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Wann ist man Alkoholkrank
von Doris
Seit 4 Jahren bin ich arbeitslos, lebe in einem guten, sozialen Umfeld, bin 44 Jahre alt, habe herzlichen Kontakt zu meinen Kindern, Enkeln und meiner Mutter, lebte lange allein, was mir keine Probleme machte.
Manchmal, vielleicht einmal im Monat gehe ich mit meiner Freundin auf Tour. Früher war es kein Problem, auch wenn es mal ein paar Gläser Wein zuviel waren. In letzter Zeit jedoch merke ich, daß ich mich nicht mehr unter Kontrolle habe, wenn ich raus gehe - dann bleibt es nicht mehr bei 3-4 Gläsern Wein, dann schütte ich mich zu, bis nichts mehr rein paßt!
Das schlimmste ist, daß ich neuerdings dermaßen agressiv werde und dann meine Wohnung auseinander nehme - ich werfe Sachen rum, daß es nur so klirrt und scheppert!
Ich weiß nicht, was ich über mich denken soll - zu Hause habe ich immer Wein, aber ich trinke nicht, nur wenn mal Besuch da ist und das ist selten.
Warum kann ich es nicht mehr kontrollieren, wenn ich draußen bin? Warum werde ich so böse und agressiv? Ich möchte so nicht sein, was kann ich tun? Bin ich Alkoholkrank?
Obwohl ich leidenschaftliche Verkäuferin bin und keine Angst vor fremden Menschen habe, fühle ich mich unsicher, wenn ich in ein Lokal gehe. Ist mein Selbstbewußtsein geschrumpft durch die Arbeitslosigkeit?
Aber ich arbeite doch ehrenamtlich hin und wieder mit sozial schwachen- und obdachlosen Menschen, helfe, wo ich kann. Was stimmt mit mir nicht?
Seit vier Tagen habe ich Krach mit meinem neuen Freund, das zieht mich echt runter, ich bin dermaßen unglücklich aber ich besaufe mich nicht deswegen! Wann ist man Alkoholkrank? Bin ich krank?
Antwort von Delia
Deine Frage verstehe ich gut, auch dein Anliegen. Trotzdem kann ich dir nach diesem kurzen Eindruck, den ich von dir habe, weder die Henne noch das Ei benennen.
Der Kontrollverlust beim Trinken deutet darauf hin, dass du alkoholabhängig bist. Ein körperlicher Entzug ist bei dir nicht nötig, aber du solltest die Finger ganz und gar vom Alkohol lassen.
Deine Gesamtproblematik legt den Schluß nahe, dass eine Gesprächstherapie - wenn auch nur ambulant - ganz gewiss sehr hilfreich für dich sein könnte.
Darüber müßtest du mit deinem Arzt sprechen, der dich wiederum an einen Therapeuten/eine Therapeutin weitervermittelt. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.
Ich glaube, du solltest wirklich einmal ausführlich nur über dich, deine Gedanken und deine Gefühle reden dürfen.

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