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Bulimie

::: von "Kessy" :::

Ich wurde in der damaligen DDR geboren. Im frühen Alter wurde ich meiner Mutter, zu welcher ich eine starke Bindung hatte , entzogen und kam zu Adoptiveltern. Diese lebten die DDR so wie es sein sollte und Schläge standen da an der Tagesordnung schon beim kleinsten Vergehen.

Dann kam die Wende und wir zogen nach Bayern. Viele Freunde hatte ich in der Schule nicht, das lag alleine schon daran das ich aus dem Osten stammte. Meine Adoptiveltern führten konsequent den gleichen Erziehungsstil wie früher weiter. Es war im Osten nicht üblich das, dass Kind einen Haustürschlüssel besaß, da dort immer wer da war der auf die anderen Kinder mit aufpasste. So war es aber im Westen nicht.

So saß ich jeden Tag Stundenlang vor der Tür und wartete das wer kam ohne Essen ohne trinken. Ich wurde älter und mit 10 Jahren wurde mir gesagt das sie nicht meine Eltern waren und ich sie nicht mehr Vater und Mutter nennen durfte. In mir brach eine Welt zusammen. Ich wusste nicht damit umzugehen und fing zu diesem Zeitpunkt an meinem Körper schmerzen zu zufügen um zu spüren das auch ich noch Schmerz fühlen kann.

Mit 12 Jahren kam ich in die Pubertät. Ich las die Bravo und interessierte mich auch sonst für Sachen die für ältere Jugendliche waren. Ich fing heimlich das Rauchen und den Alkoholkonsum an. Mit 14 war ich fast gar nicht mehr zuhause. Da mir dort immer wieder mit Schlägen signalisiert wurde du bist hier nicht willkommen. Irgendwann reichte es meinem Adoptiv-Vater nicht mehr mich " nur" mit der Faust zu schlagen, er nahm Gegenstände wie Glasflaschen, Stühle Porzellangegenstände und ab und an warf er mir auch ein Messer hinter her.

Ich hatte nur noch Angst. Ich hatte in der Pubertät ein wenig zugenommen, wog bei 1,69m 62 Kilogramm. Mein Adovater meinte nur das sind keine Beine mehr das sind Elefantenstampfer, ich sei Fett und solle abnehmen. Dies tat ich mit einer Nulldiät. Ich sah den Erfolg und hungerte weiter bis ich zusammenbrach.

Dann aß ich eine Kleinigkeit um den Kreislauf wieder hoch zu bekommen und hungerte wieder. So wog ich irgendwann nur noch knapp 51 Kilogramm und war glücklich.

Meinen Adovater interessierte meine Qualen nicht, er schloss die Küche ab, das ich nicht auf den Gedanken kommen würde seine Sachen die er bezahlt hatte anzufassen. Sie bekamen damals 220 DM Kindergeld wovon ich die Hälfte bekam. Dies musste für Essen, Schulsachen, Hygieneartikel und allem anderen reichen. Da ich eben Schulsachen brauchte gab ich das Geld dafür aus und nur 2-3 mal in der Woche für eine Kleinigkeit zu Essen. Mein Körper gewöhnt sich schnell dran und verlangte auch bald nicht mehr.

Irgendwann lernte ich 2 Jungs kennen. Sie sahen toll aus und waren Mitte 20. Sie hatten ein Auto und waren auch sonst sehr relaxt drauf. Ich vertraute ihnen. Eines Tages machten wir einen Ausflug und fuhren anschließend zu ihnen nach Hause. Ich sah dort Kinder im Haus herum laufen und machte mir keine weiteren Gedanken. Es war schon Abend und daher dunkel draußen. Ich saß auf dem Sofa , beide kamen rein und schlossen die Tür.

Dann hörte ich nur noch das Türschloss und ich hatte ein großes Problem. Der andere löschte das Licht aus und ich saß in der Falle... es ist schwer darüber zu schreiben und jeder weitere Satz wird schwerer. Ich saß im dunkeln auf dem Sofa .. beide kamen zu mir und dann passierte es...

Mir gefühlte Stunden später stand ich völlig verwirrt und verzweifelt auf der Straße und dackelte nach Hause. Wie ein Film lief in mir alles ab und ich war den Tränen nahe, konnte aber nicht weinen. Zu viele Tränen hatte ich in meiner Kindheit geweint. Ich behielt alles für mich bis auf einmal ein Polizist vor meiner Tür stand.

Dann musste ich alles wieder und wieder erzählen, bis es 1 Jahr danach vor Gericht ging. Ich erzählte dem Richter alles, und alles was er tat, er lachte. Er kugelte sich auf seinem Stuhl hin und her und lachte mich aus. Natürlich bekamen die 2 Freispruch, Grund wer so blöd ist und mit denen beiden mitgeht hatte es nicht anders verdient.

Beide waren nicht Stadtbekannt und hatten auch keine Vorstrafen. Ich versuchte alles zu verarbeiten in dem ich weiter meine Nulldiät einhielt und mir immer wieder Wehtat um zu Spüren das ich noch am Leben bin. Meine Adoptiveltern sagten nur, tja dein Pech, interessiert uns nicht.

Ich war in einem sehr tiefen Loch und fing an mir mit Klingen die Arme auf zu ritzen. Das Blut welches so warm über meinen Körper lief machte mich glücklich und ließ mich für diesen Moment all den Schmerz vergessen. Bis heute kann ich keine Gefühle mehr zeigen, ich lache ab und zu, weine gar nicht mehr. Ich habe versucht mich Therapeuten an zu vertrauen aber kurz vorher bekam ich kalte Füße und sagte jeglichen Termin ab.

Ich bin zwar glücklich verheiratet aber auch mein Mann muss leiden in dem Sinne das ich es nicht ertragen kann länger als 5 Minuten angefasst zu werden. Regelmäßig kommen die Phasen wieder in dem alles in mir zusammen stürzt und alles wieder anfängt, Schmerz, Nulldiät oder Bulimie. Mir selber fehlt inzwischen die Kraft um den Kampf aufzunehmen. Doch möchte ich allen anderen den Mut machen, dass sie es versuchen sollen davon weg zu kommen.


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