinen Kindern angetan hatte.

Ich hab sehr viel geweint und kämpfte jeden Tag, denn ich wusste das ich diese Chance jetzt nutzen muss. Am Anfang war ich der Meinung es geht hier nur darum die Suchtstoffe einfach wegzulassen. Ich wollte auch ein paar mal abbrechen.

Doch irgendwann begriff ich es geht hier um mehr.

Es geht darum seine Einstellung zum Leben zu ändern. Sich selbst und andere Menschen zu achten und zu respektieren. Über Gefühle zu reden und für Probleme Lösungen zu finden. Nicht davon laufen wenn es mal schwierig wird. Denn daran wächst der Mensch, wenn er sich Herausforderungen stellt.

Mir war klar das man dass nicht in ein paar Wochen erlernen kann. Also zog ich die Therapie 6 Monate durch.

Ich bin jetzt seit 20 Monaten clean. Ich merke trotzdem dass es nicht so einfach ist mit Konflikten umzugehen. Doch ich weiß, ein Leben ohne Probleme gibt es nicht. Aber ich weiß auch für jedes Problem gibt es eine Lösung und wenn man mit anderen über seine Probleme reden kann, ist das Problem manchmal nur noch halb so groß.

Ansonsten habe ich wieder ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Ich habe meine Kinder über eine Suchterkrankung aufgeklärt. Sie können mir jederzeit Fragen stellen, die ich dann auch mit Ehrlichkeit beantworte.

Es ist mir wichtig, dass mir meine Kinder einmal vertrauen können, dass sie mir verzeihen und ich immer für sie da sein möchte, auch wenn sie nicht mit in meinem Haushalt leben. Arbeiten bin ich in einem Pflegeheim als Pflegehilfskraft. Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich hab dort auch schon viel Anerkennung bekommen.

Ansonsten gehe ich offen und ehrlich mit meiner Sucht um.

Ich kann nur jedem empfehlen, wer merkt ein Suchtproblem zu haben und es nicht allein zu schaffen, sich Hilfe zu suchen. Man sollte sich dafür nicht schämen, denn es gibt kein Grund dafür.

Ich bin stolz auf jeden Monat, den ich wieder geschafft habe.

Heute weiß ich dass mir einige Jahre durch meine Sucht verloren gegangen sind. Doch es ist wahrscheinlich meine Lebensaufgabe der Sucht stand zu halten. Also schau ich nicht zurück was ich verloren hab, sondern schau nach vorn, was ich noch erreichen kann.

Da ich interessiert bin anderen mit einer Suchtproblematik zu helfen oder mit Menschen Erfahrungen auszutauschen, möchte ich gern für jeden der Fragen hat oder etwas mitteilen möchte, zur Verfügung stehen.
Deshalb gebe ich meine E-Mail Adresse an

Wer Interesse hat mit mir in Kontakt zu treten, an:

Yvy.clean07@web.de

Habt Mut.
Kämpfen lohnt sich!


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