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Frage: Kann frau einem Alkoholiker vertrauen?
von Ulli
Ich habe ein Problem. Bin seit einigen Wochen mit meinem Freund zusammen. Wir sind sehr verliebt ineinander und hoffen, dass wir bald eine Zukunft miteinander aufbauen können. Leider wohnt er zur Zeit noch einige Stunden weit von mir entfernt. Wir telefonieren täglich und versuchen so gut es geht füreinander da zu sein, auch über diese große Distanz hinweg.
Nun zu meinem Problem: Es ist mir schon des öfteren aufgefallen, dass er ganz gern mal 2,3 Bier trinkt, manchmal auch mehr. Nicht täglich aber regelmäßig. Als ich letztens erwähnte, dass ein Verwandter von mir droht in die Abhängigkeit zu rutschen, da meinte er, dass es bei ihm auch so ist.
Er weiß, dass er zuviel trinkt und er ist sich nicht sicher, ob er abhängig ist oder nicht. Aber ihm ist wohl schon seit längerem bewußt, dass er das mit dem Alkohol ändern sollte, nur fehlte ihm bis jetzt die Motivation dazu. Seit er mich kennt, ist es angeblich anders.
Er sagt, dass er jetzt ein Ziel hat und es auf jeden Fall versuchen möchte zu schaffen. Er kann es mir nicht versprechen, aber er will es versuchen. Nun frage ich mich, ob ich ihm das glauben kann. Oder sagt er es nur momentan und in ein paar Tagen ist wieder alles beim alten.
Ich habe eine wahnsinnige Angst davor, dass er Alkoholiker ist und bleibt. Ich will ihn auch nicht verlieren oder verlassen müssen. Ich weiß nur nicht wie ich mich jetzt verhalten soll. Was kann ich tun um ihm zu helfen, wie verhalte ich mich richtig? Jeder rät mir was anderes und ich bin total verunsichert. Könnt ihr mir helfen oder Hinweise geben, wohin ich mich wenden kann?
Antwort von Friederike
Liebe Ulrike,
Ihr neuer Freund hat ein Alkoholproblem und befindet sich mit einem Bein in der Sucht. Ein regelmäßiger Alkoholkonsum ist immer kritisch, weil sich über die Regelmäßigkeit eine Gewöhnung einstellt und damit der erste Schritt in die Sucht gemacht ist! Ferner liegt sein Konsumverhalten auch über der Grenze des gesundheitlich unbedenklichen Konsums!
"Er weiß, dass er zuviel trinkt und er ist sich nicht sicher, ob er abhängig ist oder nicht." Ihr Freund könnte sich auf der Seite: www.suchtstoffe.com über Alkohol informieren und überprüfen, an welcher Stelle der Abhängigkeit er bereits steht!
"Er sagt, dass er jetzt ein Ziel hat und es auf jeden Fall versuchen möchte zu schaffen. Er kann es mir nicht versprechen, aber er will es versuchen. Nun frage ich mich, ob ich ihm das glauben kann."
Das fragen Sie sich zu recht! Denn er hat offenbar nicht für sich begriffen und entschlossen, weniger oder gar überhaupt keinen Alkohol mehr zu trinken, um sich selber und seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, sondern will dies für Sie versuchen, wenn überhaupt! Er tut so, als wenn er damit ein großes Opfer bringen würde - Ihnen zu liebe! Ferner impliziert seine Aussage bereits jetzt schon, dass er es nur versuchen will - ohne Garantie auf Erfolg, nicht etwa, weil er vor hätte,sein Leben ernsthaft zu verändern!
"Ich habe eine wahnsinnige Angst davor, dass er Alkoholiker ist und bleibt. Ich will ihn auch nicht verlieren oder verlassen müssen. Ich weiß nur nicht wie ich mich jetzt verhalten soll. Was kann ich tun um ihm zu helfen, wie verhalte ich mich richtig?"
Was wäre denn, wenn er Alkoholiker ist? Würden Sie ihn dann verlassen?
Sie sehen SEIN Problem, nur er sieht dies scheinbar anders! So lange er kein Problembewußsein hat, wird er nichts in seinem Leben verändern, selbst wenn Sie sich "auf den Kopf stellen"!
Sie können leider nur ganz wenig tun! Dies auszuhalten bei jemanden, den man mag oder gar liebt, ist keine leichte Übung!
Die Gefahr, dabei in die Co-Abhängigkeit zu rutschen und gesundheitlich genauso krank zu werden wie der Abhängige selber, ist sehr groß!
Deshalb sollten Sie für sich entscheiden, ob Sie bereit sind, notfalls, falls er sein Alkoholproblem nicht löst, bereit sind, dies zu akzeptieren und trotzdem eine Beziehung dauerhaft mit ihm führen wollen.
Mit freundlichen Grüßen
Friederike Sohn
Dipl.-Pädagogin

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