Co-Abhängigkeit
::: von "Jane" :::
Story: Co-Abhängigkeit
Ich möchte hier über Co-Abhängigkeit schreiben und wie schwer es ist für den Partner eines Abhängigen, Distanz und Durchblick zu kriegen, in wie weit Marihuana den gesamten Charakter eines Menschen bis zum absoluten Egoismus verändern kann. Ich bin inzwischen 34 Jahre alt. Mit 16 Jahren bin ich selber das erste mal mit Gras in Kontakt gekommen. Habe es jahrelang geraucht, mal mehr, mal weniger, aber Gott sei Dank, nie eine wirkliche Abhängigkeit entwickelt, die es mir unmöglich macht, aufzuhören oder lange Pausen einzulegen. Dann wurde ich schwanger mit 24 J. , bekam meine Tochter und es war erstmal ganz Schluss mit kiffen.
Als die Kleine größer war und ich mal wider hier und da auf Partys oder einschlägigen Kiffer-Discos in HH unterwegs war, gab‘s hier und da wieder mal eine Tüte... Jetzt bin ich seit 2 Jahren mit einem Schwerstabhängigen Marihuana-Konsumenten zusammen. Da ich selber nie Probleme mit Konsum hatte, wollte ich das Stadium der Sucht erst bei ihm nicht so erkennen. Hab mich schon gewundert, warum er manchmal so Schweißausbrüche bekam, wenn wir tagsüber unterwegs waren, was zu erledigen hatten, habe das aber nicht so einordnen können.
Mein (Ex-) Freund ist Türke und, 29 Jahre alt und kifft seit seinem 13.Lebensjahr. Er hat früh angefangen auf der Straße rumzuhängen und mit Leuten abzuhängen, die ihm ein Gefühl von Familie vermitteln konnten, was er zu Hause, auf Grund schwerster Gewaltausbrüche seines Vaters gegenüber der Mutter und auch den Kindern, nie hatte.
Dann lernte er ein Mädchen kennen, die aus eben solchen extremen Verhältnissen kam, schnell waren drei Kinder gezeugt ab dem 17. Lebensjahr, er wurde immer auffälliger durch Gewaltexzesse, Anzeigen wegen Körperverletzung etc. Dann folgte Jugendknast, später dann der richtige Knast.
In der zeit zog seine Freundin es vor, mit seinem Bruder in die Kiste zu hüpfen, mit einem seiner Kumpel, etc. War zu der Zeit u.a. auch gut auf Trips usw. Naja. Vor 5 Jahren ist er dann nach knapp zweijähriger Haftstrafe rausgekommen, das alles lief irgendwo in NRW ab. Dann holte ihn ein Bruder nach Hamburg, um ihm seinem Umfeld zu entziehen und hier traf ich ihn dann durch seine Schwester, eine Nachbarin. Da ich selber durch meine Kindheit Suchtgeprägt bin, Vater Alkoholiker, Stiefvater Alkoholiker und auch selber geraucht habe, hab ich wohl nicht die Skrupel, die ein "normaler" Mensch hätte, wenn er offensichtlich sieht, dass ein Mensch am helllichten Tag total zugedröhnt ist und sein Standardgetränk dazu Bier.
Am Anfang war alles fein, man hat mitgeraucht, hatte guten Sex, war verliebt, ließ hier mal einen 20er wachsen, da mal einen 50er geliehen, bis ich nach ein paar Monaten da saß und mich fragte, Hallo, Du bist eine alleinerziehende Mutter, gehst arbeiten in Vollzeit, der kriegt Hartz-4, trotzdem hast Du auch nicht mehr als er und dann zieht er Dir noch das Geld aus der Tasche.
Naja, seit gut 1,5 Jahren versuche ich ihm seine Sucht aufzuzeigen, er hat auch als Bewährungsauflage, Therapie zu machen. Vor einem Jahr hat er tatsächlich auch mal 4 Monate aufgehört... ich hab schon die Glocken im Himmel gehört, dann sind wir Silvester in sein Kaff in NRW gefahren, zu seinem Bruder, der was mit der Ex hatte, der auch exzessiv Drogen nimmt, und Schwups war er wider richtig zu, schön Bong geraucht. Mein Silvester war gelaufen, es kamen nur noch Aggressionen von seiner Seite, ich nur am heulen zwischen der ganzen türkischen Familie.
Bis jetzt hat er es nicht geschafft, seine alte Therapiestelle hat ihm die weitere Zusammenarbeit versagt, da er sich da einfach ein halbes Jahr nicht blicken lassen hat.
Was mir am meisten auf den Keks geht sind:
- -seine Panik-Attacken und Verfolgungswahn / Halluzinationen
- -Eifersucht (wen ich hier schon angeblich alles in meiner Wohnung hatte, einmal saß er sogar eine Stunde vor meiner Tür und weil die Waschmaschine lief, ich war gar nicht da, will er mir bis heute unterstellen, ich hatte einen Kerl dagehabt und da lief was...), ein anderes Mal behauptete er, er hätte von Draußen gesehen, dass ein Mann bei mir unter der Dusche stand...(war nie der Fall..)
- -seine Gleichgültigkeit in Bezug auf meine Gefühle
- -sein Egoismus, hat er Geld, denkt er nur an sich, Hartz-4 ist nach 3 Tagen alle und dann soll ich ihn wieder mit versorgen
- -seine zusätzlich oder aus der Drogensucht resultierende Spielsucht, er versucht täglich über Fußball-Wetten Geld reinzuholen, was er nicht hat und was auch selten mit Erfolg gekrönt ist (dazu: ich finde es erschreckend, wie viele Südländer in den Wettbüros abhängen und teilweise den Familienetat eines ganzen Monats dort verprassen, wo ich mich immer Frage, wo denn da die Ehre ist, wenn der Mann nur abhängt und nichts gebacken kriegt, eigentlich sollte der Mann die Familie ernähren...)
- -seine Rücksichtslosigkeit
- -seine Wünsche in Bezug auf meine persönliche Unterwerfung, in alltäglicher aber auch sexueller Hinsicht, denen ich beim besten Willen nicht folgen kann und wir deshalb alle 3 Tage Streit haben.
Ich denke manchmal, ich bin selber psychisch Abhängig von ihm und komme nicht los, viel Raum für Liebe bleibt da nicht, was ist es, mein Helfersyndrom, was mich bei ihm bleiben lässt. Jetzt bin ich auch noch im 6. Monat schwanger und er redet plötzlich davon, dass ich ihm da Kind unterschiebe… schon klar... nach 2 Jahren Beziehung und er wusste von Anfang an, dass ich noch gern ein Kind hätte, ich nicht verhüte.
Naja, bin mit meinem Latein am Ende, würde mich freuen, hier Jemanden zu treffen, der in einer ähnlich beschissenen Beziehung steckt und den Absprung nicht schafft. Meine Ärztin, die auch Psychologin ist, sagt mir, ich versuche künstlich wieder die Situation meiner Kindheit herzustellen, weil mein Vater mir nie die Liebe gegeben hat, die ich brauchte und er seine Sucht nie besiegt hat (ist mit 56 J. an Herzversagen gestorben, auf Grund jahrelangen Alkoholkonsums). Damit versuche ich diese Situation mit meinem Freund zu überwinden, was ich aber nie schaffen werde, weil so wenig Leute den Absprung schaffen und sich wirklich ändern.
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