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Co-Abhängig
von Magnus
Ich habe im Herbst 2007 einen jungen Mann kennengelernt (er ist jetzt 23 und ich bin 40). Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich eine Freundschaft entwickelt. Er war seit früher Jugend an drogenabhängig (Cannabis, Speed und auch Heroin). Leider wohnt er ca. 100 KM weit weg. Er machte mehrere Entzüge. Nach dem letzten Entzug machte er eine Therapie, die er jedoch früher beendet hat, als er zunächst wollte. Er befand sich in einem Stift mit therapeutischer Einrichtung, hielt es aber dort nicht mehr aus und zog wieder zu seinen Eltern.
Er möchte in diesem kleinen Ort aber weiterhin eine ambulante Therapie bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Und er hat die Absicht in naher Zukunft in einen 15 KM entfernten, größeren Ort zu ziehen und mich auf die Idee gebracht, ebenfalls dorthin zu ziehen. Diese Idee ist gar nicht so abwegig.
Ich möchte ihm so gerne auch wieder eine Perspektive bieten. Er möchte gerne einer Arbeit nachgehen und ein eigenständiges Leben führen-auch dabei möchte ich ihn unterstützen. Ist es denn sinnvoll, wenn ich hier in meinem 100 KM entfernten Heimatort eine Drogenberatung aufsuche? Haben Sie vielleicht auch eine andere Anregung, wie ich weiter verfahren sollte?
Bei seinen Eltern wohnt er in der Nähe von den damaligen falschen Freunden, mit denen er kiffte und Drogen konsumierte. Ich sehe halt die Gefahr, dass er sehr bald wieder, bei Kontakt mit ihnen, erneutem Drogenkonsum unterliegen könnte. Ich kann ihn aufgrund der momentanen Entfernung auch nicht allzu häufig besuchen. Für eine baldige Antwort bedanke ich mich im voraus recht herzlich.
Antwort von Friederike
Lieber Magnus,
Sie haben einen fast 20 Jahre jüngeren Mann kennen gelernt, der nun nach anfänglichen Schwierigkeiten Ihr Freund ist. Durch die 100 km weite Entfernung sind der Freundschaft räumliche Grenzen gesetzt, die Sie auflösen wollen, indem Sie mit ihm gemeinsam eventuell 15 km entfernt zu seinem jetzigen Wohnort ziehen wollen. Sie befürchten einen Drogenrückfall bei ihm, wenn Sie nichts tun!
Ihr Freund hat die letzte stationäre Therapie abgebrochen, macht ambulant weiter und wohnt bei seinen Eltern. Die ehemaligen Freunde wohnen in der Nähe ...
Die Sorgen, die Sie sich um ihn machen, sind nicht ganz unbegründet. Ihr Freund ist sehr labil und steht nicht auf eigenen Füßen. Er wohnt wieder bei seinen Eltern. Ob Sie ihn allerdings "retten" können, indem Sie zu ihm oder in seine Nähe ziehen, ist fraglich!
Was versprechen Sie sich davon, wenn Sie diese fürsorgende Rolle übernehmen?
Sie befinden sich auf dem Weg in die Co-Abhängigkeit!
Es ist zwar ehrenwert und hilfsbereit von Ihnen, ihn unterstützen zu wollen! Ob er allerdings wirklich mit den Drogen aufhören will und kann, wird sich an der Realität zeigen.
Drogenabhängige gibt es überall, ob in seinem Heimatort oder anderswo! Und wenn er so labil ist, abstinent nicht leben zu können, bedarf es einer stationären Behandlung! Da können Sie ihm nicht hilfreich sein, ausser Sie bringen ihn dorthin!
Sie werden seine Sucht nicht heilen können und müssen auf sich selber gut aufpassen, dass Sie bei einer psychisch so stark belastenden Situation nicht nervlich zugrunde gehen!
Suchen Sie sich daher Rat und Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Drogenabhängigen und/oder in der Drogenberatungsstelle in Ihrem Wohnort. Die Adresse der Selbsthilfegruppe erhalten Sie ebenfalls in der Drogenberatungsstelle.
Ihr Freund sollte sich selber auch weiterhin Hilfe in der Drogenberatunsgstelle in seinem Heimatort suchen, sofern er dies nicht schon in Form der ambulanten Therapie macht!
Mit freundlichen Grüßen
Friederike Sohn
Dipl.-Pädagogin

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