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Die Suchtbeauftragte der Bundesregierung hat Sonderglocke ein Lob für vorbildliches Engagement im Suchtbereich ausgesprochen. Der Orginalbrief als PDF: Suchtbeauftragte der Bundesregierung
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Leitfaden Sucht

01. Wenn Alkohol zum Problem wird (auch Sucht allgemein)

Abhängigkeitserkrankungen machen vor den Türen der Unternehmen nicht Halt. Wir müssen uns damit auseinander setzen. Das Bundesgesundheitsamt schätzt die gesellschaftlichen Folgekosten allein von Alkoholerkrankungen auf mehr als 20 Milliarden Euro pro Jahr. Ein teures Tabu für viele Unternehmen, von dem menschlichen Leid für Betroffene und ihr Umfeld ganz abgesehen.

Manche sprechen von Management by Ignoring: Aus falsch verstandener Hilfsbereitschaft schauen sie weg, decken, verdrängen, schützen, hoffen – und das oft jahrelang. Sucht ist Flucht. Es ist der Rückzug in eine Scheinwelt. Süchtige verstellen sich ihren Blick und leben in ständiger Selbsttäuschung. Sie verleugnen die unliebsame Realität.

Ohne die Mitwirkung ihres Umfelds wäre ihnen das allerdings nicht möglich.

Von Führungskräften wird erwartet, dass sie Orientierung geben. Suchtprävention ist eine Führungsaufgabe und bedeutet konkret, rechtzeitig zu intervenieren. Intervention zum einen als Einforderung vertraglich bestimmter Leistungen im Interesse von Unternehmen und Belegschaft. Intervention zum anderen zur Bewahrung der Persönlichkeit und Identität der Betroffenen, zur Wiederherstellung der Selbstfürsorge. Wo Führung indifferent reagiert, entstehen Unsicherheiten und Ängste. Bieten Sie Hilfen an. Wir erwarten von Führungskräften, dass sie durch klare Botschaften einem Abhängigen die Chance zu einer bewussten Entscheidung geben.

Das gehört zur Fürsorgepflicht und ist inhaltlich Bestandteil unseres Leitbildes.

Wer helfen will, muss zuerst sich selbst fragen: »Helfe ich beim Erkennen oder beim Leugnen des Problems?«, und dann auf den Betroffenen zugehen: »Wollen Sie gesund werden und wieder Ihr ganzes Potenzial in unser Unternehmen einbringen? Wir geben Ihnen die Chance dazu. Sie müssen die Entscheidung treffen, unser Angebot anzunehmen oder abzulehnen.« Und jede Wahl, ob Ja oder Nein, hat ihre Konsequenz und ihren Preis. Betroffene mit dieser Frage zu konfrontieren erfordert Zivilcourage. Es ist nicht ganz einfach, es ist auch unbequem; andererseits ist die Aufgabe nicht zu groß.

Wir meinen, dass niemand, der eine entsprechende Verantwortung hat, daran scheitern wird.

Süchtiges Verhalten wie Joggingsucht, Geltungssucht oder Geschwindigkeitssucht ist, auch wenn es gesundheitliche Schäden und zwischenmenschliche Störungen zur Folge hat, anders zu bewerten als die »klassischen« Suchtkrankheiten. Die Abhängigkeit von berauschenden Mitteln beeinträchtig in erheblichem Maße das Denkvermögen der Kranken. Anders verhält es sich bei Nikotinsüchtigen, Spiel- und Arbeitssüchtigen und Essgestörten.

Dieser Unterschied ist wichtig und sollte nicht verwischt werden. Aber auch diese Süchte sind ernst zu nehmen, weil die Betroffenen sich und andere erheblich schädigen.

Abhängigkeitserkrankungen treten nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich mehr oder minder schnell. Schnell erfolgt die Abhängigkeit von Drogen und Psychopharmaka, während sich die Abhängigkeit von Medikamenten (eine unauffällige und teilweise ärztlich verordnete Sucht) langsam entwickelt und sich, mitunter jahrelang, auf einem niedrigen Dosisniveau stabilisieren kann. Die Abhängigkeit von Alkohol tritt bei Frauen häufig wesentlich schneller ein als bei Männern.

Alkohol als exemplarisches Beispiel

Alkohol, die gesellschaftlich anerkannte und am stärksten missbrauchte Droge, wird in diesem Leitfaden als exemplarisches Beispiel verwendet, um Probleme von und mit Abhängigen zu veranschaulichen. Es würde den Rahmen eines Leitfadens sprengen, auf alle Arten von Suchtmitteln einzugehen, doch die hier dargelegte Interventionskette kann auf jede Abhängigkeitserkrankung angewendet werden.

Welches Suchtmittel auch genommen wird, Abhängigkeitserkrankungen verlaufen immer in vier Phasen. Der Weg in die Sucht führt vom Einstieg über die Erleichterung in die Gewöhnung und schließlich in die Abhängigkeit.
Der Weg aus der Sucht umfasst ebenfalls vier Phasen: Ausstieg (oder Kontakt und Entscheidungsphase), Entzug, Entwöhnung und Nachsorge. Die schwierigste Phase ist die Kontaktphase, in der wir den Abhängigen bzw.
Gefährdeten anbieten wollen, aus ihrer Sucht auszusteigen.

Ziele

Prävention, insbesondere bei Alkoholmissbrauch, um die Gesundheit und
Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten. Bereits im Vorfeld geeignete
Maßnahmen anzubieten hat oberste Priorität. Das ist erheblich kostengünstiger
und erspart den Betroffenen und ihrem Umfeld viel Leid.
Abhängigen Mitarbeitern frühzeitig Hilfsangebote aufzuzeigen, um ihre
Arbeitskraft zu erhalten bzw. wiederherzustellen.
Arbeitssicherheit zu gewährleisten und Unfallgefahren zu mindern
(auch bei der Hin- und Rückfahrt zur Arbeit).
Vorgesetzten, Betriebsräten und Kollegen Hilfen und Handlungsvorgaben
für den Umgang mit alkoholbedingten Konflikten an die Hand zu geben.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Fraunhofer Gesellschaft (Source/Quelle)

 

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