Alkoholproblem
::: von "Wildblume" :::
Ich bin 27 und habe ein Alkoholproblem. Mein Problem besteht schon seit ca. 7 Jahren und ich glaube das niemand es richtig ernst nimmt. Ich trinke nicht jeden Tag aber wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann muss ich einsehen das der Alkohol eine viel zu große Rolle in meinem Leben spielt.
Ich komme aus einer Familie in der die Flasche Wein am Abend und der Cognac am Nachmittag total normal sind. Meine Stiefmutter war Alkoholikerin und fand durch diese Erkrankung früh den Tod.
Angefangen hat das Trinken mit ca. 14-15 Jahren. Ich war früher sehr schüchtern und 1 oder 2 Bier lockerten mich so herrlich auf. Endlich konnte ich auf Menschen leichter zu gehen. Ich weiß noch, wie ich für mich diese Wirkung entdeckte und wie froh ich war den Alkohol gefunden zu haben. Ich trank trotz allem in Maßen, richtige Abstürze hatte ich selten.
Mit ca. 20 kippte es allerdings. Ich hatte eine sehr traumatische Liebesbeziehung erlebt und fing mit meiner Ausbildung an. Diese belastete mich sehr. Ich arbeitete im psychiatrischen Bereich und bemerkte sehr schnell, das ich dieser Aufgabe nicht gewachsen war. Aufhören wollte ich aber um keinen Preis, meine Familie saß mir im Nacken und ich wollte mir keine Blöße geben.
Ich fing an Abends regelmäßig Bier oder Wein zu trinken, teilweise fiel ich in schwere Depressionen mit Suizidgedanken. Ich wollte aufhören zu trinken aber es ging nicht. Ich hatte früher immer gute Vorsätze einhalten können, eine bestimmte Zeit aber in dieser Lebensphase ging es nicht. Ich habe mich nie zur Bewusstlosigkeit getrunken, bin eher der Pegeltrinker.
Diese Zeit ist in meiner Erinnerung verschwommen, ich hatte 20 kg. zugenommen und trank nun fast jeden Abend. Irgendwie schaffte ich das Examen und hatte mir fest vorgenommen danach alles zu ändern, aber es ging nicht. Ich hatte schwere Ängste und bekam mein Leben überhaupt nicht in den Griff. Was ich bis heute nicht verstehe ist, das meine Familie die Tragweite meiner Probleme nie erkannt hat, bis heute nicht.
Ob ich so eine gute Schauspielerin war? Niemand hat mir je Hilfe angeboten, das hätte ich mir so sehr gewünscht, wo sie doch immer alle sagen, dass sie mich lieben. Heute ist es so, dass mir völlig bewusst ist das ich Alkoholikerin bin.
Fakt ist nämlich, ich kann schlecht aufhören. Habe mir neulich im Restaurant zum Essen ein Bier bestellt, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte nicht zu trinken, aber die gemütliche Stimmung, heute noch einmal usw. Dann bestellte ich ein zweites, fuhr nach Hause und trank noch drei. Genau das meine, ich kann es schlecht dabei belassen. Oder ich war auf einer Tanzveranstaltung, wollte nichts trinken dann sagte ich mir 1-2 Bier sind ok. Ich trank 2 Bier und drei Wodka- Cola. Ich bin dann nicht total besoffen aber ich tue das obwohl ich es nicht will.
Nun will ich den Schritt machen zur richtigen Abstinenzlerin denn ich weiß, ich kann nicht in Maßen trinken, es geht nicht. Ich überlege auch oft, ob ich überhaupt weggehen soll, damit ich nicht trinke. Dabei muss ich raus und mich dem Leben stellen. Körperlich bemerke ich es auch, darf eigentlich gar nicht trinken weil ich starke Allergikerin bin. Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, nur noch heute, nur noch das eine Mal...
Ich habe es satt, ich will frei sein, mein Leben selbstbestimmt Leben, Menschen wirklich begegnen, nicht aufgelockert durch den Suff. Keine Droge der Welt soll mich fesseln!
Kommentar Sonderglocke:
"Fakt ist nämlich, ich kann schlecht aufhören", dass, werte Wildblume ist das trügerische am Alkohol. Zunächst stolpern wir vom Genuß zur Gewohnheit und ehe wir uns versehen stecken wir mittendrin in der Sucht. Alles geschieht ganz schleichend und wir werden uns erst beim genaueren Hinsehen bewußt (wenn überhaupt), dass wir tief im Schlamassel sitzen.
Doch wo solch ein Wille ist "Keine Droge der Welt soll mich fesseln" hat die Sucht auf Dauer keine Chance.
So wie Du Deinen Körper an den Alkohol gewöhnt hast, so will er nun wieder entwöhnt werden. Wenn Du Fragen hierzu hast wende Dich einfach an die nächste Suchtberatungsstelle.
Bei Dir sehen wir die größte Schwierigkeit in der relativ geringen Menge Alkohol, die Du momentan noch konsumierst. Verstehe uns nicht falsch: auch das ist schon viel zu viel, aber Du benötigst NOCH keine Flasche Vodka um den Tag zu beginnen. Dies geschieht vermutlich erst im nächsten Stadium, dann wirst Du auch nicht mehr in der Lage sein einer geregelten Tätigkeit nach zu gehen.
Solltest Du Dich für einen Entzug bzw. eine Therapie entscheiden, wirst Du Dich danach wundern welch neue Glücksgefühle auf Dich warten. Diese sind schöner und mächtiger als der größte Kick, den Alkohol einem zu geben vermag. Wenn Du es wagst wirst Du mit Sicherheit gewinnen :-)
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