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Frage: Anabolika
alexandra schrieb:
Hallo. Ich bin nun seit zwei Jahren mit meinem Freund zusammen. Er nimmt seit 10 Jahren Anabolika.
Als ich ihn kennenlernte, war er gerade aus dem Krankenhaus entlassen. Er hatte auf der Brust einen Spritzenabszess, der sehr schlimm war. Er leidet heute sehr unter der langen Narbe. Ich war davon ausgegangen, dass er nichts mehr nehmen würde nach diesem Vorfall. Er wusste , dass ich gegen das Zeug bin. Doch nach einem dreiviertel Jahr fing er heimlich wieder an.
Ich kam dahinter, er versprach nichts mehr zu nehmen. Doch schon ein halbes Jahr fing er wieder an, verheimlichte es auch nicht mehr. Ich müsse es eben akzeptieren, was ich auch versuchte. Doch ich hielt es nicht aus und wollte die Beziehung beenden. Er versprach erneut nichts mehr zu nehmen. Ich glaubte ihm nicht, misstraute ihm, was zu vielen Vorwürfen seinerseits führte. Ich bekam heraus, dass die nächste Kur geplant war.
Wir trennten uns, blieben jedoch in Kontakt. Teilweise sah er , dass er ein Problem hat, dachte darüber nach, sich Hilfe zu holen, doch seine Freunde sagten, er solle sich von mir nichts einreden lassen. Es ging ihm sehr schlecht zu der Zeit, er wurde zugänglicher, gab zu ein Problem zu haben.
Doch dann kippte alles wieder ,ich müsse ihn so akzeptieren, wie er ist, es ginge mich nichts an. Er liebe mich über alles, das müsse doch auch etwas wert sein. Wir sind nun wieder zusammen und er hat erneut eine Kur begonnen. Es geht ihm schlecht, er leidet unter Übelkeit, Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen, bis hin zu Depressionen.
Er ist immer kaputt, alles tut ihm weh. Doch er hat für all das Ausreden. Stress bei der Arbeit, eine Grippe usw. Ich komme nicht dagegen an, mache mir aber große Sorgen, denn er macht sich gesundheitlich kaputt. Was kann ich tun? Wie soll ich damit umgehen? Ich weiß, dass er krank ist und möchte ihm helfen. Ich kann doch nicht einfach zusehen, wie er sich zerstört? Er weiß es selber, dass er sich damit zerstört, aber das ist ihm egal. Er hat mir auch erzählt, dass er als Jugendlicher eine Essstörung hatte. Er hat an den Wochenenden gar nichts gegessen. Das hat er dann mit Sport und letzten Endes mit Anabolika in den Griff bekommen, wie er sagt.
Wie gesagt, er nimmt seit 10 Jahren was. Ca. zwei Mal im Jahr für zwei Monate. Kann ich gar nichts tun?
Antwort von Friederike
Liebe Alexandra!
Ihre Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht der Sucht Ihres Freundes gegenüber gepaart mit seinen Drohungen und Erpressungsversuchen: "... dann kippte alles wieder ,ich müsse ihn so akzeptieren, wie er ist, es ginge mich nichts an.Er liebe mich über alles, das müsse doch auch etwas wert sein," zeigen Ihre zunehmende Co-Abhängigkeit!
Sie leiden unter seiner Sucht, Sie können es nicht mitansehen, wie er sich kaputt macht, Sie machen sich große Sorgen um ihn, Sie kommen nicht mehr dagegen an, Sie gehen kaputt an der Situation, Sie wollen ihm helfen, Sie wollen etwas tun!!! Das ist das, was Sie wollen! Sie sind dabei sehr aktiv!
Er verhält sich jedoch eher passiv!
Was will er?
Will er wirklich aufhören?
Will er sein Leben wirklich verändern?
Welchen Nutzen zieht er daraus, dass Sie sich so viel kümmern?
Liebe allein ist nicht ausreichend für eine gesunde Beziehung! Wenn Sie an der Beziehung kaputt gehen und zerbrechen, und dies ist hier der Fall, dann ist auch die Art der Liebe zu hinterfragen! Denn diese Art tut Ihnen nicht gut, sondern zermürbt Sie!
"Kann ich gar nichts tun?"
In solchen Situationen ist es oft hilfreich, inneren Abstand zu der Situation zu gewinnen. Hören Sie auf, ihn zu kontrollieren und kontrollieren zu wollen! SEIN Problem werden SIE nicht lösen können! Sie verlieren darüber nur die Kontrolle über ihr eigenes Leben!
Kümmern Sie sich mehr um sich selbst! Versuchen Sie, sich selber so zu behandeln, als wären Sie Ihre beste Freundin oder Ihr bester Freund!
Machen Sie etwas schönes, das Ihnen Freude bereitet, unternehmen Sie etwas mit Freunden und Freundinnen! Gehen Sie Ihren Hobbies und Interessen nach oder suchen sich neue! Tun Sie sich selber etwas Gutes!
Konzentrieren Sie Ihre Energien auf sich selber!
Darüber bekommen Sie inneren Abstand zum ganzen Geschehen und lassen sein Problem los! Und das ist in Ihrem Fall notwendig, um nicht selber ernsthaft zu erkranken!
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann Ihre Beziehung verändert, positiv oder zu Ende geht, ist sehr hoch!
Mit freundlichen Grüßen
Friederike Sohn
Dipl.-Pädagogin

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