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Sonderglocke Spezial: Sucht auf Rezept
Industrie kauft Expertenmeinungen und Selbsthilfegruppen

arznei-telegramm: Industrie kauft Expertenmeinung

Bremer Pharmakologe sieht große Einsparpotenziale bei Medikamenten - Pharma-Marketing korrumpiert Ärzte, Wissenschaftler und Patienten

25. Oktober 2002 - Berlin: Der klinische Pharmakologe Professor Peter Schönhöfer sieht erhebliche Einsparpotenziale bei Medikamenten. In einem Interview mit verdi.de sagte der frühere Institutsleiter am Bremer Zentralklinikum, wenn auf die Verordnung von Scheininnovationen verzichtet würde, könnten die Kassen pro Jahr 3,5 Milliarden Euro einsparen. Schönhöfer ist Mitherausgeber des "arznei-telegramm".

Derzeit geben die Gesetzlichen Krankenkassen rund 21 Milliarden Euro pro Jahr für Medikamente aus. Die Hälfte geht an die Industrie, den Rest verschlingen die Steuer, der Handel und der Apothekenvertrieb. Scheininnovationen sind Medikamente, die neu auf den Markt kommen, für den Patienten aber keinen Zusatznutzen bergen.

Schönhöfer verwies darauf, dass die Pharma-Industrie jährlich etwa vier Milliarden Euro für Marketing ausgibt: Unter anderem für gesponserte und so gesteuerte Ärztefortbildung sowie die Unterstützung von Selbsthilfegruppen. Außerdem würden Wissenschaftler unterstützt: "Die Industrie kauft sich so scheinbar unabhängige Experten. Doch unabhängig können solche Experten nicht mehr sein." Schönhöfer plädierte für mehr unabhängige, vom Staat bezuschusste Forschung. Ferner müsse eine Kultur der Kritik gefördert werden.

verdi.de - Interview

verdi.de: Die rot-grüne Koalition will bei den Medikamenten sparen. Ist dies möglich, ohne dass die Qualität der Versorgung leidet?

Schönhöfer: Das ist möglich. Die Gesetzlichen Krankenkassen geben derzeit im Jahr rund 21 Milliarden Euro für Medikamente aus. Würden allein Scheininnovationen nicht mehr verordnet, würden die Kassen mehr als 3,5 Milliarden Euro pro Jahr sparen.

verdi.de: Was ist mit Scheininnovationen gemeint?

Schönhöfer: Es werden Abwandlungen von Wirkstoffen, die bereits auf dem Markt sind, als teuere Neuentwicklungen in den Markt gedrückt. Die Kosten für die Behandlung werden so gravierend - nämlich zwischen dem Dreifachen und dem 15fachen - erhöht, ohne dass der Patient einen Zusatznutzen hätte.

verdi.de: Können Sie das Ausmaß solcher Scheininnovationen beziffern?

Schönhöfer: Jährlich werden von der Pharma-Industrie etwa 40 neue Wirkstoffe als vermeintliche Innovationen auf den Markt gebracht. Echte Innovationen, die die Therapiemöglichkeiten in der Medizin bedeutsam erweitern, sind aber seit 1990 exakt nur vier neue Wirkstoffe. Bei drei weiteren Stoffen wurden echte therapeutische Fortschritte nicht durch die Pharma-Industrie, sondern durch klinische Forschung gemacht, das heißt es wurde erkannt, dass die Stoffe auch bei anderen Krankheiten als der, für die sie entwickelt wurden, wirken. Also sieben Innovationen in zwölf Jahren. Im gleichen Zeitraum wurden aber 480 neue Stoffe als Scheininnovationen auf den Markt gebracht.

verdi.de: Scheininnovationen sind also eine Lizenz zum Gelddrucken?

