Schleichende Co-Abhängigkeit

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Frage: Schleichende Co-Abhängigkeit

Tanja schrieb:

Ich bin seit zehn Jahren mit meinem Mann zusammen und zu Beginn unserer Beziehung ist mir sein Verhalten in Bezug auf Alkohol, Zigaretten und kiffen gar nicht aufgefallen. Das Kiffen hat er relativ schnell aufgegeben, allerdings vor ca. drei Jahren wieder angefangen. Geraucht hat er eigentlich immer, mal mehr, mal weniger, zwischendurch für ein zwei Monate gar nicht. Mit einem Päckchen Tabak reicht er ca. 2 Tage. Der Bierkonsum allerdings erreicht täglich nach Feierabend um 17:30 Uhr mindestens 3 Flaschen, oft genug werden es auch 5 oder 6 Flaschen.

Gegen 21 Uhr fällt er dann schnarchend ins Bett und bekommt bis zum nächsten Morgen nichts mehr mit. Meistens reicht ein Kasten gerade drei Abende. Gekifft wird morgens, mittags, abends, wie oft zwischendurch kann ich nicht nachvollziehen. Da wir drei Kinder im Alter von 8, 6 und 1,5 Jahren haben, wird heimlich im Schuppen gekifft. Spreche ich meinen Mann auf sein Verhalten an, spielt er es runter und stellt mich als blöd hin. Nach einem gewissen Alkoholpegel bringt reden gar nichts mehr.

Oft wird er ausfallend und beleidigend. Manchmal entschuldigt er sich am nächsten Tag für sein Verhalten. Versuche ich dann im nüchternen Zustand mit ihm zu reden, kann ich mir oft genug anhören, dass er gerne Bier trinkt und sich nicht weiter einschränkt, weil er sich ja sonst nichts gönnt. Er geht nie abends weg und gibt auch absolut kein Geld für sich selber aus.

Ich komme allerdings schon seit Jahren mit diesem Verhalten nicht mehr zurecht. Ich fühle mich völlig überfordert, mit der Situation umzugehen, ständig Gespräche zu führen, die nichts bringen und mich den ganzen Tag alleine um Kinder und Haushalt zu kümmern. Kann man bei dem Verhalten meines Mannes überhaupt von einer Sucht sprechen oder liegt das Problem eher in einer zu engen Toleranzsicht meinerseits? Der Bierkonsum ging jetzt letzte Woche von Montag bis Freitag auf 3-4 Flaschen pro Abend, allerdings von Samstag bis Sonntag auf insgesamt 12 Flaschen.

Ich bin wirklich ratlos wie ich weiter machen soll. Meine Ehe und meine Kinder sind alles was ich habe und Unterstützung durch weitere Familie kann ich nicht erwarten.

Antwort

Hallo Tanja,

zunächst möchte ich mich für Ihre ausführliche Nachricht bedanken. Ihr Text hat mir einen kurzen und dennoch sehr guten Einblick in Ihre derzeitige Situation gegeben. Ich finde es sehr mutig von Ihnen so klar und deutlich darüber zu sprechen, dass Sie überfordert mit der Situation sind. Gleichermaßen lese ich eine sehr große Angst von Ihnen heraus, dass das Verhalten Ihres Mannes und Ihr Verhalten auf lange Sicht Ihre Familie kaputt machen könnte. Ich kann mir gut vorstellen, dass das viel Kraft, Ausdauer und Energie von Ihnen abverlangt. Da ich selbst Ihren Mann nicht kenne, fällt es mir schwer konkret zu sagen „JA IHR MANN IST SÜCHTIG“. Ich würde Ihnen gerne einmal ein paar Verhaltensweisen beschreiben, die zweifelsohne süchtige Verhaltensweisen sind. Diese Beschreibung soll allerdings nicht dazu dienen Ihren Partner darauf hinzuweisen, dass er süchtig ist, sondern dazu, dass Sie verstehen was Sucht bedeutet, um für sich selbst etwas klarer zu sehen.

An erster Stelle steht dabei natürlich erst einmal der Konsum selbst. Von Sucht ist dann zu sprechen, wenn ich als Konsument selbst nicht mehr entscheiden kann „lasse ich dieses oder jenes Mittel heute weg oder nicht“- ich brauche es. Das heißt ich habe keine Kontrolle mehr darüber wie viel ich konsumiert habe und was ich konsumiert habe. Es ist dann von Sucht zu sprechen, wenn ich gewissermaßen heimlich konsumiere oder verstecke, damit meine Mitmenschen nicht sehen, wie viel ich konsumiere oder dass ich überhaupt konsumiere. Ein weiterer Indikator für Sucht ist, dass ein regelmäßig konsumierender Mensch sich offensichtlich verändert, wenn er nicht konsumiert hat. Das kann Aggressivität sein oder Unruhe oder Stress oder andere körperliche Reaktionen wie Schwitzen, Zittern, Antriebslosigkeit oder ähnliches. Ein weiterer Punkt wäre, wenn deutlich und auffällig wird, dass eine kontinuierliche Dosissteigerung erkennbar ist, um denselben Effekt hervorrufen zu können. Welcher Effekt das ist, ist dabei sehr individuell und hängt auch vom Suchtmittel ab.

