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Frage: Alkoholikerin als Mutter
Leider weiß ich nicht so recht, wie ich anfangen soll...
Seit mehreren Jahren hat meine Mutti ein Problem mit dem Alkohol.
Seit ein paar Wochen ist es so schlimm wie noch nie. Es gibt nicht einen Tag, an dem sie nicht mindestens eine Flasche starken Schnaps trinkt und darüber völlig die Selbstkontrolle
verliert. Sie ist im Vorruhestand und daher den ganzen Tag zu Hause.
Es tut mir unheimlich weh sie so zu sehen.
Ich habe sie gebeten damit aufzuhören... ohne Erfolg. Ich hab sie angeschrieen und gedroht und es hat nichts gebracht.
Wenn ich die Flaschen finde und sie ausgieße, dann kauft sie sich neue.
Ich hab sogar versucht, es zu ignorieren, aber das gelingt mir nicht.
Ich schreibe Ihr kurze Briefe, die ich so platziere, dass sie diese in der kurzen nüchternen Zeit gleich nach dem Aufstehen liest. Aber auch das hilft nichts.
Es gibt Tage, an denen sie sich schämt und sich vornimmt damit aufzuhören.
In diesen Momenten glaube ich, dass ja Einsicht bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist. Aber am nächsten Tag will sie davon nichts mehr wissen.
Entweder streitet sie völlig ab, dass sie ein Problem hat oder sie glaubt durch weniger trinken bekommt sie es selbst in den Griff. Was natürlich nicht funktioniert.
Ich habe angeboten sie zu einer Therapie zu fahren, aber sie will nicht.
Dann habe ich Bücher zum Thema "Weg vom Alkohol" gekauft, die leider nur ich gelesen habe...
Mittlerweile weiß ich, dass es sich um eine Krankheit handelt und sie es nicht mit Absicht tut. Das ändert trotzdem nicht, dass der Rest der Familie darunter leidet. Scham, Frust, Sorge, soziale Isolation und Wut sind nur wenige der Gefühle...
Und ich hab Angst dass unsere Familie daran zerbricht.
Auf der Suche nach Therapiemöglichkeiten bin ich im Internet auf Eure Adresse gestoßen.
Ich bin am Ende meiner Kräfte und weiß nicht mehr weiter.
Wann kommt der Moment, an dem sie aufwacht und merkt, wie viel schöner das Leben sein kann... wenn man nur trocken ist...

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Antwort von Delia
Wenn Du noch minderjährig bist (Du hast uns leider dein Alter nicht mitgeteilt), könntest Du dich ans örtliche Jugendamt wenden. Du schreibst von Familie - ist da noch ein Vater, oder hast du kleinere Geschwister?
Das Jugendamt würde deine Mutter besuchen - nicht ohne Anmeldung. Da sie aber derart abhängig ist, wird sie diesen Besuch nicht nüchtern auf sich zukommen lassen oder überstehen können. Natürlich kann ein Jugendamt niemanden zwingen, mit dem Trinken aufzuhören. Aber es kann mögliche Konsequenzen für deine Mutter aufzeigen. Es wäre die eine Möglichkeit.
Und dann gibt es da noch in jedem größeren Ort mit Gesundheitsamt einen sog. "Sozialpsychiatrischen Dienst" - kurz SPD genannt - der auch ohne Vorankündigung Hausbesuche macht, wenn z.B. Gefahr im Verzug ist. Oder geschulte Leute vom Gesundheitsamt werden selbst aktiv.
Nun kann ich nicht beurteilen, inwieweit deine Mutter bereits eine Gefahr für sich selbst ist. Wenn es im volltrunkenen Zustand so wäre, könnten diese Leute vom SPD sie möglicherweise dazu bewegen, sich von ihnen in ein Krankenhaus zur Entgiftung bringen zu lassen.
Ohne körperliche Entgiftung wird das bei deiner Mutter nicht gehen. Sie trinkt täglich 1 Fl. Schnaps - und das als Frau. Wenn man ihr nun plötzlich den Alkohol ganz wegnehmen würde, dann könnte sie in Lebensgefahr geraten. (Delirium tremens - die "weißen Mäuse" - das den Kreislauf ungeheuer belastet, oder Krampfanfall, der ebenfalls tödlich enden kann) Also, deine Mutter muss in einer Klinik mithilfe von geeigneten Medikamenten entgiftet werden.
Das dauert 10 Tage ungefähr. In der Zeit kann man mit ihr über eine stationäre Entwöhnungsbehandlung sprechen - die eigentliche Therapie, die ca. 4 Monate dauert.
Nur eins muss Dir leider klar sein: In unserem Staat hat jeder das Recht, sich tot zu saufen.
Was noch helfen könnte, wäre auch der SPD in einer Situation, in der deine Mutter eine unbedachte Äußerung tut, z.B. "Ich will nicht ins Krankenhaus! Eher bringe ich mich um!" Das wäre eine "suizidale Äußerung" und damit ein Grund, sofort den Amtsarzt und einen Richter zu holen. Dem SPD gegenüber würde deine Mutter diese Äußerung garantiert wiederholen, wenn sie erst einmal auf diesem Trip ist.
Richter und Arzt würden deine Mutter dann zwangseinweisen - und zwar in eine psychiatrische Klinik, auf eine richtige geschlossene Suchtstation.
Das klingt jetzt erschreckend. Aber bedenke bitte: In einem normalen Krankenhaus kann deine Mutter sofort wieder abhauen, eben gegen ärztlichen Rat. Außerdem ist das Personal nicht für solche Fälle ausgebildet. Hat das Krankenhaus keine Suchtstation, dann kommt deine Mutter auf die "Innere" und liegt mit Frauen zusammen, die garantiert die Nase rümpfen werden. Außerdem hat die Gesundheitsreform dafür gesorgt, dass die Suchtberatungsstellen niemanden mehr in die Krankenhäuser zu solchen Patienten schicken können - aus Personalnot.
In der Suchtstation der Psychiatrie hast du geschultes Personal. Die Mitpatienten haben dasselbe Problem. Und einige wollen nach der Entgiftung eine Therapie machen. Es finden Gruppenstunden statt und die Patienten bekommen Literatur satt in die Hand gedrückt - sie müssen sich einfach mit ihrem Problem auseinandersetzen.
Also mein gesammeltes Geschreibsel läuft eigentlich darauf hinaus, dass man deine Mutter nur zu ihrem Glück zwingen kann. Entweder reicht der Druck vom Jugendamt oder der vom SPD oder deine Mutter äußert in betrunkenem Zustand Selbstmordgedanken und muss zwangseingewiesen werden.
Es ist für dich eine extreme Belastung. Deshalb solltest du so schnell wie möglich mit den zuständigen Stellen reden. Mit dem SPD wirst du durch das Gesundheitsamt verbunden.
Vielleicht hast du Glück und es wird doch schneller gehandelt, weil ja immerhin Kinder im Spiel sind.
Wir wünschen Dir Kraft!
Delia

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