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Vater Alkoholiker
von Caroline
Mein Vater (45) trinkt seit seiner Jugend täglich 10 Bier. Außerdem hat er seit 12 Jahren schwere Diabetes und ernährt sich sehr schlecht (bzw. gar nicht).Nun lag er zum wiederholten Male im Krankenhaus (was ich auf den Alkohol zurückführe). Und nahm sich wiedermal vor, das Trinken jetzt aufzugeben. Schon zwei Tage nach seiner Entlassung sitzt er wieder völlig abwesend auf der Couch und trinkt.
Meine Mutter, mit der er mittlerweile eine weniger gute Ehe führt, versuchte in den letzten 20 Jahren bereits Gespräche im Guten und im Bösen. Auf ihre, wie auf meine, Reden reagiert er nur sauer oder garnicht, er wird beleidigend und es tut sich ansonsten nix. Auch Aussagen, wie „Ich kann so nicht weiter leben." berühren ihn scheinbar nicht. Ich denke, ihm ist bewusst, dass meine Mutter so oder so nicht gehen würde. Und ehrlich gesagt habe ich auch Angst, dass er sich ganz tot säuft, wenn sie es durchzieht. Aber so bleibt auch sie auf der Strecke.
Er weiß, dass das was er tut nicht richtig ist, aber dabei bleibt es leider auch.
Ich denke, um ihm helfen zu können, bedarf es seiner eigenen Einsicht, aber die ist eben scheinbar nicht da.
Wir haben solche Angst um ihn und unsere Familie und können so einfach nicht weiter leben. Was sollen wir nur tun?
Antwort von Friederike
Liebe Caroline,
leider können Sie nur nur ganz wenig für Ihren Vater tun! Sie können Ihren Vater nicht verändern und haben auch offensichtlich keinen Einfluß darauf, ob er trinkt oder nicht!
Das, was Sie und Ihre Mutter all die Jahre mit ihm mitgemacht haben, hat Sie beide in die Co-Abhängigkeit gebracht, d.h. Sie unterstützen sein Verhalten und sein Alkoholproblem, indem Sie es tolerieren, ihm in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen drohen, ihn zu verlassen, wenn er sein Verhalten nicht ändert, ihn eventuell für versäumte Termine entschuldigen, für ihn lügen usw., während es Ihnen gleichzeitig immer schlechter geht! Sie fokussieren sich stark auf sein Problem!
Die Co-Abhängigkeit verläuft parallel zum Krankheitsverlauf des Alkoholikers! Das bedeutet, dass Sie und Ihre Mutter sich immer mehr aufgeben! Das Selbstwertgefühl leidet extrem stark darunter,Sie sind immer weniger in der Lage, sich abzugrenzen, entschuldigen immer häufiger das Verhalten Ihres Vaters, auch wenn es noch so daneben ist!
Erst wenn Sie sich verändern und die Verantwortung für das Verhalten Ihres Vaters ihm alleine übertragen, d.h. ihm die Konsequenzen seines eigenen Tuns und Handels überlassen, ist die Möglichkeit gegeben, dass er irgendetwas verändert - falls er es denn tut!
Seine Diabetes und sein jahrelanger Konsum inklusive der ganzen Gespräche mit ihm (im Guten wie im Bösen) haben jedenfalls in den letzten 30 Jahren nicht dazu geführt, dass er seinen Alkoholkonsum einschränkt oder gar beendet! Er will trinken und nimmt damit auch alle Folgen davon in Kauf!
Lassen Sie ihn! Er ist erwachsen und es ist seine Entscheidung! Solange er eine Frau und eine Tochter hat, die ihn in seiner Sucht unterstützen, wird er wahrscheinlich weiter trinken!
Wenn Sie als Familie und auch als Tochter so nicht weiterleben können und wollen, ist dies eine klare Entscheidung von Ihnen, die Sie nun auch in die Tat umsetzen sollten!!
Grenzen Sie sich ab und beginnen Sie, Ihr Leben so zu gestalten und auszufüllen, dass es Ihnen Freude bereitet und Sie das Gefühl haben, auch weiter zu kommen!
Sie und Ihre Mutter sollten sich beide zur eigenen Entlastung einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern (z.B. Al Anon) anschließen. Die Adresse erhalten Sie in der Suchtberatungssstelle. Auch in der Beratungsstelle können Sie als Angehörige Gespräche in Anspruch nehmen!
Viel Kraft!
Mit freundlichen Grüßen
Friederike Sohn
Dipl.-Pädagogin
Weiterführende Informationen: Buchtipps Alkoholsucht | Alkoholiker | Alkohol |

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