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Wie komme ich los vom Cannabis, bzw. Kiffen?
Ich bin 20 j. alt und habe seit fünf Jahren ein Problem mit Cannabis. Mal aufgehört wegen verschiedenster Leute, aber nie wirklich wegen mir selbst, weswegen ich vor etwa einem halben Jahr anfing, mich selbst objektiv zu beobachten bei allen Tätigkeiten in meinem Leben. Das hatte zur Folge, dass ich meinen "Freundeskreis" als miese Clique erkannte und jemandem, den ich schon seit 17 Jahren kenne die Freundschaft gekündigt habe-> durch ihn bin ich da reingeraten.
Zuerst waren es Sprüche wie:"Ey man lass uns Kiffer werden, das sind coole Leute!" und dann gab es nur noch Beschaffungsstress in der Clique, es war alles okay wenn "genug" von allem da war. Ich selbst aber war viel zu schwach um etwas zu unternehmen. Jetzt: Habe ich seit über 2 Jahren eine feste Beziehung, die mir heute nacht die Freundschaft angeboten hat, weil ich immer geflüchtet bin, immer nach Hause um zu kiffen.
Ich hatte vor dem Anfang der Beziehung aufgehört, weil ich aus einer vorigen Beziehung die Erfahrung gemacht habe, dass es so nicht klappt. Jedoch viel mir auf, dass ich es nur eingestellt hatte, damit ich es ihr rechtmache. Sie hatte nie verlangt, dass ich nicht kiffe. Es hatte schon psychotischen Charakter angenommen, da ich träumte zu kiffen und sie zu verlieren, sogar mehrmals. Also meinte ich nach eineinhalb Monaten Beziehung mein altes Laster wieder aufzunehmen, um selbst "nicht zu kurz zu kommen".
Dadurch artete es aus, ich war wochenends immerzu bekifft und stark alkoholisiert. Der oben erwähnte langjährige Freund riet mir nach etwa einem Monat des erneuten und sich steigernden Konsums, dass ich mit keiner der von mir konsumierten Droge klarkommen würde. Daraufhin war ich 8 Monate clean vom Marihuana, jedoch beziehungstechnische Probleme, die durch Ersatzdrogen wie heftigster Shishakonsum entstanden, ließ ich mich im alten Freundeskreis zum erneuten Kiffen hinreißen.
Ich erfuhr eine erneute Steigerung des Konsums mit "Daheimverschanzungstaktik" und "Zu-Tun-hab-Syndrom", ich hatte keine Zeit mehr für meine Freundin genommen und nach Abklingen der Phase durch Schulbeginn der Klasse 13/2 einen Nervenzusammenbruch in den Armen meiner Freundin, bei dem ich mein Leid mit der Situation ausschüttete. Dann war ich recht brav und hab aber nicht aufgehört, habe mich um meine Freundin bemüht, jedoch immer den Dorn des Cannabis im Hirn gehabt, egal welche Tätigkeit ich durchführte.
Sogar beim Sex hat mein Hirn hartnäckig Kiffen in die Wahrnehmung projeziert. Krankhaft würde ich das beschreiben. Das Abitur habe ich nicht bestanden, ich habe all die Jahre ab der 8.Klasse den "Drückeberger" und Lückenschlüpfer" gespielt. Nicht nur in der Schule, auch im Privaten. Das hat sich dann soweit hochgeschaukelt, dass ich sogar in meine eigenen Lücken schlüpfe und erstmal kiffe, bevor ich mich meiner Tagesaufgabe widme, die ich dann sehr oft nichtmehr wahrnehme, zurückstelle und mich lieber ausruhe von der Anstrengung des Rauschs.
Ich denke jeden Tag, dass ein Leben ohne Cannabis das beste ist, was es für mich momentan auf der Welt gibt, jedoch holt mich die Sucht bzw. Abhängigkeit immer wieder zurück. Ich schaffe das nicht alleine. Sobald eine Lücke im Tagesablauf entsteht, in die ich mich hineinzwängen kann, um am Ende mich vor diversen Dingen(wie Besuchen der Freundin) mit an den Haaren herbeigezogenen Ausreden drücke, sitze ich abends kiffend im Garten mit dem Gedanken (und das ist das allerschlimmste an der Sache): Du IDIOT, schon wieder nicht bei ihr, du liebst sie und willst mit ihr zusammensein, sitzt aber kiffend im Garten, GENAU wie gestern und die Abende der letzten Monate. Ich brauche dringend Hilfe. Was soll ich tun, wen oder was kann man mir empfehlen? J...
Antwort von Delia
Hallo J...
Dein Schreiben hebt sich von den Anfragen anderer Kiffer dadurch ab, dass du dich ständig selbst beobachtest und auch sehr gut schildern kannst, was dieses THC mit dir macht. Gleichzeitig stellst du selber an dir fest, dass du ein enormes Problem mit sozialen und Beziehungskontakten hast.
Dabei hilft dir Cannabis natürlich nicht weiter - ganz im Gegenteil.
Wenn du mit dem Konsum so weitermachst - zum Einordnen in eine Clique, zum Rückzug aus jeglichem sozialen Kontakt, zum Verleugnen von Problemen in deiner Beziehung usw... - wirst du eines Tages vollkommen vereinsamt dastehen. Und ich denke, dies ist auch deine größte Angst.
Die Kifferei sorgt dafür, dass du nie der bist, der diese mail geschrieben hat. Du spielst Rollen. Wenns nicht mehr geht, ziehst du dich zurück. Wir meinen, du solltest zumindest ambulant professionelle Hilfe annehmen. Darüberhinaus wäre der Gang in eine Selbsthilfegruppe enorm wichtig - auch deshalb, weil du den Leuten dort sehr viel zu sagen hättest.
Fazit: Du brauchst jemanden, der sich mit dem authentischen J... befaßt. In dem Moment, da du deine Rollen ablegen kannst, wirst du prima ohne Cannabis klarkommen.

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