Schönhöfer: Das nicht, denn nicht alle setzen sich am Markt sich durch. Solche Produkte sind aber der immer Versuch, die Kosten für die Therapie zu erhöhen, ohne dass entsprechend auch die Qualität der Versorgung verbessert wird. Die Firmen verdienen mehr, die Kassen müssen mehr zahlen und der Patient hat keinen Vorteil, aber er muss die Kosten tragen. Mit Scheininnovationen zockt die Pharma-Industrie die Kassen und damit die Versicherten ab.

Die Lizenz zum Gelddrucken ermöglichen das herstellerfreundliche Arzneimittelgesetz und die Zulassungsbehörden: In Deutschland werden Medikamente zugelassen, wenn der Hersteller nachweist, dass das neue Arzneimittel etwa so wirksam und sicher ist wie die anderen auf dem Markt. Es muss keine therapeutische Verbesserung sein. Und so kommen jede Menge Medikamente auf den Markt, deren Molekülaufbau oder Wirktyp gegenüber dem bisherigen Präparat ein wenig verändert wurde - sonst nichts.

verdi.de: Stimmt es, dass viele Mittel auch nicht langzeitgetestet sind?

Schönhöfer: Leider ja. Medikamente, die über Jahre hinweg eingenommen werden sollen, müssen vor der Zulassung auch über mindestens fünf Jahre hinweg getestet werden, bevor sie zugelassen werden. Früher war das auch der Fall. Heute ist das unter dem Druck der Pharma-Lobby aufgegeben worden. Es fehlen Studien, wie sich die Einnahme eines bestimmten Stoffes über Jahre hinweg auswirkt.

Beispiel Glitazone. Diese Stoffe sollen die Wirkung von Insulin bei Diabetikern verstärken. Doch sie bewirken auch, dass die Patienten zunehmen. Das aber ist das Verhängisvollste, was Diabetikern passieren kann, denn Übergewicht verschlimmert den Diabetes und fördert Diabetesfolgeerkrankungen. Oder Kunstinsuline, die von den Herstellern seit einiger Zeit mit Macht in den Markt gedrückt werden und wesentlich teurer sind als die gängigen Humaninsuline. Es besteht der Verdacht, dass sie die Folgeerkrankungen von Diabetes - wie den diabetischen Fuß, Blindheit, Herzinfarkt oder Schlaganfall - fördern.

Es sieht so aus, dass es der Pharma-Industrie gelungen ist, sich die Zulassungsbehörden zu ihren Handlangern zu machen. Nicht nur die Behörde in Deutschland, sondern vor allem die entsprechende EU-Behörde EMEA. Sie betreibt mit der Arzneimittelzulassung anscheinend nur noch Wirtschaftsförderung - auf Kosten des Patientenschutzes. Dazu passt dann auch, dass die europäische Behörde Fachkreisen und Patienten Auskünfte über Arzneimittelrisiken und Nebenwirkungen verweigert. Die Fragesteller wurden mit dem Hinweis abgespeist, dies seien vertrauliche Daten des Herstellers. Eine sachgerechte Patienteninformation wird so von der EMEA nicht nur unzureichend gewährleistet, sondern aktiv verhindert.

verdi.de: Es werden auch alte Mittel schlicht neu zu gelassen und als neue Mittel angepriesen?

Schönhöfer: Genau - dabei ist nur eines neu, nämlich der höhere Preis. Zum Beispiel Akatinol Memantinel, eine Mittel gegen Hirnleistungsstörungen im Alter. Das Mittel war schon vor 1976 im Handel, ist somit eine typische Altlast des deutschen Arzneimittelmarkt. Dem Hersteller gelang es bis heute nicht, überzeugende Daten für eine Zulassung nach geltenden Kriterien in Deutschland vorzulegen. Da aber das Mittel schon so lange auf dem Markt ist, durfte es weiter verkauft werden. Für die EU erteilte die EMEA jetzt eine Zulassung, ohne dass überzeugende neue Daten zur Wirksamkeit vorgelegt wurden.

