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Frage: Kontrollsucht
von Holger
Ganz kurz zur Einführung: Ich bin mit meiner Freundin seit ca. 2 Jahren zusammen, wir lieben uns sehr und haben eigentlich noch nie Probleme gehabt, dafür jetzt ein "Richtiges"! Sie ist 23 Jahre jung, ich bin 34!
Ich habe am 02.09. eher zufällig in einer kleinen Bonbondose einen Rest von Gras gefunden! Als ich dann intensiver suchte, fand ich noch etwas Gras woanders (1 Kugel - etwa die Größe einer Murmel) und leider noch ein kleines Tütchen mit weißem Pulver, dazu einen kleinen Strohhalm!
Ich bin absoluter Nichtraucher und kannte Drogen bisher nur aus schlechten Krimis im TV! Da können Sie sich ja vorstellen, was bei uns zu Hause los war!
Alle Einzelheiten will ich hier gar nicht aufzählen....am 04.09. waren wir nachmittags auf einer Beratungsstelle in unserem Ort, weil ich mit diesem Problem nicht mehr allein fertig geworden bin. (inzwischen war ich nämlich krank) Hinter jeder SMS, hinter jedem Telefonat, hinter jeder Zigarette, die sie rauchte, sah ich nur noch Drogen. Ich machte mich völlig fertig, das ging nicht so weiter. Von Dienstag bis Donnerstag hatte ich so gut wie nicht geschlafen - ab dann hatte ich Beruhigungsmittel aus der Apotheke, die mir wenigstens gesundheitlich halfen!
Bei dem weißen Pulver handelt es sich übrigens um SPEED!
Nach einigen Tipps des Beraters haben wir von Donnerstag bis Sonntag viele sehr offene Gespräche geführt, sie hat mir alles erzählt was ich wissen wollte.
Unser Leben begann sich wieder zu normalisieren. Ich wollte keinesfalls die Reisleine ziehen, weil ich sie ja liebe!
Sie sagte mir, dass das Gras "gelegentlich" geraucht wird, halt in einer Runde mit Gleichgesinnten. Und auch das Speed habe sie nur gelegentlich genommen um halt auf Partys länger durchzuhalten.
Der Berater sagte, dass beide Drogen nicht unbedingt in eine Abhängigkeit führen, was mir trotzdem irgendwie nicht die Angst nahm.
Weiterhin meinte er, dass das Gras zwar verboten sei, aber eigentlich nicht gefährlicher für den menschlichen Körper als z.B. Alkohol!
Meine Freundin versicherte mir, auf jeden Fall auf das Speed verzichten zu können, weil sie auch wisse, dass das falsch ist, und natürlich auch nicht unsere Beziehung aufs Spiel setzen will!
Da ich nach unseren Gesprächen nun weiß, wie das Speed wirkt, muss ich davon ausgehen, dass sie es ca. 2 x pro Monat konsumiert hatte, genau weiß ich das natürlich nicht, keine Ahnung, ob das viel oder wenig ist!?
Bei dem Gras bin ich mir auch sehr unsicher! Den eigentlichen Joint raucht man nur selten allein, der geht in der Runde rum, das versicherten mir inzwischen auch andere Raucher.
Sie erzählte mir aber auch, dass sie manchmal nur einzelne Zigaretten manipuliert habe mit ganz wenig Gras! Keine Ahnung wie so eine kleine Menge in der Zigarette wirkt und warum man das macht?! (Den großen Joint am Wochenende und die kleinen Zigaretten unter der Woche, oder wie soll ich das verstehen?) Hier ist sie mit der Sprache nicht so genau raus gerückt, wann und wie oft es "kleine Graszigaretten" gegeben hat!?
Sie wollte mich nicht anlügen, denn das war auch ein Grundsatz, den uns der Berater unbedingt ans Herz gelegt hat, immer alles offen und ehrlich auf den Tisch packen, damit keine Missverständnisse und so neuer Streit entsteht. Also sie wollte nicht lügen und meinte, den "gelegentlichen Jointzug" in einer entsprechenden Runde könne sie wohl nicht abstellen, das sollte ich bitte nicht verlangen meinte sie, schließlich trinke ich ja auch Alkohol und das verbiete sie mir ja auch nicht! (naja......)
Wir haben uns gemeinsam für unser "neues Leben" halt folgende "Gesetze" überlegt:
1. absolutes Verbot der Einnahme von Speed
2. "gelegentlicher Jointzug" in der Runde ist gestattet
3. keine Aufbewahrung von Drogen in unserem Haus (auch kein Gras)
4. Hinterlegung von Speedteststreifen in unserer "Hausapotheke"!
Punkt 4 wollte ich unbedingt, weil, das ich Vertrauen schenken muss, das weiß ich, aber das ich Null Kontrollmöglichkeiten haben soll, das kann es auch nicht sein!
