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Frage: Sohn ist Cannabisabhängig
Hallo, meine Name ist Steffi, ich bin 43 Jahre alt und habe 3 Kinder. Mein Sohn ist fast 21 Jahre alt.
Er war bis vor kurzen in einer Therapieeinrichtung. Mein Sohn ist Drogenabhängig, er konsumiert hauptsächlich Cannabis, hat aber auch schon Speed und andere Drogen ausprobiert. Mein Sohn hat ADHS und eine Persönlichkeitsstörung. Sein großes Problem ist es im zusammen Leben sich an Regeln zu halten.
Er trifft in seinem Leben ständig Menschen, mit denen er nicht auskommen kann, und dann auch schnell ausrastet und gewaltbereit ist. Er hat zwei Ausbildungsstellen verloren, seine erste Therapie hat er nach zwei Monaten abgebrochen , da er Konflikte mit Therapeuten hatte und für sich keinen anderen Ausweg wußte als zu gehen. Mein Sohn hat durch seine Abhängigkeit einige Straftaten begangen und hatte auch die Auflage von Gericht eine Drogentherapie zu machen. Er hat sich auch wirklich gleich bei der Richterin gemeldet und ihr mitgeteilt das er die Therapie auf jeden Fall weiter machen möchte aber nur in einer anderen Einrichtung.
Bis wieder alles neu beantragt war ,dauerte es dann 4 Monate bis er seine neue Therapie beginnen durfte. Bis dahin war er dann allerdings wieder rückfällig geworden. Er dachte er würde ohne Entgiftung auskommen, das gelang aber nicht und wir waren heil froh einen Entgiftungsplatz so kurzfristig zu erhalten. Ich wußte die ganze Zeit , das wieder was passieren könnte, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Nachdem mein Sohn dann aber nach ca. 8 Wochen im Zug saß um nach Hause zu fahren , haben wir uns entschlossen, ihm vor die Wahl zu stellen, die drei Tageregelung in Anspruch zu nehmen oder sich bis zu einem bestimmten Termin darum zu kümmern seine Haftstrafe anzutreten. Wir wußten wirklich nicht wie wir uns richtig verhalten.
Ich hatte wirklich große Angst, wie allles weiter gehen sollte. Wir waren so stolz auf ihn, als er am nächsten Tag schon wieder auf den Weg zur Einrichtung war. Da er eine Disziplin für sein Verhalten bekommen hatte, hatten wir dann erstmal wieder Kontaktsperre zu ihm. Aber das war für uns nicht so schlimm, da wir wußten wo er war und viel Hoffnung in die Sache steckten. Nach fast 7Monaten hat er sich wieder in den Zug gesetzt, aber diesmal gab es kein zurück(es gab einfach zu viele Vorfälle, so das andere Klienten und Therapeuten forderten das er geht, bis auf seine Therapeutin , sie konnte aber nichts mehr dagegen tun.)
Er wäre wohl sonst disziplinarisch Entlassen worden, also ist er so gegangen um mit der Richterin noch mal zu sprechen ob er seine Therapie ambulant beenden kann. Er rief uns erst an ,als er schon im Zug saß ,und wir auch nichts mehr tun konnten. Obwohl ich weiß und wußte das dies jeder Zeit passieren kann, bin ich jedesmal so traurig und fühle mich so ziemlich hilflos. Ich liebe meinen Sohn sehr, aber unsere Familie hat schon sehr darunter gelitten. Wir müssen auch an seine Geschwister denken die jüngste ist 10 Jahre alt.
