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Jahrelang Schmerzmittel konsumiert

Meine Mutter (60+) nimmt schon ueber viele Jahre Schmerztabletten. Da Sie unter Migraene und Rueckenschmerzen leidet dachten wir die laengste Zeit das waere OK, aber mittlerweile haben wir Bedenken, dass es zu einer Sucht geworden sein koennte.

Der Grund fuer unsere Bedenken ist, dass Sie manchmal vollkommen orientierungslos erscheint, keine richtige Konversation fuehren kann und sehr vergesslich ist (oder Dinge im nachhinein nur noch komplett verdreht wiedergibt).

Wie leider so oft, ist auch Sie der Meinung, dass Sie das Problem komplett im Griff hat und keiner Hilfe bedarft. Also habe ich nun begonnen im Internet mich ein bischen zu informieren und mit dem Thema vertraut zu machen. Dabei bin ich auch auf einen Artikel gestossen, der sagte, dass ab einem gewissen Alter die Erfolgsaussichten eines Entzuges sehr gering sind und sogar eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes bewirken kann.

Wenn naemlich der Patient aufgrund des Entzuges in die Phase der Erkenntnis tritt und sich nun der Sucht bewusst ist, was sich vor dem versuchten Entzug noch verdraengen lies. Nun weiss ich gar nicht mehr was wir unternehmen sollen? Soll ich vielleicht meine Mutter weiter verdraengen lassen, damit Ihr die Leiden der Erkenntnis erspart bleiben (wo Ihre Chance auf einen erfolgreichen Entzug sehr gering erscheint)?

Antwort von Delia

Na, diesen Artikel würde ich schon mal gerne lesen.

Es gibt natürlich Leute, alt, todkrank, ohne jegliche Perspektive und ohne Veränderungswunsch trotz Information, bei denen (meistens Soziologen und Philosophen) sich fragen: "Sollte man dieser Person nicht einfach das Symptom lassen?" - also die Sucht.

Eure Mutter gehört aber nicht zu diesem Personenkreis und ich weiß wirklich nicht, warum eine Behandlung keine Aussicht auf Erfolg haben soll, zumal sie doch noch vergleichsweise jung ist! Nun wissen wir nicht, welche Medikamente sie nimmt und wieviel. Auch wissen wir nicht, inwieweit ihr schon auf sie eingewirkt habt. Das müßtet ihr noch nachreichen. (Kontakt)

Es gibt inzwischen Schmerztherapeuten, die die Schmerzpatienten nicht ganz ohne Medikamente wegschicken würden. Sie werden zunächst eine sorgfältige Diagnostik vornehmen und dann schauen, ob und welche Medikamente die Alternative sein können. Dabei wird sehr behutsam vorgegangen. Außerdem muß Eure Mutter nicht mit einer Langzeittherapie in einer reinen Suchtfachklinik rechnen.

Das Problem ist ja viel komplexer, zumal sich die Sucht aus einer medizinischen Notwendigkeit heraus entwickelt hat. Behandlungsbedarf besteht, möglicherweise ist auch ein Wechsel des Hausarztes angesagt. Wenn ihr eurer Mutter klarmacht, dass nicht nur ihre geistige Beweglichkeit nachläßt, sondern dass sie dabei ist, jegliche Lebensqualität zu verlieren (durch die Schmerzen und die da drauf gesetzte Angst, man könne ihr die Tabletten wegnehmen), ist sie vielleicht bereit, sich über die verschiedensten Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, indem sie sich beispielsweise zu einem richtigen Schmerztherapeuten überweisen läßt.

2. Frage:

Delia, Vielen Dank fuer die Hilfreiche Antwort zu meiner Frage "Jahrelang Schmerzmittel konsumiert". Auch wenn ich immer noch nicht genau weiss was fuer Schmermittel meine Mutter konsumiert, so habe ich doch eine Schmerztherapeuten fuer Sie ausfindig gemacht und meine Mutter hat sich einen Termin dort geben lassen.

Allerdings habe ich meiner Mutter den wahren Grund fuer diesen Schritt nicht gesagt, sondern Sie ueberzeugt, sich die Meinung eines Schmerz-Experten anzuhoeren. Ist das OK? Kann der Schmerztherapeut so eine richtige Diagnose stellen, wenn weder Er noch meine Mutter wissen warum ich die Beiden zusammengebracht habe? Oder sollte ich wenigstens einem von Beiden sagen, was meine Bedenken sind?

Vielen Dank schon mal im voraus.

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Antwort von Delia

ich glaube schon, dass ein Schmerztherapeut von sich aus auf den Gedanken kommt, wenn er eine von Medikamenten abhängige Patientin vor sich hat. Seine Aufgabe besteht darin, die Schmerzen und deren Ursachen, die ja der Abhängigkeit zugrunde liegen, herauszukristallisieren. Insofern ist es eigentlich nicht so wichtig, den Therapeuten zu informieren - andererseits nimmt er jede Information eines Angehörigen auch gerne an.

Sag es ihm doch einfach! Du tust aber auf jeden Fall gut daran, deine Mutter mit ihren Schmerzen ernst zu nehmen, denn irgendwann hat ja alles mal damit angefangen. Oft werden Menschen, die Schmerzmittel gegen wirklich existierende Schmerzen, vor allem chronische Schmerzen, einnehmen, wie Medikamentenjunkies behandelt - auch von Ärzten.

Das ist widersinnig: Die Medikamente wurden ja schließlich hergestellt, um Schmerzen zu lindern. Wenn aber hierzulande (Deutschland steht mit dieser Diskriminierungspraxis in Europa an der Spitze) jemand Gebrauch von diesen Medikamenten macht, bekommt er sehr schnell den Stempel "Abhängig" aufgedrückt. Deshalb ist es ein Segen, dass es inzwischen die Schmerztherapeuten gibt, die da ein bischen differenzierter vorgehen.

Nun bleibt nur abzuwarten, was sich aus dem Besuch deiner Mutter bei diesem Spezialisten ergibt.

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