Wenn ich mal ein dummes Bauchgefühl habe oder bestimmte Ereignisse stattfinden (z.B. Partys bis früh um 7, oder so) dann muss ich die Chance haben, mal zu testen!
Das ich immer noch "Restangst" habe, können Sie sich sicher vorstellen. Aber seit heute, Montag, den 08.09., leben wir wieder relativ normal und gehen auch miteinander um wie "Verliebte", das beruhigt zumindest auch die Seele erstmal.
Ich hoffe, dass die Zukunft keine verschenkte Zeit ist.
Ich weiß nicht, ob sie vielleicht auch noch ein paar Tipps für mich haben? Ich sauge jede Info auf die ich kriegen kann, und bin über jeden Tipp dankbar!
Klar, das Speed macht mir natürlich die größte Sorge, aber das schafft sie ja vielleicht, weil sie ja auch weiß, das da halt Teststreifen zu Hause liegen und sie ja nicht weiß, wann ich halt mal danach frage ....
Aber auch das Gras macht mir etwas Angst! Wie oft ist "gelegentlich"? Wenn sie sagt, dass sie ab und an Zigaretten mit Kleinstmengen manipuliert hat - wie oft hat sie das gemacht ? Raucht sie "ständig" kleine Graszigaretten? Wie kann ich das feststellen? Gibt es da auch Testmöglichkeiten?
Was machen wir, wenn wirklich mal irgendwann ein Speed Teststreifen anschlägt? Sie wird behaupten, nix genommen zu haben! Geht es dann ab ins nächste KKH zu einem Bluttest oder einer weiteren Urinprobe? (Das sind alles bei mir noch irgendwie Horrorvisionen!)
Aber einen guten Tipp hat mir auch die Apothekerin gegeben! Als ich am Samstag die 2. Flasche Beruhigungsmittel gekauft hatte, erklärte ich ihr meine Situation, weil sie sich ja auch Sorgen machte, was los sei!? Sie meinte bei allem Ärger, solle ich "das Problem" nicht so dicht an mich ranlassen, da es mich dann auch krank macht! Wir haben Gespräche geführt, "Gesetze" erlassen (also Standpunkte geklärt) alles andere passiert so wie es passiert!
Naja und das sag ich mir auch immer, Holger, mehr kannst du "erstmal" nicht tun! Ob das klappt, wird sich eh erst später rausstellen und nicht sofort...
Ich danke, wenn Sie sich Zeit für mich nehmen, freue mich über ihre Antwort und verbleibe vorerst, mit freundlichem Gruß.
Antwort von Friederike
Lieber Holger,
ich kann Ihre Besorgnis und Panik gut verstehen.
Dennoch möchte ich Sie beruhigen: machen Sie das Problem nicht größer als es ist!!!
Sie sind seit 2 jahren mit Ihrer Freundin zusammen. Der große Altersunterschied und Ihre offenbar unterschiedliche Freizeitkultur machen deutlich, dass Ihre Freundin offenbar einen anderen Freundeskreis als Sie hat und auch häufiger alleine auf Partys geht.
Ohne ihren Drogenkonsum schön reden zu wollen oder gar zu verharmlosen, findet aber gerade in der Altersgruppe, in der Ihre Freundin ist, oft Cannabis- und Speedkonsum statt, der dann sehr bald auch wieder eingestellt wird.
Ist Ihre Freundin noch in der Berufsausbildung? Studiert sie? Oder arbeitet sie bereits?
Die Häufigkeit, mit der sie kifft oder Speed konsumiert, ist letztlich ausschlaggebend für eine Suchtentwicklung!
Wenn sie wirklich nur 1-2 mal monatlich im Rahmen einer Party kifft, ist der Konsum tatsächlich nicht besorgniserregend (mal abgesehen von der Illegalität)! Diese Art des Konsums kann in der Tat mit dem Alkoholkonsum in geselliger Runde verglichen werden. Dass sie aber auch alleine kifft, weist darauf hin, dass Sie möglicherweise Schwierigkeiten zu entspannen hat oder einfach ihre Probleme versucht wegzumachen. Sie sollte nicht alleine kiffen (analog dazu: ebenso wenig solten Sie alleine Alkohol trinken).
Cannabiskonsum ist meist am deutlichsten an den Augen zu sehen: dicke geschwollene Augenlider, gerötete Augen!
