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Ich trinke, um mich zu belohnen
Ich bin seit 4 Jahren geschieden, noch immer allein, habe einen 15jährigen Sohn und bewältige Beruf, Haushalt und Hobbys gut. Für mein Tagewerk belohne ich mich mit Wein am Abend.
Allerdings wird die Flasche in 2-3 Stunden leer. Ich trinke, um mich zu belohnen und um es gemütlich zu haben. Jeden Morgen sage ich mir, heute nicht und am Abend mache ich es mir wieder gemütlich. Ich habe auch Tage, an denen ich nichts trinke, dann geht es mir super, ich schlafe nachts mit vielen Traumphasen und merke, ohne ist viel besser.
Und dann kommt der innere Schweinehund und fragt, wozu diese Selbstdisziplin, ich bin doch allein und schade keinem! Außerdem habe ich Angst, nicht einschlafen zu können. Ich muß dazu sagen, mein Sohn lebt zur Hälfte bei seiner Mutter und die andere Zeit bei mir und das Umstellen von Vatersein auf Single kostet immer viel Kraft.
Antwort von Delia
Dein Trinkmuster ist so "normal" wie gefährlich.
Normal, weil sich ein Bundesbürger eben nicht abends nach der Arbeit mit Alkohol belohnt.
Gefährlich, weil
1. zuhause, allein und unbeobachtet getrunken wird,
2. die Gefahr der Steigerung immer gegeben ist,
3. die Gesundheit unauffällig, aber unaufhaltsam ruiniert wird.
Du mußt dir nichts vormachen - du bist Alkoholiker. Du hast die Trinkerei nicht mehr im Griff, auch wenn du ab und zu einen Abend ohne den Wein verbringst. Dass du dein Nervensystem bereits geschädigt hast, siehst du daran, dass du in einer alkoholfreien Nacht intensiv träumst - der Schlaf mithilfe von Alkohol ist lediglich eine ungesunde und traumlose Betäubung.
Würdest du extrem steigern (z.B. auf Schnaps umsteigen und über längere Zeit viel davon trinken), dann aber abrupt auf den Alkohol verzichten, wärest du in Gefahr, ein Delirium tremens zu entwickeln - die gesteigerte Form des Nachholens der Traumphasen durch den vom starken Alkoholmißbrauch geschädigten Organismus.
Die gesundheitlichen Folgen deines Trinkverhaltens sind auf lange Sicht hoher Blutdruck, Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, hoher Cholesterinspiegel, Gewichtszunahme, ... ich bin kein Arzt.
Ich finde es sehr gut, dass du dich mit deiner Sucht auseinandersetzt und dich erkundigst, bevor es zu spät ist.
Wichtig wäre jetzt das Handeln.
Du solltest dein Problem mit deinem Arzt besprechen.
Geh in eine Selbsthilfegruppe.
Suche eine Beratungsstelle auf, die dich gegebenenfalls in eine stationäre Entwöhnungsbehandlung vermitteln kann.
Eine Psychotherapie wäre auf jeden Fall sinnvoll. Eine ambulante Therapie verordnet der Arzt.
Bei weiteren Fragen melde dich bitte wieder.

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