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Frage: Ratlose Eltern - Drogenabhängigkeit
von Ham.
Unser Sohn ist 25 Jahre alt , wohnt und arbeitet 600 Km von zu Hause entfernt.
Er ist diese Woche aus der Firma geschmissen worden, da er es nicht mehr auf die Reihe bekommt, früh aufzu-stehen. Angefangen hat das ganze Problem vor ca. 8 Jahren mit Cannabis.Jetzt zieht er sich weißes Pulver in die Nase. Ich weiß nicht was es ist? Aber warscheilich Kokain!
Wir haben Ihn die ganzen Jahre finanziell unterstützt oder ständig Lebensmittel geschickt.
Jetzt hat er seit 2 Monaten keine Miete mehr bezahlt, sein Konto ist auf ca.minus 1000 Euro. Was können wir als Eltern jetzt noch tun?
Wir haben Ihm gestern Geld für eine Fahrkarte geschickt. Wenn er nächste Woche nach Hause kommt, wollen wir ihm die letzte Chance geben. Wir würden Ihn zu Hause wieder aufnehmen aber nur unter der Bedingung das er einen sofortigen Entzug in einer Drogenklinik macht!
Frage: Ist es eigentlich möglich, ihn sofort in eine Entzugsklinik zu bekommen? Und wer würde die Kosten übernehmen?
Antwort von Hannes
Ich merke, dass es mir schwer fällt, online - ohne mit den Menschen in Kontakt zu sein - Empfehlungen zu geben. 1000 Fragen habe ich noch... Ich will es aber doch versuchen.
Grundlegend für mich ist die Frage, in welcher Beziehung Menschen zueinander stehen. Da ist ggf. Euer Angebot, den Sohn wieder zuhause aufzunehmen, ein zweischneidiges Schwert - egal ob es zwischen ihm und Euch viele Probleme gab (gibt) oder Ihr ihn immer gut (vielleicht zuviel?) behütet und unterstützt habt. Das kann wirklich nur eine zeitlich sehr begrenzte Lösung sein. In der Regel benötigt ein Suchtkranker sicher auch Geld oder Lebensmittel, mehr aber noch den wirklichen Kontakt zu anderen Menschen. Der ist ihm im Verlauf der Suchtentwicklung aber immer mehr abhanden gekommen.
Was will denn Euer Sohn? Es geht um ihn, er trifft letztendlich die Entscheidung für sein Leben. Der klassische Weg der hilflosen Angehörigen ist ja oft: Helfen - Kontrollieren - Ablehnen bzw. fallen lassen - ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen kann. Und nichts davon tut Eurem Sohn gut. Ich halte es für problematisch, Geld oder Lebensmittel zu schicken, so etwas verlängert in der Regel den Leidensweg des Betroffenen. Er merkt sich: So lange ich krank bin, erhalte ich auch Aufmerksamkeit. Verantwortung für mich muss ich nicht übernehmen.
Es ist wichtig, dass Euer Sohn diese Verantwortung für sich selber tragen lernt.
Der Weg in eine Klinik ist folgender: Wenn Euer Sohn bereit ist, etwas für sich zu tun, soll er Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle aufnehmen. Nach einem Erstgespräch folgt eine Motivationsphase, dann stellt die Suchtberatungsstelle einen Antrag inkl. Sozialbericht. Das kann kurzfristig geschehen, wenn die Berater auch den Eindruck haben, schnell sei sinnvoll. In der Fachstelle, in der ich arbeite, legen wir allerdings großen Wert darauf, nur ausreichend motivierte Klienten zu vermitteln, sonst kann man sich das meistens schenken. Da reicht es nicht, dem Partner, den Eltern, dem Arbeitgeber zuliebe eine Therapie zu machen. Es muss für den Betroffenen Sinn machen.
Die Kosten für eine stationäre Langzeittherapie (die wäre wohl angesagt) übernimmt bei Erwerbsfähigen die Rentenversicherung, in Sonderfällen sonst auch mal die Krankenkasse. Die vorangehende Beratungsphase ist kostenfrei.

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