Co-Abhängigkeit
::: von "Claudi" :::
Mein Sohn nimmt seit mind. 4 Jahren Drogen (Haschisch, Speed, etc.) und ich habe es lange nicht wahrhaben wollen. Bei der Scheidung war er 12, das Mädchen 10, und wir hatten es alle nicht leicht. Ich musste wieder arbeiten, die Kinder waren viel alleine. Aber irgendwie hat alles funktioniert, die beiden sind alleine aufgestanden und zur Schule gegangen. Ich war sehr stolz auf sie.
Irgendwann merkte ich, dass der Junge sich veränderte, dass er fast nur noch "draußen" war, nur noch das nötigste für die Schule tat und immer öfters Kumpels bei ihm waren oder er bei Kumpels übernachtete. Irgendwann (ca. mit 16) fand ich die erste Bong in seinem Zimmer.
Kommentar: Ist doch harmlos, macht jeder. Und das bisschen Gras da drin ist nicht schlimmer als Zigaretten.
Ich hab mich einlullen lassen, z. T. weil ich genug andere Sorgen hatte, zum Teil aus Angst vor Konsequenzen.
Mit 16 ist er dann zweimal mit einer Tüte erwischt worden, es folgten Ermahnungen und eine polizeiliche Vorladung.
Versprechen: Ich bleibe brav, da ich eine gute Lehre machen will.
Im ersten Lehrjahr lief auch alles super. Die gelegentliche Bong habe ich nicht ernst genommen - da doch ganz harmlos ist.
Dann ging's los: Morgens nicht wachwerden, in aller Frühe Riesenrandale mit Treten und Boxen und Demolieren, aber trotzdem pünktlich zur Lehrstelle.
Einmal hab ich den Notarzt gerufen, weil er erst tobte und dann heulte (Keiner hilft mir, Ich bring mich um).
Eine stationäre Behandlung wollte er aber auf gar keinen Fall machen, damit der Chef bloß nichts mitkriegt und ihn vielleicht rausschmeißt. Lieber lässt er die Finger von all dem Zeugs...
Einige Zeit später riefen die Nachbarn wegen dem täglichen morgendlichen Krach die Polizei, der Junge ging einmal zum Psychologen.
Reaktion: der bringt mir doch auch nichts, geh kein 2. Mal dahin.
Kurz darauf folgte die Wohnungskündigung. Hier bin ich zum 1. Mal hart geblieben und hab auf 2 neue Wohnungen bestanden, damit die Tochter und ich endlich mal etwas zur Ruhe kommen konnten. Ich hatte dem Jungen aber versprochen, ihn mit Essen zu versorgen. Von seinem Lehrgeld blieb nach Abzug der Miete, Strom etc. wirklich nicht mehr viel über. Staatliche Hilfe bekam er ja nicht (unter 25 Jahren) und dem Vater ging alles am A.... vorbei (wie schon während der Ehe).
Der Sohn ging regelmäßig zur Arbeit. Jetzt demolierte er aber seine Möbel und nicht mehr meine. Ganz langsam reduzierte er die Drogen, oft genug kam es aber noch zu deftigen Szenen mir gegenüber, weil ich ihm ja nicht "helfen würde" und er immer alleine da stünde. Da ich mich ihm gegenüber - immer noch - sehr schuldig fühle, springe ich auch heute noch viel zu schnell. Erst tobt er rum, es kommen massive verbale Angriffe auf mich, die wirklich unter die Gürtellinie gehen, und anschließend der Zusammenbruch mit Tränen. Wenn er sich dann so ausgetobt hat, ist er wieder der liebe hilfsbereite Sohn, wie ich ihn von früher kenne.
Er hat seine Gesellenprüfung mit Erfolg bestanden und ist seit ca. 4 Wochen clean. Ich hoffe sehr, dass es so bleibt, und dass der Junge jetzt lernt, das Probleme auch ohne Sich-Wegdröhnen gelöst werden und das Leben auch ohne Drogen schön - wenn auch manchmal schwer - ist.
Und ich muss lernen, endgültig "loszulassen", denn er ist doch ein erwachsener Mensch. Und das Ziel jeder Mutter ist doch, dass die Kinder selbständig ihr eigenes Leben leben. Ich muss lernen, dass ich nicht immer überlege wie ich ihm helfen kann, sondern endlich mal an mich und meine Tochter und meine neue Partnerschaft denke. Es ist sehr schwer.
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