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Frage: Meine Frau ist spielsüchtig
Hallo, wir sind seit ca. 4 Jahren verheiratet und haben ein Kind (2 Jahre). Wir stecken in einer Beziehungskrise, die mehrere Ursachen hat. An sich müssten wir uns glücklich schätzen, denn unser Sohn ist unser Sonnenschein und pflegeleicht. Wir sind dabei, eine Wohnung abzuzahlen, was aber kein Problem darstellt, da ich gut verdiene und meine Frau demnächst wieder mehr arbeiten geht, sprich finanziell geht es uns gut.
Wir waren bis vor einem Jahr im Ausland, wo das Problem begann, meine Frau fühlte sich einsam (ich war arbeiten und ihr fiel die Decke auf den Kopf, dazu kam die Schwangerschaft) und ist eher introvertiert, sprich geht nicht auf andere Menschen zu. So war unser Freundeskreis eher klein. Das war mit ein Grund, daß wir nach Deutschland zurückkehrten. Nun sieht unser Leben wie folgt aus.
Ich arbeite, Sie kümmert sich um den Kleinen (halbtags Krippe), abends haben wir ca. 1 Stunde zu dritt, bevor der Kleine ins Bett geht. An mind. 4 Tagen spiele ich dann online (mit anderen Männern Fußball, also nicht um Geld), weil mir das mehr Spaß macht, als gemeinsam TV zu sehen (kommt selten etwas was mich interessiert).
Sie steht auf DSDS, Promireporte u.ä. wir schauen auch ab und an eine DVD, aber gegen 21 Uhr schläft Sie dann eh ein. Wochenende unternehme ich was mit unserem Kleinen, damit Sie mal für sich ist. Aus Mangel an Babysitter (kaum Freunde) gehen wir selten gemeinsam weg. Ich gehe einmal pro Woche zum Sport und fahre als Ausgleich viel Rad (täglich zur Arbeit ca. 30km), das ist ein sportlicher Ausgleich, der mir gut tut. Sie hat kaum Interessen (immerhin liest Sie seit kurzem Bücher), meiner Ansicht nach fehlt ihr der Ausgleich, das sieht sie anders. Ihr Ausgleich besteht u.a. darin, morgens online zu spielen, so verzockt Sie ca. 150 -200€ im Monat.
Ich finde es normal, daß Sie Geld für sich ausgibt, aber muß es Onlinezocken sein? Bleibt es bei diesen Beträgen, wird es mehr? Hinzu kommt das Sie 3-4 mal pro Woche ne halbe Flasche (bin nicht sicher ob mehr) Sekt/Wein trinkt.
Da bei ihr eine kleine Menge ausreicht, ist Sie dann leicht angetrunken, wenn ich nach Hause komme. Da mich "Alkoholfahnen" anwidern (trinke selbst sehr wenig) und Sie auch raucht (ich bin Nichtraucher), sage ich ihr deutlich, daß Sie mich in Ruhe lassen soll, wenn Sie wieder getrunken hat. Ich habe das Gefühl, daß die das alles macht, weil Sie sich einsam fühlt. Aber ich habe Probleme, Sie so zu lieben.
Ich denke, das läuft auf Trennung raus, innerlich habe ich eigentlich schon abgeschlossen, nur wird Sie dann wohl zu ihrer Mutter ziehen mit Kind und die wohnt 1000km entfernt. Ich habe Angst, den Kleinen zu verlieren. Aber es geht nicht um mein Ego, sondern um ihn. Eine Beziehung in der Art ist auf Dauer nicht gut für ihn (noch bekommt er den regelmässigen Streit kaum mit). Dazu kommt, daß ich Angst habe, daß meine Frau dann noch mehr trinken wird und evtl. noch mehr Ablenkung im Onlinespielen sucht.
Ich sehe aber keine Zukunft mit einer spielesüchtigen Frau, die meiner Ansicht nach auch auf dem besten Weg zur Alkoholikerin ist. Ich bin wohl mit verantwortlich, aber ich lasse mich doch auch nicht so gehen? Ich würde mal gerne andere Meinungen hören - ist Sie schon Alkoholikerin? Wie bekomme ich Sie vom Onlineglückspiel weg? Wie schaffe ich den Absprung vom zu vielen Onlinespielen.
Es ist Zeit, daß wir professionelle Hilfe suchen, denn unser Sohn soll nicht darunter leiden, wenn die Eltern unfähig sind, eine Lösung zu finden. Danke im voraus für Ratschläge.
Antwort von Silvia
Ich finde das Spielverhalten Ihrer Frau ebenfalls problematisch.
Sicher ist es kein Problem, im Monat 150-200 EUR für sich selbst auszugeben. Aber hinter dem Spielverhalten stehen meiner Meinung nach ernstere Probleme, die - verbunden mit dem doch regelmäßigen Alkoholkonsum - behandlungsbedürftig erscheinen. Die Weltgesundheitsorganisation spricht ab einer regelmäßigen Trinkmenge von 0,25 l Wein pro Tag (für Frauen) von zumindest mißbräuchlichem Konsum. Vielleicht leidet Ihre Frau unter Depressionen? Empfehlen Sie ihr doch den Besuch einer Suchtberatungsstelle, einfach, weil sie sich Sorgen machen und sich wünschen, dass es IHR gut geht.
Ich glaube wie Sie, dass Ihre Frau sich einsam fühlt und diese Gefühle durch Spielverhalten und Alkoholkonsum zuzudecken versucht. Es wäre wichtig, dass sie eine sie zufriedenstellende Tagesstruktur entwickelt. Bei einer Trennung sollte sorgfältig abgewogen werden, bei wem Ihr gemeinsames Kind bleibt.
Es scheint fraglich, ob Ihre Frau die Versorgung langfristig geregelt kriegt, weil sich Alkoholabhängigkeit zumeist über die Jahre verschlimmert. Sie selbst werden Ihre Frau von keiner Sucht befreien können, diesen Weg muss und sollte sie selbst gehen, vor allem auch im Interesse des Kindes.
Sie selbst sollten schauen, dass sie sich Grenzen setzen (z.B. Zeitlimits, spielfreie Tage), damit ihr Onlinespielen (auch wenn es nicht um Geld geht) nicht überhand nimmt. Ihr Kind möchte wahrgenommen werden und nicht neben Eltern herleben, die stundenlang am PC hocken und nicht davon loskommen. Sie haben als Eltern eine Verantwortung und ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, diese gut wahrzunehmen.
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