Die herstellerfreundliche Entscheidung der EMEA ist sachlich nicht nachvollziehbar, denn bei Akatinol handelt es sich um nichts anderes als um einen Schnellmacher, der die Patienten für kurze Zeit wacher macht. Wenn zuviel gegeben wird, kommt es zu Unruhe, Erregung und Psychosen wie bei einem Aufputschmittel.

Eine Nutzen hinsichtlich des Verlaufs und der Schwere von Hirnfunktionsstörungen im Alter oder der Alzheimer'schen Erkrankung ist nicht bewiesen. Aber die Zulassung hat die Therapie enorm verteuert, und das war wohl auch der Zweck der Übung: Bis Juli 2002 kostete die monatliche Behandlung 81 Euro, dann 142 Euro. Es handelt sich bei dem Medikament somit um eine Scheininnovation, wie sie im Buche steht. Und solche Mittel gibt es viele auf dem deutschen Markt. Im jüngsten Arzneimittelreport wird es dokumentiert: Es gibt in Deutschland eine Menge Präparate, die keinen therapeutischen Nutzen haben. Und es gibt jede Menge Scheininnovationen, die nur auf den Markt gebracht werden, um den Preis der Medikamente nach oben zu drücken.

verdi.de: Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit der Pharma-Industrie und der Ärzte ein? Wie eng ist die Verzahnung zwischen den beiden Gruppen?

Schönhöfer: Enger als es den Kassen, den Versicherten und den Patienten lieb sein kann. Man muss Folgendes bedenken: Die Pharma-Industrie nahm im Jahr 2000 in Deutschland etwa zwölf Milliarden Euro ein. 1,3 bis 1,8 Milliarden gab die Industrie für die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente aus. Für Marketing dagegen machte sie 3,8 bis 4,5 Milliarden Euro locker, für die so genannten Anwendungsbeobachtungen allein schon mindestens 750 Millionen Euro.

verdi.de: Was ist mit Anwendungsbeobachtung gemeint?

Schönhöfer: Der Arzt soll die Anwendung eines neuen Arzneimittels beim Patienten für den Hersteller beobachten und dokumentieren. Das klingt nach Wissenschaft, nach Analyse, ist aber wissenschaftlich gesehen meist nutzlos. Man könnte es Verordnungskauf mit verschleierter Provision nennen. Bei der Anwendungsbeobachtung bekommt der Arzt pro Patient, den er auf eine bestimmtes Medikament einstellt, 100 oder 200 Euro - angeblich für den Aufwand, den der Arzt bei der Dokumentation des Falles hat. Aber oft werden die Erfassungsbögen beim Arzt noch nicht einmal mehr abgeholt. Anwendungsbeobachtungen sind eine übliche Strategie des Pharma-Marketings zur Umsatzsteigerung.

Außerdem investiert die Industrie pro Jahr etwa 1,2 Milliarden Euro in die "Fortbildung" der Ärzte. Warum wohl? Über die Finanzierung der ärztlichen Fortbildung und von Kongressen bestimmt die Industrie, über welche Themen und welche Produkte gesprochen wird. Meines Erachtens ist das Produktwerbung und keine Fortbildung. Über den Preis der Medikamente bezahlen die Kassen das Marketing der Industrie. Würde es den Kassen ermöglicht, die Kosten für das Pharma-Marketing vom Arzneimittelpreis abzuziehen, denn könnten sie problemlos herstellerunabhängige, echte Fortbildung der Ärzte finanzieren.

verdi.de: Was würde eine Positivliste bewirken?

Schönhöfer: Sie wäre dann ein Fortschritt, wenn dort aufgelistet würde, welche Medikamente tatsächlich wirken und welche nicht. Außerdem dürfte sie keine Scheininnovationen enthalten. Da müssten die Verfasser der Liste sehr rigoros sein. Bisher hat der Druck der Pharma-Industrie eine nicht nachvollziehbare "Willigkeit" der Politiker bewirkt und dafür gesorgt, dass keine solche Liste Wirklichkeit wurde.

verdi.de: Welche Rolle spielen Wissenschaftler und Selbsthilfegruppen im Marketing der Industrie?