Neben diesen Aufzählungen gibt es noch einige süchtige Verhaltensweisen im zwischenmenschlichen Kontakt. Diese haben Sie in Ihrer Nachricht schon ziemlich klar benannt. Aussagen wie „Ich bin nicht abhängig; Du übertreibst; Ich kann es kontrollieren; Du bist spießig“ sind sehr süchtige Aussagen. Hinzu kommen Aussagen wie: „Mein Verhalten tut mir leid; Ich schaffe es nur, wenn Du mir hilfst; Du musst mir so schnell wie möglich helfen; Willst Du mir jetzt das einzige nehmen, was mir hilft? Du bist doch schuld, dass es überhaupt so weit gekommen ist“ Ich könnte diese Kette an Äußerungen jetzt noch unendlich lang erweitern. Om Grunde läuft es aber auf eine konkrete Aussage hinaus. Ein süchtiger Mensch wird immer erwarten, dass sich alles um ihn herum verändern muss, damit er selbst seine Sucht aufrechterhalten kann.

Tanja, unbewusst tun Sie genau das schon. Sie wollen sich selbst verändern. Sie schreiben „…oder liegt das Problem in einer zu engen Toleranzansicht meinerseits?“ In Zusammenhang mit Sucht gibt es für genau dieses Verhalten einen Begriff:Co-Abhängigkeit. Ihre persönliche Co-Abhängige Struktur besteht nach dem, was ich aus Ihrer Mitteilung herauslese darin, sich selbst zu hinterfragen, ob Sie im Grunde diejenige sind, die etwas falsch macht. Wenn Sie das tun, signalisieren Sie Ihrem Partner, dass an seiner süchtigen Struktur nichts ist, was verändert werden muss und er alles weiterhin so machen kann wie es ihm beliebt. Aus so einer co-abhängigen Struktur auszubrechen ist für einen Partner unglaublich schwer, weil Sie ja emotional miteinander verbunden sind, sonst wären Sie ja kein paar. Meiner Meinung nach ist allerdings deutlich zu erkennen, dass Sie sehr viel eigene Kraft und Hingabe aufwenden, um sich Ihrem Partner und seiner Sucht anzupassen. Die Gefahr, dass Sie sich dabei selbst verlieren ist unglaublich hoch. Tanja ich möchte Ihnen ganz klar sagen, dass es nicht Ihre Aufgabe ist Ihren Partner von der Sucht wegzuholen oder zu „heilen“. Das ist in keiner Weise Ihre Aufgabe.

Ebenso wenig ist es Ihre Aufgabe Ihren Partner davon zu überzeugen, dass er abhängig ist. Wissen Sie, im Moment scheint der Konsum für Ihren Partner viele positive Aspekte zu haben, für die es sich lohnt dieses Verhalten aufrecht zu erhalten. Jetzt sind Sie diejenige, die sich zwischen ihn und das Suchtmittel stellen will, was ihm „so viel positives gibt“. Um es überspitzt darzustellen, Sie sind die böse Mama, die ihrem Kind verbietet das Spielzeug zu benutzen, was ihn so glücklich macht. Das ist ein Kampf, den Sie für sich persönlich im Grunde nur verlieren können. Die Bindung zu einem Suchtmittel ist immer stärker. Ihr Mann muss selbst verstehen, dass er alle Konsequenzen tragen muss, die ein Aufrechterhalten seines Konsums mit sich bringt. Ich lese aus Ihrem Text heraus, dass Sie sein Verhalten nicht hinnehmen möchten. Dann finde ich es ganz wichtig für Sie, ihm deutlich klar zu machen, dass sein süchtiges Handeln weitreichende Konsequenzen hat und er diese dann genauso eigenverantwortlich tragen muss, wie er seinen Konsum zu tragen hat. Jeder Süchtige ist grenzüberschreitend.

Wenn Sie als Partnerin diese Grenzüberschreitungen zulassen, dann wird Ihr Partner diese immer mehr zu seinen Gunsten ausweiten, was Sie in der Folge unglücklich machen wird. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Partner klare Grenzen setzen, in deren Spielraum eine Partnerschaft und Beziehung funktionieren kann und wo eben nicht. In der Sucht gibt es kein „ich drücke ein Auge zu“ oder „So schlimm ist es nicht“ oder „ab morgen fange ich an“. Suchtbekämpfung funktioniert nur ohne Grauzonen.

Ich finde es wichtig für Sie, Tanja, dass Sie sich klar machen: „Was möchte ich?“ „Kann ich weiterhin so mit ihm weiterleben?“ „Was gebe ich an meinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen auf, um ihn glücklich zu machen?“ und die wichtigste Frage: „Wo bleibe ich dabei?“ Es ist wichtig, dass Sie sich klar davon distanzieren, dass Sie nicht für Heilung oder Rückfall verantwortlich sind. Ihr Mann ist ein erwachsener Mensch, der selbst Entscheidungen treffen kann und auch alle Konsequenzen dafür tragen muss. Die Entscheidung zu konsumieren hat er schließlich auch ohne Sie getroffen.

Als weiteren Hinweis möchte ich Ihnen mitteilen, dass Sie diesen Weg der Abgrenzung und klaren Distanzierung in keinem Fall allein gehen müssen. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Angehörige von Betroffenen. Die bekannteste Gruppe davon ist AL-ANON. In einer Beratungsstelle können auch Sie als Angehörige Informationen über Co-Abhängigkeit erhalten und Unterstützung erfahren. Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen beantworten. Ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg viel Kraft und Mut für sich selbst einzustehen und sich abzugranzen.


Mit freundlichen Grüßen,
Christine Gerull

 

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