Speed besitzt entgegen der Behauptung des Suchtberaters ein sehr hohes psychisches Abhängigkeitspotential, daher ist zum Durchhalten der Nacht ein Kaffee eher empfehlenswert, (wenn denn dann die Müdigkeit schon übergangen werden soll). Wenn Sie näheres zu Speed und anderen Drogen wissen möchten, gehen Sie doch mal auf die homepage: www.suchtstoffe.com
Die Vereinbarungen, die Sie getroffen haben, sind ok. Aber bitte versuchen Sie Ihrer Freundin auch zu vertrauen und weniger zu dramatisieren! Denn sonst steht Ihre Beziehung auf dem Spiel! Jemand, der sich ständig kontrolliert fühlt, neigt dazu auszubrechen!
Vergessen Sie bitte nicht, dass Sie ihr Freund sind und nicht ihr Vater!
Offene und ehrliche, regelmäßige Gespräche sind vertrauensbildend auf beiden Seiten und fördern die Intimität!
Versuchen Sie sie zu verstehen und heraus zu bekommen, wie die Drogen bei ihr wirken und mit welcher Motivation sie die nimmt!
Erzählen Sie ihr auch von Ihren Ängsten, Sorgen und den in Ihnen verursachten Gefühlen. Machen Sie Ihre Haltung zu Drogen deutlich.
Überlegen Sie sich, was Sie tun wollen, wenn der Speeddrogentest positiv ausfällt! Sie können Ihre Freundin nicht gegen ihren Willen ins Krankenhaus bringen! Sie ist eine erwachsene Frau und kein Kind, auch wenn sie so viele Jahre jünger ist als Sie!
Machen Sie sich nicht verrückt mit dem wie es (noch) scheint, relativ harmlosen Drogengebrauch Ihrer Freundin! Überlegen Sie aber für sich, ob Sie damit leben wollen!
Suchen Sie gegebenenfalls eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Suchtkranken auf. Die Adresse erhalten Sie in Ihrer Drogen- bzw. Suchtberatungsstelle vor Ort!
Mit freundlichen Grüßen
Friederike Sohn
Dipl.-Pädagogin

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Kommentar Anonymus
Holger, ich meine das Problem liegt eher bei Dir als bei ihr!
Du möchtest anderen verbieten, was Du Dir selbst gönnst: Viele Mediziner behaupten Alkohol sei weitaus gefährlicher als Marihuana beispielsweise.
Weiter scheinst regelrecht "kontrollsüchtig" zu sein. Dies ist bei Co-Abhängigen typisch, habe ich mir sagen lassen. Der Co-Süchtige sucht die Süchtige, damit er helfen kann. Er gibt dann vor helfen zu wollen, dabei befriedigt er lediglich sein Helfersyndrom, sprich seine eigene Sucht!
Gab es, rein zufällig, massive Suchtprobleme in Deiner Familie?
Du scheinst ein sehr ängstlicher Mensch zu sein. Vertrauen ist ein Fremdwort für Dich.
Diese Eigenschaften sind stark miteinander verwoben: wer sich im Leben fürchtet hat eben kein Vertrauen in das Leben, bzw. in sich selbst. Da Du nicht vertraust, versuchst Du zu kontrollieren: aber bedenke: Nichts wichtiges auf dieser Welt kannst Du kontrollieren, auch wenn Du Dir das noch so sehr wünscht - Du kannst heute noch schwer erkranken, Deine Freundin kann Dir den Laufpass geben (weil Du ihr Vertrauen missbraucht hast) und zuletzt wissen wir auch nicht, ob wir heute abend noch am Leben sind.
All das und noch vieles mehr entzieht sich unserer Kontrolle.
Noch was am Rande:
Sei kein falscher Samariter, wenn Du Hilfe brauchst, dann wälze das Thema nicht auf Deine Freundin ab. Wir wissen, dass es immer wesentlich leichter ist mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber schließlich schaden wir damit allen Beteiligten.
An Deine Freundin:
Ich würde ihr raten, die Beziehung mit Dir nochmal zu überdenken, denn
es wird nicht bei den momentanen Gesetzen bleiben, die Du erlassen hast; eigentlich ganz schön dreist?
Ein wichtiges Merkmal von Sucht ist die "Dosissteigerung". Der Süchtige braucht die Droge und steigert sukzessive den Konsum, der Co-Abhängige steigert seine Kontrollmöglichkeiten. Du machst Dir bereits Gedanken über Sanktionen, also gehe ich davon aus, dass Du nicht in der Lage bist zu vertrauen. Hier wäre Konsequenz angebracht: Sage Deiner Freundin, dass, wenn Du Drogen bei ihr findest, bzw. sie positiv getestet wird, Du sie anzeigen wirst. Aber das wirst Du wohl nicht tun, weil Deine Freundin sich dann von Dir trennen würde und Du Niemanden hättest, den Du kontrollieren kannst.
Sei vorsichtig, schon manche haben den Verstand verloren, als sie feststellten, dass sich das Wenigste kontrollieren lässt.
P.S.: Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil von Liebe!
Antwort Holger, siehe Kontrollsucht II

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