Co-Abhängigkeit
bearbeitet von Isabel
::: von "Charmeyn" :::
Mein Freund ist Abhängig (Kokain, Alkohol). Er hat schon des öfteren gesagt, daß er zuviel trinkt, etc. und er damit aufhören will. Wie ernst sein Wille wirklich ist, kann ich nicht sagen. Wir sind seit knapp einem Jahr zusammen und er hat seinen Sohn (heute 16) mit in die Beziehung gebracht. Ich liebe den "Lütten", wie ich ihn immer nenne, als wärs mein eigener.
Ende letzten Jahres fing es bei meinem Freund richtig an, schlimm zu werden! Die falschen Freunde, die auch noch gut an Ihm verdienen, haben es geschafft, daß der Lütte zur Familie seines Schulfreundes gezogen ist. Anfang Januar war mein Freund dann erst einmal eine Woche verschwunden. Hat bei ner Frau übernachtet, weil er sich in den Kneipen im Umkreis nicht mehr blicken lassen konnte oder wollte.
Warum er bis heute so gern (allerdings sporadisch) bei dieser Frau ist, ist mir klar. Keine Probleme, keine unbezahlten Rechnungen, etc. und man kann mit der ja so schön einen heben, was ich bei uns von anfang an ausgeschlossen habe. Mittlerweile, da wir nicht verheiratet sind, gibt es immer mehr Probleme.
Die Schule will das Jugendamt informieren, um den Lütten in ein betreutes Wohnen zu stecken. Dabei sind die Herrschaften von der Schule nicht mal in der Lage, mit mir, die bisher als "Elternteil" von der Schule anerkannt worden ist, zu reden, bevor sie solchen Mist in die Welt hinaus posaunen. Es ist richtig, daß es dem Lütten seit Januar immer wieder sehr schlecht ging (Migräne, Bauchschmerzen, Durchfall, etc.). Ich habe mittlerweile mit Ihm diverse Gespräche geführt und Ihn dazu bewegen können, Bachblüten - Notfalltropfen zu nehmen. Seit dem geht es Ihm zumindest körperlich gut. Allerdings ist der Kontakt zwischen Ihm und seinem Vater so gut wie zum erliegen gekommen. Wenn der Lütte was hat, kümmere ich mich darum.
Im Moment bin ich leider noch immer diejenige die den ersten Schritt nicht gemacht hat. Ich denke, ich muß meinen Mann erst vor die Tür setzen, bevor er merkt, daß sich was ändern muß. Und ich gebe zu, daß mir der Schritt alles andere als leicht fällt. Eigentlich müßte ich wahrscheinlich auch der Schulleitung freien Lauf lassen, aber ich kann leider nicht. Daß würde dem Lütten das Genick brechen, wenn sein Vater das Sorgerecht verliert oder er in ein betreutes Wohnen muß.
Mitte Januar ist mein Mann aufgrund von Tavor in Vebindung mit Alkohol ausgeflippt und hat einen Treser zerlegt. Leider wurde mir erst 14 Tage später bewußt, daß sich unter den ganzen Drogen und dem Alkohol auch noch eine schwere Depression verbirgt. Wäre mir das vorher aufgegangen, hätte ich damals gleich den Notarzt geholt. Vielleicht hätte ihn das zum Entzug bewegen können.
Ich habe Ihn aber dann zu meiner Psychiaterin geschleift, die hat dann eine schwere, rezidivierende (wiederkehrende) Depression festgestellt und Ihm Tabletten aufgeschrieben. Ich hatte Ihn hier zu hause dann auch etwa 2,5 Wochen clean bis seine falschen Freunde Ihn dann wieder angestachelt haben. An seinem Umfeld arbeite ich gerade, da werden, so wie es aussieht, einige der Menschen, die Ihn immer wieder mit der "Nase rein stucken" wohl bald verschwunden sein. Und die guten unter seinen Freunden, haben anscheinend den ernst der Lage verstanden und stehen hinter mir.
Nachtrag:
Mittlerweile haben wir Anfang April und es ist schon wieder einiges passiert. Er war vor einer Woche der Meinung er müßte mir Vorwürfe machen wegen seinem Sohn und der ganzen Misere. Das war anscheinend der Punkt, den ich gebraucht habe. Am nächsten Abend habe ich Ihm seine Koffer vor die Tür gestellt und Ihm mittgeteilt, daß ich nicht gewillt bin, mir so ein Schwachsinn weiter anzuhören. Ich glaube, damit hat er nicht gerechnet. Seine vernünftigen Freunde stehen nach wie vor hinter mir, was mir sehr viel bedeutet. Ich hatte die ganze Zeit angst ihn rauszuwerfen, weil ich davon ausgegangen bin, daß ich damit nicht nur Ihn verlieren könnte, sondern auch mein gesamtes Umfeld. Das ist zum Glück nicht geschehen. Bin dafür echt dankbar!
Ich bin mittlerweile vom Tavor® runter, daß ich im Januar bekommen habe und bin in ärztlicher Behandlung bei meiner Psychiaterin, denn auch bei mir hat sich durch den ganzen Mist ne Depression gründlich durchgesetzt. Anfänglich hat meine Ärztin es mit 20 mg Doxepin pro Tag versucht. Mittlerweile schlägt das Zeug endlich ein bissl an, allerdings bin ich auch längst bei 20 mg morgens und 100 mg abends. Von der hohen Dosis abends versuche ich jetzt langsam wieder runter zu kommen, da ich starke Probleme mit dem Kreislauf und dem Gleichgewicht habe. Das liegt allerdings auch an einer Vorerkrankung aus dem letzten Jahr.
Ich hoffe, daß mein Mann in den nächsten Wochen und Monaten die Möglichkeit nutzt, "aufzuwachen" und sich wieder um seinen Sohn kümmert. Vielleicht habe ich ja auch das Glück, daß er mich irgendwann vermisst und er zu mir zurück kommt.
Wenn es was neues gibt, schreibe ich die Geschichte natürlich weiter.
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