Schönhöfer: Experten und Wissenschaftler sind Meinungsbildner in ihrem Spezialgebiet, nach denen sich Ärzte mit ihren Verordnungen richten. Sie entscheiden somit über Therapiestandards und sind deshalb für die Industrie sehr nützlich für die Produktpromotion. Entsprechend wirbt die Industrie um die Gunst der Wissenschaftler, indem zum Beispiel deren Forschungsvorhaben, Vortrags-, Berater- oder Seminarleiterhonorare, Kongressbesuche und Reise- sowie Unterhaltungskosten sowie deren weitere Bedürfnisse großzügig finanziert werden. Es gibt eine große Bandbreite von Zuwendungen, wie nützliche Meinungsbildner unterstützt werden können.

Die Industrie kauft sich so scheinbar unabhängige Experten zum Vorzeigen auf Kongressen, bei der Beratung von Behörden und Politik oder zum Tingeln durch die ärztliche Fortbildung. Doch unabhängig können solche Experten nicht mehr sein. Und die, die Aufsicht führen sollten, die Behörden, Standesorganisationen, Ministerien und die Regierungen in Ländern und Bund, die tun gar nichts.

Auch Selbsthilfegruppen nehmen teilweise eine ungute Rolle ein: Mit ihnen als Betroffene kann die Industrie Druck auf die Politik ausüben, damit teure Medikamente von den Kassen bezahlt werden. Oder Druck auf den Arzt. Damit der die Medikamente verordnet. Deshalb werden bestimmte Selbsthilfegruppe von der Industrie systematisch aufgekauft

verdi.de: Wie meinen Sie das?

Schönhöfer:Die Pharma-Industrie veranlasst die gesponserte Selbsthilfegruppen dazu, Mitglieder zu motivieren zum Arzt zu gehen und die Verschreibung eines Produktes des Sponsors zu verlangen. Firmenmitarbeiter, die man als Pharmavertreter kannte, tauchen plötzlich als Vorsitzende einer Selbsthilfegruppe auf. In den Medien stellen sie im Auftrage des Sponsors als "Betroffene" die Kassen an den Pranger und bemängeln, dass bestimmte, ihrer Ansicht nach erfolgversprechende Therapien nicht bezahlt werden. Es kommt dabei nicht zur Sprache, dass diese Medikamente von der Firma hergestellt werden, für die sie bisher als Pharma-Vertreter tätig waren.

verdi.de: Was ist Ihrer Ansicht nach zu tun, um solche Praktiken abzustellen?

Schönhöfer: Man muss auf verschiedenen Gebieten ansetzen. Zum einen muss die Kultur der Kritik gefördert werden, also die kritische Forschung, die kritische Bewertung. Das kommt derzeit viel zu kurz. Außerdem dürfen die Gesetzlichen Krankenkassen nicht länger vor allem Buchhalter sein. Die Regierung muss die Kassen in die Lage versetzen, kritische Ansätze auch finanziell zu unterstützen. Denn langfristig wird durch kritische Kosten/Nutzenanalysen Geld der Versicherten gespart.

Außerdem muss der kritischen klinischen Forschung wieder eine materielle Grundlage und ein größerer Stellenwert eingeräumt werden. Das heißt: Mehr öffentliche Gelder für eine unabhängige klinische Forschung. Derzeit bestimmt die Industrie, was beforscht wird, und das ist nur Produktpromotion und keine wissenschaftliche Qualität. Denn nur sie finanziert. Das Bundesforschungsministerium zahlt zwar auch, aber letztendlich sind das dann Subventionen und Zuschüsse für die Forschung der Industrie. Damit kommt der Steuerzahler - jedenfalls in einem bestimmten Ausmaß - dafür auf, was die Industrie beforscht haben will. Das ist ein Skandal, ein durch eine unqualifizierte Forschungsbürokratie hausgemachter Verfall klinischer Forschung in Deutschland.

Interviwe: Jana Bender
25. Oktober 2002
Quelle: Verdi.de

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