Also hatten wir ausgemacht das er sich meldet wenn er mit dem Zug angekommen ist. Er rief dann auch spät an, und teilte uns mit das er bei einem Freund übernachtet und sich gleich am nächsten Morgen an die Richterin wendet um dort alles andere mit ihr zu besprechen. Danach wollte er dann gleich nach Hause kommen. Wir haben kaum geschlafen, da dieser Freund früher auch konsumierte. Nach dem er Mittags noch nicht da war riefen wir mehrmals auf seinem Handy an. Doch ohne Erfolg. Am späten Nachmittag kam dann eine Sms. Das bei ihm alles in Ordnung wäre und das er alt genug sei um auf sich aufzupassen. Er wollte dann spätestens um 18Uhr zuhause sein. Mit zwanzig Minuten Verspätung kam er dann. Wir haben uns vorher überlegt an welche Regel er sich halten sollte um bei uns bleiben zu können.
Er kam dann ins Wohnzimmer, der erste Blick fiel auf sein Gesicht, wir dachten beide, er sei Rückfällig geworden. Er stritt dies aber ab. Wir haben ihm gesagt das er am Wochenende weg kann aber bis 18 Uhr wieder da sein muß, das dies für die kommende Woche gelten würde und das er uns bis zum kommenden Freitag mitteilen müßte wie es weiter geht, und er sich bis dahin um seine Sachen kümmern müßte. Außerdem seien Drogen und Alkohol tabu. Er akzeptierte dies. Am nächsten morgen frühstückten wir zusammen und er erzählte , und auch von einem Anruf den er mit Christine, einer Therapeuten geführt hatte, die ihm auf jeden Fall bei Problemen weiter helfen wollte.
Ich mußte dann die Freundin meiner Tochter abholen und nahm ihn mit ,da er seinen Freund besuchen wollte. Wir haben ihm noch gesagt das er sich auf jeden Fall an die Uhrzeit halten müsse, wir würden keine ausreden gelten lassen und würde ihm ansonsten die Tasche vor die Tür stellen. Um 17.15 Uhr rief er dann auf meinem Handy an. Ich bin nicht dran gegangen, weil ich angst hatte mich von ihm bequatschen zu lassen. Mein Mann ging dran, er sagte er fände die Regelung scheiße und würde sich auf keinen Fall daran halten. Mir gehts einfach nur noch schlecht. Ich weiß nicht was er macht und ob er jetzt wieder Rückfällig ist und sich um nichts kümmert. Ich habe große Angst ihm könnte etwas zustossen. Ich suche nach Antworten wie wir uns verhalten sollen. Können sie mir helfen?
Antwort von Dirk Mager
Hallo Steffi,
ihr habt euch weitestgehend richtig verhalten. Dein Sohn ist, auch mit der Diagnose ADHS und seiner Sucht, mittlerweile Erwachsen.
Das ist es auch, was ihr ihn vermitteln müsst. Euer Sohn ist für sein gesamtes handeln selbst verantwortlich und wird auch die Konsequenzen für sein tun tragen. Dass kann ihm keiner nehmen, auch ihr nicht. Ich weis auch, dass es bei aller mütterlicher Liebe, besonders schwer ist das zu akzeptieren.
Deshalb empfehle ich euch dringend, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu suchen. Diese gibt euch Halt und Kraft, die Regeln konsequent durchzuziehen. Außerdem erden dort eine Menge Erfahrungen ausgetauscht, die euch weiterhelfen kann.
Das Problem, auf dass ich bei Angehörigen immer wieder stoße ist, dass sie akzeptieren, dass Sucht oft eine sehr langwierige und schmerzhafte Angelegenheit ist. Für den Süchtigen selbst und für die Angehörigen. Die Faszination an dem Handeln eines Süchtigen ist, das er immer wieder die selben Fehler begeht.
Und das jedes Mal mit der Erwartung, dass etwas anderes geschieht. Ein süchtiger Mensch muss oft diesen, mit der Sucht zusammenhängenden Schmerz erfahren um die Bereitschaft zu entwickeln, die für ein nüchternes Leben notwendigen Dinge zu tun. Das kann man einem Süchtigen nicht einreden. Die Bereitschaft muss von alleine kommen.
Ich wünsche dir und deine Familie viel Kraft um diese Zeit zu überstehen.
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