Alkoholkonsum meiner Eltern

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Frage: Alkoholkonsum meiner Eltern

von Simba

Wie ihr im Betreffe sehen könnt, geht es nicht um micht, sondern um meine Eltern. Ganz besonders um meine Mutter. Seit ein paar Jahren weiß ich, dass sie heimlich trinkt: schon öfter habe ich zufällig halb leere Wein - und Schnapsflaschen im Keller gefunden und oft riecht sie nach Alkohol. Spätestens gegen Abend ist sie richtig betrunken.

Dazu kommt, dass meine Eltern gemeinsam jeden Abend sehr viel trinken: Eine Flasche Wein mindestens und einige Schnaps kommen auch noch dazu. Sonntags gibt es dann schon zum Mittagessen ne Flasche Wein und dann abends noch mal eine.

So. Vor einiger Zeit habe ich meine Mutter auf das Problem angesprochen, weil ich mir bei ihr sehr sicher bin, dass sie abhängig ist. Ihre Reaktion war wohl typisch - wie ich zu solchen Anschuldigungen käme und was ich mir erlauben würde, ich solle sie gefälligst nicht als Säuferin hinstellen. Dann hat sie noch mit Selbstmord gedroht. Seitdem habe ich nichts mehr gesagt - die Angst, dass sie sich wirklikch was antut, war zu groß.

Ich merke aber langsam, dass es so wirklich nicht mehr weiter geht. Abgesehen davon, dass sie selbst ein großes Problem hat, komme ich überhaupt nicht mit der Situation klar. Normalerweise wohne ich nicht mehr bei meinen Eltern, aber die letzten zwei Wochen um Weihnachten herum war ich hier und ich merke, dass ich langsam selbst daran zerbreche.

Den ersten Schritt habe ich gestern getan, indem ich endlich meinen Freund eingeweiht habe. Meine Mutter hat es nämlich sehr gut drauf, das alles zu verstecken und zu verheimlichen.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich denke, damit man ihr helfen könnte, müsste sie ihr Problem selbst einsehen, aber das tut sie nicht und ich traue mich aus Angst nicht mehr, sie noch einmal drauf anzusprechen. Wahrscheinlich wäre für sie ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik das beste, das aber würde sie nie tun, denn es könnte ja jemand mitbekommen. Überhaupt ist das ihre größte Sorge: Dass irgendjemand merkt, dass sie nicht "perfekt" ist.

Gibt es vielleicht noch irgendeine andere Möglichkeit wie ich ihr helfen könnte?
Ich habe auch meinen Vater schon mal angesprochen, aber der war auch völlig uneinsichtig. Das sei Blödsinn und ich solle ihnen doch nicht ihr Glas Wein am Abend verbieten. Dass sie tagsüber trinkt, halte er für völlig ausgeschlossen.

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Antwort von Delia

Ich weiß nicht, wie oft ich es hier schon erwähnt habe: Eine Amtsrichterin sagte einmal: "In der Bundesrepublik hat jeder das Recht, sich tot zu saufen".

Ein wenig anders wäre es, wenn noch jüngere Kinder im Haushalt deiner Eltern leben würden. Die wären von Verwahrlosung bedroht.

Oder du könntest mit Fug und Recht sagen, dass deine Mutter tatsächlich inzwischen eine Gefahr für sich selbst ist. Jemand, der Suicidgedanken äußert, wird mekwürdigerweise vor sich selbst geschützt, indem man ihn in eine entsprechende Klinik einweist.

Hast du einen Arzt, der deine Eltern gut kennt? Irgendjemand anderen, der großen Einfluß auf deine Eltern ausübt?

Ich glaube, deine einzige Chance besteht darin, dass du die Heimlichtuerei deiner Mutter zunichte machst und mit jedem über das Problem sprichst, der es hören möchte.
Umso größer ist dann die Möglichkeit, dass auch Andere auf deine Eltern einwirken.

Momentan scheint jedenfalls noch nicht "genügend Gefahr im Verzug" zu sein, als dass du entsprechende Behörden einschalten könntest.
(Sozialpsychatrischer Dienst, Amtsarzt, Amtsrichter, ... )

Dir selber und auch deinem Freund kannst du ein wenig weiter helfen, wenn ihr beide in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige geht. Du glaubst gar nicht, wie häufig diese Problematik vorkommt!

Kommentar von Anonymus

Selten liest man in diesem Forum so klare und gut formulierte Fragen. Kompliment!

Ja, jeder darf sich in diesem Land totsaufen und das ist auch gut so, denn ein Klinikaufenthalt nützt nicht das Geringste, wenn die Süchtigen nicht aus freien Stücken der Entwöhnung zustimmen. Selbst nach einer "erfolgreichen" Therapie ist der Weg zur nächten Flasche nie weit.

Erst wenn Deine Eltern wissen, dass sie Hilfe benötigen und auch bereit sind sich zu als Alkoholiker zu "outen" besteht Hoffnung. Dies scheint in Eurem Fall noch ein weiter Weg zu sein.

Niemand auf dieser Welt ist perfekt, auch wenn sich dieses Prädikat viele Menschen gerne aufs Revers pappen möchten.

Ich würde an Deiner Stelle einfach das Weite suchen und den Kontakt bis auf weiteres stoppen. Erst wenn Deine Eltern bereit sind offen zu reden besteht Hoffnung. Es kann helfen sich dann beispielsweise auf neutralem Terrain zu treffen, vielleicht sogar in einer fremden Stadt.

Als Grund für einen Kontaktabbruch würde ich schlicht und einfach sagen, dass ich keine Lust mehr auf Lügen habe. Punkt.

P.S.: Hatten Deine Eltern Dir nicht beigebracht, dass man nicht Lügen soll? Konfrontiere sie auch damit? Ist einmal der Bann des Schweigens gebrochen kann das eine Lavine auslösen, was in diesem Fall positiv sein könnte.

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